Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Regen

Navigation:
Rasthof-Dackel frisst sich durch

"Sunny" kehrt zurück Rasthof-Dackel frisst sich durch

Vier Monate sind vergangen, seit Dackelrüde „Sunny“ vor dem Angriff eines fremden Hundes flüchtete. Sein Umherirren im Nachbarlandkreis Gießen fand auf der Autobahnraststätte bei Homberg/Ohm ein überraschendes Happy End.

Voriger Artikel
Axt-Anschlag auf Amtsgericht
Nächster Artikel
Historikerturm erhält Klimaanlage

„Sunny“ hat überlebt – nicht zuletzt dank Fernfahrermahlzeiten auf der Raststätte bei Atzenhain (Landkreis Gießen). Jetzt ist er wieder daheim, bei Klaus und Denise Schneider in Hachborn.

Quelle: Martina Becker

Hachborn. Monate mit tiefer Traurigkeit, Hoffnung sowie Resignation liegen hinter Familie Schneider. Am 26. Februar nahm die fast unglaubliche Geschichte ihren Anfang.

Bei einem Spaziergang im Feld von Hachborn wurde der angeleinte, absolut friedfertige Dackel von einem schwarzen, freilaufenden, nicht angeleinten Hund völlig unerwartet angegriffen, erzählt die Besitzerin Denise Schneider. „Sunny“ entwischt aus seinem Halsband und lief fort. Weg war er - und das für vier lange Monate.

Nach erfolgloser Suche nutzte die Familie alle Möglichkeiten, um den geliebten Hund wiederzufinden. Die Polizei, die Tierheime in Gießen und Marburg, alle Nachbarn und auch das Haustierregister Tasso wurden informiert. „Es tat sich nichts, der Hund war wie vom Erdboden verschwunden“, blickt Schneider zurück.

Hoffnung schon aufgegeben...

Nach der langen Kältephase gab die Familie vor Ostern die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit „Sunny“ auf und entschied sich, einen neuen Hund anzuschaffen. Die Jagdhündin „Frida“ sollte die Lücke, die „Sunny“ hinterlassen hatte, schließen. Dann passierte das nicht mehr Erwartete. Es kam ein Anruf aus Gießen. „Sunny“ halte sich wahrscheinlich im Park am Schwanenteich auf. Eine Familie wollte ihn auf der Webseite des Tierheims erkannt haben. Er habe sich dort schon einige Wochen füttern lassen, aber immer nur in sicherem Abstand. „Wir haben dann vier Wochen in dem Park verbracht und Sunny nie gesehen.“ Das Gelände sei sehr unübersichtlich gewesen, so Schneider.

Nachdem Parkbesucher mehrfach versuchten „Sunny“ einzufangen, tauchte er plötzlich nicht mehr auf. „Der Hund befand sich im Fluchtmodus und hatte sein Zutrauen zu den Menschen komplett verloren“, sagt Denise Schneider. Danach verstummte es wieder um den Vermissten. Anfang Mai wollte ihn eine Familie aus Großen Buseck gesehen haben. Eine zu vage Spur, der man dann nicht nachgehen konnte.

Sunny taucht auf Autobahnraststätte auf

Erst um den 1. Juli wurden wieder konkrete Hoffnungen geweckt. Familie Bittdorf aus Atzenhain war ein streunender Dackel auf der Raststätte in Homberg/Ohm aufgefallen. Sie hatte „Sunny“ schon einige Zeit im Blick und versuchte, die Besitzer ausfindig zu machen. Das gelang über das Tierheim Gießen. Die Bittdorfs hatten zudem eine Lebendfalle organisiert und aufgestellt. „Das war ganz großes Engagement, denn eine solche Falle muss alle vier Stunden kontrolliert werden“, erklärt Schneider.

Wer jetzt denkt, dass das Happy End damit in greifbare Nähe rückte, dem sei gesagt, dass bis dahin noch zwölf aufregende Tage vergingen. „Wir konnten das Ganze eigentlich erst nicht glauben“ erinnert sich Klaus Schneider. Nachdem die Bittdorfs ein Foto gemailt hatten, das tatsächlich „Sunny“ zeigte, fuhren die Schneiders am 2. Juli zur Raststätte. Dort trieb der Hund sich tatsächlich herum und ließ sich von den Fernfahrern mit Burgern füttern. Auf jeden Fall war es Frauchen vergönnt, ihren „Sunny“ zwischen den Lkws das erste Mal nach Monaten wiederzusehen.

„Der Hund ist mir regelrecht in die Arme gesprungen“

„Ich habe dann aber einen großen Fehler gemacht und aus Reflex nach ihm gerufen“, sagte Schneider. Wenn ein Hund in besagtem „Fluchtmodus“ ist, reagiert die Erinnerung nur auf Geruch und Augenkontakt, das Gehör ist ausgeschaltet. Die Enttäuschung war daher groß, weil „Sunny“ wieder das Weite suchte. Die nächste Idee war, dass ein Betäubungspfeil ans Ziel führen könnte. Aber auch dieser Versuch eines Hundetrainers aus dem Westerwald scheiterte.

Eine zweite Lebendfalle und eine läufige Hündin waren der nächste Plan, um an „Sunny“ heranzukommen. „Wenn uns Familie Bittdorf und Gerda Bauer von Verein Sorgenfelle nicht mit ganzem Engagement unterstützt hätten, wären wir wahrscheinlich nie ans Ziel gekommen“, waren sich die Schneiders einig.

Läufige Hündin als Lockvogel

Mit der von Bauer organisierten läufigen Hündin wurden dann das ganze Revier von Sunny inklusive der Fallen markiert. Aber auch dieser Versuch sah nach vier Stunden Wache schieben mit einem guten Dutzend Personen nicht wirklich erfolgversprechend aus.

Erst am darauffolgenden Tag, dem 12. Juli, ließ Sunny sich wieder sehen. Eher unerwartet interessierte er sich für „Luna“, die Hündin der Familie Bittdorf. Auch die Würstchen von Klaus Schneider nahm er an. „Ansonsten taten wir ganz uninteressiert“, erinnert sich Klaus Schneider und erzählt, dass er mit sich gehadert habe, den Hund mit einer Decke zu fangen. Dann kam alles ganz anders. „Sunny“ näherte sich mehr und mehr und fing an sein Herrchen zu beschnuppern. „Erst einmal, dann kurze Überlegung, dann noch einmal und dann hat der Schwanz angefangen zu wedeln und der Hund ist mir regelrecht in die Arme gesprungen.“

Bis auf ein paar ganz kleine unbedeutende Blessuren und unnatürliche Rundungen vom vielen Burgerfressen hat der Hund von seinem langen „Ausflug“ keinen Schaden davongetragen.

„Er ist wie vorher, einfach ein ganz Lieber und auch die neue Mitbewohnerin Frida nimmt er uns nicht übel. Die beiden Hunde ergänzen sich total schön“, freut sich Denise Schneider.

von Martina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr