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Räuber muss zwei Jahre und fünf Monate in Haft

Berufung Räuber muss zwei Jahre und fünf Monate in Haft

Gegen das im Oktober 2014 verhängte Urteil des Amtsgerichtes hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

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Wegen Handtaschenraubes mussten sich zwei Männer vor dem Landgericht verantworten.Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Mitgehangen, mitgefangen“ lautet ein altes Sprichwort. Ob es auf einen 22-jährigen Mann zutrifft, der sich der Beihilfe zum Raub schuldig gemacht hatte, war Dreh- und Angelpunkt einer Verhandlung in zweiter Instanz vor dem Marburger Landgericht. Ebenfalls auf der Anklagebank: Der 26-jährige Mann, der den gemeinschaftlichen Raub verübt hatte. Er wurde in Handschellen vorgeführt, da er wegen der Tat in der Justizvollzugsanstalt Gießen einsitzt.

Beide Männer waren im Oktober 2014 vom Amtsgericht Marburg verurteilt worden. Gegen den 22-Jährigen war eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen, gegen den 26-Jährigen ein Jahr und zehn Monate Gefängnis verhängt worden - nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zu wenig. Berufung war eingelegt worden. Somit musste das Landgericht darüber entscheiden, ob es die Strafhöhe abzuändern hatte.

Was sich das Duo zuschulden hatte kommen lassen? Die beiden Männer waren in Begleitung eines dritten im Mai 2014 nach Marburg gefahren, um Geld für Drogen aufzutreiben. Zu diesem Zweck hatten der 26-Jährige und der Dritte im Bunde eine junge Frau überfallen und ihr die Handtasche entwendet. Während der Tat hatte sich der 22-Jährige in einiger Reichweite vom Tatort im Auto befunden.

Nach der Tat flüchtete der 26-Jährige mit ihm im Wagen. Den Komplizen, der bereits im Januar dieses Jahres vom Amtsgericht Marburg verurteilt worden war, hatten die beiden Männern zurückgelassen.

Der 26-Jährige erklärte während der Berufungsverhandlung, dass der Raub bereits vor der Tat im Auto besprochen worden sei. War der 22-Jährige also in die Pläne eingeweiht und wartete darauf, dass seine beiden Komplizen mit Beute zum Wagen zurückkehrten, oder hatte er vom kriminellen Vorhaben seiner Freunde nichts gewusst? Verteidiger Arik Bredendiek war von der Ahnungslosigkeit seines Mandanten überzeugt: „Wäre er eingeweiht gewesen, hätte er dafür gesorgt, dass die Gruppe möglichst schnell mit dem Auto hätte verschwinden können. Er hat den Motor ausgeschaltet. Ich denke, dass dies ein deutliches Anzeichen dafür ist, dass mein Mandant nicht wusste, was los war.“

Sowohl Gericht als auch Staatsanwaltschaft hielten es allerdings für äußerst abwegig, dass der 22-Jährige über den Plan seiner beiden Mitfahrer im Unklaren gewesen sei. „Sie saßen doch die ganze Zeit am Steuer des Wagens, und Sie wollen während der gesamten Fahrt nichts mitbekommen haben?“, fragte der Staatsanwalt ungläubig.

Der Delinquent schüttelte den Kopf, während er ausdruckslos in die Leere starrte. Er habe außerdem nicht gewusst, dass die Handtasche gestohlen sei und auch nicht nachgefragt: „Ich hatte einfach nur Angst, wollte schnellstmöglich weg und mit der ganzen Sache nichts zu tun haben!“

Das Landgericht erhöhte die Haftstrafe gegen den mehrmals vorbestraften 26-Jährigen auf zwei Jahre und fünf Monate, während es das Amtsgerichtsurteil gegen den 22-Jährigen aufrechterhielt.

von Benjamin Kaiser

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