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„Raus aus dem Parlament auf die Straße“

Interviews zur Stadtparlamentswahl (1) „Raus aus dem Parlament auf die Straße“

Die Spitzenkandidatin der „Bürger für Marburg“, Andrea Suntheim-Pichler, setzt für die Wahl am 6. März auf Sachpolitik und steht für eine Wohnbebauung auf den Lahnbergen.

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Andrea Suntheim-Pichler, Spitzenkandidatin der „Bürger für Marburg“: Mehr Wohnraum in der ­Innenstadt zieht mehr Verkehr nach sich.“

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. OP:  Mit welchen Argumenten werben Sie um Stimmen für die Bürger für Marburg?

Andrea Suntheim-Pichler: In den letzten fünf Jahren als Abgeordnete für die „Bürger für Marburg“ habe ich bewiesen, dass ich Sachpolitik einbringe. Es kommt nicht nur auf die Menge eingebrachter Anträge an, sondern auf deren Qualität. Meine Anträge haben sich mit vielen kleineren und größeren Problemen beschäftigt, und sie sind vielfach angenommen und umgesetzt worden. Ich persönlich habe zudem in den vergangenen Jahren ein Netzwerk im Stadtparlament aufgebaut. Ich spreche mit den Grünen, ich spreche mit den Linken, ich spreche mit allen Parteien, wir bereiten über die Fraktionsgrenzen Anträge vor. Wir sind aus dem Parlament rausgegangen, wir gehen auf die Straße, wir haben tausende von Gesprächen geführt, für Parkplätze in der Innenstadt, für einen Ortsbeirat in der Oberstadt. Das ist unsere Vorstellung von wahrer Bürgerbeteiligung.Die „Bürger für Marburg“ treten ein für ein wohnenswertes Marburg, in dem alle Menschen in jeder Lebensphase gut leben können - in einem Umfeld, das natürlich ist, das uns Freizeitmöglichkeiten gibt und in dem unser Klima geschont wird. Wir sind für den Erhalt der vielen kleinen und größeren Grünflächen und wollen nicht, dass diese in der Kernstadt den angedachten Hunderten von Wohnungen zum Opfer fallen.

OP: Wie wollen Sie der Wohnungsnot in Marburg dann begegnen?

Suntheim-Pichler: Ich stehe­ für eine Wohnbebauung auf dem Campus Lahnberge - vorausgesetzt, dass eine entsprechende Infrastruktur mit Supermärkten, Cafés, Restaurants und Kindergärten geschaffen wird. Das ist doch nichts anderes als vor 50 Jahren am Richtsberg, und auch dieser Stadtteil hat sich gut entwickelt. In der Innenstadt muss man konzentriert nach leeren, ungenutzten gewerblichen Flächen schauen. Auch die Außenstadtteile­ bieten Möglichkeiten, gut zu wohnen. Auch der Bereich zwischen dem Sellhof und Ockershausen könnte beispielsweise noch bebaut werden. Wenn wir in der Innenstadt mehr Wohnraum schaffen, zieht das noch mehr Verkehr nach sich - und das kann Marburg sich nicht leisten.

OP: Welche Verkehrskonzepte können Marburg vor dem Verkehrsinfarkt bewahren?

Suntheim-Pichler: Die Straßen in Marburg sind eigentlich viel zu schmal, um neue Verkehrskonzepte umzusetzen. Jetzt teilen sich plötzlich Autofahrer und Fahrradfahrer die Bunsenstraße, was nur mit ­großer gegenseitiger Rücksichtnahme funktionieren kann. Das ist gefährlich. Eine radikale Konsequenz könnte sein, dass man einzelne Straßen für Autofahrer oder Fahrradfahrer komplett sperrt. Dazu müssen aber vernünftige Konzepte her. Wenn der Campus Firmanei mit 5000 Studenten in Betrieb geht, haben Autos am Pilgrimstein aus meiner Sicht nichts mehr zu suchen. Umgekehrt muss die Biegenstraße durchlässig für den Autoverkehr sein. Hier könnte es Sinn machen, den Fahrradverkehr herauszunehmen und über den Pilgrimstein laufen zu lassen. Das Parkhaus müsste dann aus Richtung Süden angefahren werden. Der Verkehrsversuch in der Nordstadt muss aber beendet werden.

OP:  Für den Fall, dass die rot-grüne Koalition ihre Mehrheit verliert, wird über die „Bürger für Marburg“ als möglicher Partner spekuliert. Stehen Sie für eine solche Koalition zur Verfügung?

Suntheim-Pichler: Zunächst mal müsste das Wahlergebnis das hergeben. Dann muss man über Inhalte reden. Als reiner Mehrheitsbeschaffer stehen wir nicht zur Verfügung. Wenn ­alle Voraussetzungen stimmen, kann ich mir eine Mitarbeit im hauptamtlichen Magistrat aber vorstellen.

von Till Conrad

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