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„Rambo-Verhalten“ wird ausgeschlossen

Aus dem Amtsgericht „Rambo-Verhalten“ wird ausgeschlossen

Mit der vorläufigen Einstellung des Verfahrens endete vor dem Marburger Landgericht das Verfahren gegen eine Frau aus einer Südkreisgemeinde wegen eines von ihr verschuldeten Verkehrsunfalls.

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Eine Frau aus dem Südkreis hat erfolgreich Berufung gegen ein gegen sie ergangenes Urteil eingelegt.

Quelle: Archiv

Marburg. Das Marburger Amtsgericht hatte die 64-Jährige noch im Sommer wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen von insgesamt 920 Euro verurteilt. Zudem sprach es eine Führerscheinsperre von sechs Monaten aus. Dagegen hatte sie Berufung eingelegt.

Laut erstinstanzlichem Urteil fuhr die Angeklagte am 
16. April vergangenen Jahres um die Mittagszeit auf der Landesstraße zwischen Bellnhausen und Fronhausen. In einer Linkskurve überholte sie, wie bereits zwei Fahrer vor ihr, einen Traktor, als ihr ein anderer Pkw entgegen kam. Es kam zu einer Berührung der beiden Fahrzeuge, und der Unfallgegner erlitt ein Schädeltrauma, sodass er zweieinhalb Monate arbeitsunfähig war.

Das Amtsgericht kam zu der Überzeugung, dass die Frau aus „Gleichgültigkeit“ den Unfall verschuldet hat. Das sah jetzt aber auch die Staatsanwaltschaft anders. Staatsan
wältin Kerstin Brinkmeier beantragte die Einstellung, nachdem sie das Protokoll der ersten Verhandlung eingesehen hatte. „Das steht im Widerspruch zum Tenor des Urteils“, stellte sie fest.

„Ich habe große Zweifel, ob hier wirklich rücksichtsloses Verhalten vorliegt.“ Vielmehr glaube sie den Schilderungen der Frau auch in der Berufungsverhandlung. „Ich habe geguckt, aber kein Auto gesehen, da bin ich gefahren“, sagte die. Laut Protokoll hatte sie vor dem Amtsgericht bereits ausgesagt, sie habe zwischen Traktor und entgegenkommendem Fahrzeug nicht mehr gewusst wohin, beim Einscheren sei es dann zu der Berührung gekommen.

Auflage zur Einstellung ist eine Zahlung von 500 Euro

„Es ist wohl ein klassisches Augenblickversagen“, so Brinkmeier. Das erstinstanzliche Urteil gehe von „Rambo-Verhalten“ aus, mit einer „mir doch egal, soll doch der andere bremsen Haltung, aber so tickt die Frau nicht“.

Dagegen spreche auch, dass sie im Straßenverkehr noch nicht aufgefallen ist. Jeder, der Auto fahre, habe sicher schon Fehler gemacht, meist mit Glück sei es dann nicht zum Unfall gekommen, hob Brinkmeier hervor.

Was bleibe, sei die fahrlässige Körperverletzung, und das Verfahren könne wegen Geringfügigkeit gegen eine Auflage eingestellt werden. Ein Führerscheinentzug werde zudem die Frau den Arbeitsplatz kosten, zeigte sie sich überzeugt.

„Sie rennen bei mir offene Türen ein“, sagte der Vorsitzende der Berufungskammer, Landgerichtspräsident Dr. Frank Oehm. Auch er sehe den Widerspruch zwischen Verhandlungsprotokoll und Urteil und habe mit der Einstellung kein Problem.

Als Auflage muss die Angeklagte binnen zwei Monaten 500 Euro an den Blinden- und Sehbehindertenverband Hessen zahlen. Dann wird das Verfahren endgültig eingestellt. Auch verwies Oehm darauf, dass mit der Einstellung – statt einer Verurteilung wegen Körperverletzung – verbunden sei, dass die Frau keine Punkte in der Verkehrssünderkartei bekommt.

von Heiko Krause

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