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Rechtsextreme Frauen in allen Gesellschaftsschichten

Ina Pallinger präsentiert Forschungsprojekt Rechtsextreme Frauen in allen Gesellschaftsschichten

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) kamen rund 50 Interessierte zum Vortrag in den Kulturladen KFZ.

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Die Referentin Ina Pallinger (links) und die Moderatorin und Vorsitzende der ASF Dr. Theresia Jacobi.

Quelle: Elvira Rübeling

Marburg. Über „die nicht wahrgenommenen Frauen“, die vor etwa 20 Jahren anfingen in der rechten Szene aktiv zu werden, gebe es kaum Zahlen, sagte Referentin Ina Pallinger. Sie ist Mitglied des Forschungsnetzwerkes Frauen und Rechtsextremismus, studiert und arbeitet an der Uni Marburg im Fachgebiet für Demokratieforschung in dem Projekt „Rechtsextremismus und Gender: politische Sozialisation von Jugendlichen im ländlichen Raum“.

Rund 50 Prozent der jungen Frauen besitzen laut einer Studie aus dem Jahr 2013 rechtsextremes Einstellungspotenzial. 20 Prozent bevorzugen rechtsextreme Parteien und stellen ein Drittel der Wählerschaft. In rechtsextremen Kameradschaften und Cliquen sind etwa 10 bis 33 Prozent Frauen vertreten, an rechtsextrem motivierten Straf- und Gewalttaten seien rund 10 Prozent Frauen beteiligt, berichtete Pallinger.

Das Leben als Kampf

Wenn der Begriff Neonazi falle, seien die Assoziationen meist eindeutig: jung, männlich und gewaltbereit. Frauen würden selten als Mittäterin gesehen und auch ihr politisches Engagement in der Szene kaum wahrgenommen, weil der Mythos der friedfertigen Frau nach wie vor existiere. Dabei seien auch sie Gewaltausübende, Helferinnen, Schützerinnen, Mitwisserinnen und Anstifterinnen.

Die Gewalttätigkeit bestehe aber nicht nur nach außen, sondern auch im Innern der Rechtsradikalen. Dazu zählten die Umgangsformen untereinander nach dem Motto, aufgrund der Bedrohung von außen beginne „die Revolution im Bett“, um das Volk von innen heraus zu reinigen.

Dies alles, verbunden mit der extrem sexistischen Lebensauffassung, das Leben als Kampf zu sehen, und der vorherrschenden Gewalt und Misogynie (Frauenverachtung) in den rechtsradikalen Gruppen mache einen Ausstieg unmöglich.

Entnazifizierung nach dem Krieg nicht gelungen

Am Ende ihres Vortrags stellte Pallinger noch drei Frauen aus Hessen vor, die sich in der rechten Szene einen Namen gemacht haben. Katja K. aus Bad Hersfeld, Ingeborg Godenau aus Schwalmstadt und die NPD-Politikerin Regine Land aus Wetzlar.

In der anschließenden Frage-und-Antwort-Runde erfuhren die Besucher unter anderem, dass der Rechtsextremismus im Osten auf fruchtbareren Boden gefallen sei als im Westen und auch, dass die nach dem Krieg stattgefundene sogenannte Entnazifizierung so nicht gelungen sei.

Das rechte Gedankengut sei unter anderem über Generationen weiter getragen worden. Des Weiteren seien rechtsextreme Frauen in allen Schichten der Gesellschaft zu finden.

von Elvira Rübeling

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