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Rassistische Äußerungen und Gewaltandrohung

Geldstrafe für Marburger Rassistische Äußerungen und Gewaltandrohung

Am zweiten Verhandlungstag gab der 34-jährige Marburger die rassistischen Beleidigungen gegen seine dunkelhäutige Nachbarin sowie die Drohung per Schlagstock zu.

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Ein 34-jähriger Marburger ist vom Amtsgericht Marburg zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Ich habe mich falsch verhalten“, gestand der angeklagte Marburger vor dem Amtsgericht, vor dem er sich wegen Beleidigung und versuchter Nötigung gegen seine Nachbarin verantworten musste.

Im Juli vergangenen Jahres kam es zwischen dem 34-Jährigen, seiner Nachbarin sowie dessen Freunden zu einer lautstarken Auseinandersetzung im Treppenhaus des Marburger Mietshauses. Im Verlauf der Streitigkeiten beleidigte der Angeklagte die dunkelhäutige Geschädigte mehrfach mit rassistischen Äußerungen und versuchte die Gruppe mit einem Teleskopschlagstock in der Hand von einer Alarmierung der Polizei abzuhalten. Wenige Tage später trat er wütend gegen die verschlossene Wohnungstür der Nachbarin und beleidigte die Frau erneut mit rassistischen Begriffen. Nach der zweiten Tat floh die verängstigte Geschädigte durch eine Hintertür zu einem nahen Wohnhaus. Die Bewohner sagten vor dem Marburger Amtsgericht aus.

„Sie sagte, er wolle sie fertigmachen“

Das Ehepaar bestätigte, dass die Frau an diesem Tag „sehr aufgeregt“ zu ihnen kam und über die Drohung ihres Nachbarn berichtete. „Sie sagte, er wolle sie fertigmachen“, teilte die Zeugin mit. Der Ehemann alarmierte daraufhin die Polizei. Nach einem Gespräch mit dem Angeklagten, teilten die Polizisten der Geschädigten mit, es sei „alles in Ordnung“ und sie könne wieder in ihre Wohnung zurückkehren.
Nachdem der Beschuldigte während der ersten Verhandlung Ende Januar die ihm vorgeworfenen rassistisch motivierten Beleidigungen rigoros abgestritten hatte, zeigte er sich am zweiten Verhandlungstag geständiger und entschuldigte sich für sein Verhalten.

Er gab zu, die Nachbarin beleidigt und mit dem Schlagstock bedroht zu haben, aus Angst sie könne die Polizei verständigen. Der Grund dürfte seine zu diesem Zeitpunkt noch laufende Bewährungsfrist gewesen sein. Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel zeigte ein gewisses Verständnis für den missglückten Versuch und die Sorge des 34-Jährigen vor einer Freiheitsstrafe, da er die Bewährungsauflagen verletzt hatte. Der Marburger wurde bereits wegen Diebstahl, Sozialbetrug und diverser Straßenverkehrsdelikte verurteilt.

Beleidigung oder Nötigung hat er sich bisher jedoch nicht zuschulden kommen lassen, ist daher nicht einschlägig vorbestraft. Darüber brauche man nicht mehr zu diskutieren, das Gericht wisse, warum der Angeklagte „etwas am Rad gedreht“ habe, sagte Sippel.

Nachdem der Staatsanwalt klargestellt hatte, dass das zu erwartende Strafmaß in diesem Verfahren eine Geldstrafe nicht übersteigen werde, gab der Beschuldigte den Anklagevorwurf in vollem Umfang zu. Er habe sich „falsch verhalten“ und sei „über das Ziel hinaus geschossen“, gestand der Marburger.

Nach der Auseinandersetzung zwischen den Nachbarn sei es zu keinem weiteren Streit gekommen, das Verhältnis zwischen beiden normal und entspannt. Als Ursprung seines Ausrasters gab er gesundheitliche Probleme an, aufgrund zweier Schlaganfälle habe er immer wieder mit Schmerzen zu kämpfen, die ihn stark belasteten, so der 34-Jährige.

Vor diesem Hintergrund liege dem Verfahren eine besondere Situation zugrunde, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Während des Streitgesprächs zwischen der Gruppe und des Täters wurde zudem „hin und her beleidigt“, dass der Angeklagte den Schlagstock aus seiner Wohnung holte war jedoch ausschlaggebend. „Das war Drohung mit Gewalt“, betonte Sippel.

Kein Gefängnis, da nicht einschlägig vorbestraft

Richterin Nadine Bernshausen folgte dem Strafmaß der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Marburger wegen versuchter Nötigung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 15 Euro, insgesamt 1 200 Euro. Seine gesundheitliche Belastung sowie die Tatsache, dass er bisher noch nicht einschlägig in Erscheinung getreten war, bewahrte ihn vor einer Freiheitsstrafe. Trotzdem habe er in den vergangenen Jahren „genügend Warnschüsse“ erhalten, warnte die Richterin und riet dem Verurteilten eindringlich, sich besser erneut bei der Nachbarin zu entschuldigen. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Ina Tannert

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