Die Kreistagsfraktion von Die Linke – hier: Anna Hofmann, Bernd Hannemann und Adnan Yildirim – forderten eine kritischere Betrachtung rechtsextremistischer Bewegungen im Kreis.
Marburg. Am vergangenen Freitag beschäftigte sich der Kreistag Marburg-Biedenkopf mit einer großen Anfrage der Linken zur rechtsextremen Gewalt im Landkreis – und für den morgigen Donnerstag rufen Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zu einer Schweigeminuten für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt auf.
Im Landkreis werden verschiedene Betriebe und Behörden diesem Aufruf folgen und um 12 Uhr ein Zeichen setzten, indem sie die Arbeit ruhen lassen und gemeinsam der Opfer von rechtem Terror gedenken. Mit dabei sind beispielsweise die Marburger Stadtverwaltung, die Bundesagentur für Arbeit und die Blindenstudienanstalt in Marburg sowie verschiedene Metall-Betriebe im Hinterland, wie DGB-Organisationssekretär Dr. Ulf Immelt im Gespräch mit der OP berichtet.
Aus Immelts Sicht eine sehr sinnvolle Aktion – auch, um dem rechtsextremen Gedankengut in der Gesellschaft entgegenzutreten und um klarzumachen, dass es dafür keine Akzeptanz gibt. Er erinnert an die Hakenkreuzschmierereien an Kirchen und auf Friedhöfen im heimischen Raum in den vergangenen Wochen und Monaten, deren Verursacher die Polizei noch sucht.
Immelt spricht über Rechtsradikalismus, der sich auch in der virtuellen Welt von Jugendlichen widerspiegele, wo auf Internetseiten Fotos von gehissten Hakenkreuzfahnen freimütig veröffentlicht würden. Und er spricht über solchen „Alltagsrassismus“, wie er sich etwa in dem Begriff „Döner-Morde“ widerspiegele, der im Boulevard für die Attentate der Zwickauer Neonazi-Zelle benutzt wurde.
„Stellen Sie sich doch mal vor, in der Türkei gäbe es eine Mordserie an Deutschen und die Rede wäre von Kartoffel- oder Sauerkraut-Morden“, wechselt Immelt zur Verdeutlichung seiner Kritik die Perspektive. Und er beklagt auch, dass solche Verbrechen aufgrund von „schlafenden Staatsorganen“ über Jahre hinweg unaufgedeckt blieben.
von Carina Becker
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