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„Radzfatz“ zum Spiegelslustturm

OP-Test „Radzfatz“ zum Spiegelslustturm

Mit dem Fahrrad auf die Lahnberge? Das ist ab sofort kein Hochleistungssport mehr. Seit gestern fährt der „Radzfatz-Fahrradbus“ vier Mal täglich bis zum Uni-Klinikum. Im Schlepptau: Bis zu 16 Fahrräder. Die OP war bei der Jungfernfahrt dabei.

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OP-Volontärin Ruth Korte hat den neuen Fahrradbus und das Fahrradverleihsystem „Call a Bike“ getestet.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mehr als 20.000 Menschen pendeln täglich auf die Lahnberge. Viele von ihnen sind Studenten und Mitarbeiter der Universität und des Uni-Klinikums. Jetzt, wo das Wetter besser und die Natur schöner wird, nutzen viele von ihnen ihr Fahrrad. Oder besser: Sie wollen es nutzen. Doch eine Radtour auf die steilen Lahnberge ist für den durchschnittlich trainierten Bürger eine sportliche Herausforderung.

Damit die Fahrt auf die Lahnberge entspannter wird, haben die Stadtwerke 25 000 Euro investiert und den „Radzfatz- Fahrradbus“ eingeführt. Seit gestern fährt er von Montag bis Freitag stündlich zwischen 7.30 Uhr und 11.30 Uhr ab der Haltestelle Erlenring ab. Stadtwerke Geschäftsführer Norbert Schüren hofft, dass dadurch „noch mehr Verkehrsteilnehmer ihr Auto stehen lassen und das Fahrrad nutzen“.

Um mitzufahren, miete ich mir ein Fahrrad bei „Call a Bike“, einem Fahrradverleihsystem der DB Rent und dem AStA. Dafür muss man sich, will man als Student oder Doktorand 60 Freiminuten sichern, über einen weiterführenden Link auf der Homepage des AStA Marburg oder aber direkt auf www.callabike-interaktiv.de online registrieren.

Die OP testet den neuen Fahrradbus und das Fahrradverleihsystem „Call a Bike“.

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Über die „Call a Bike“-App will ich mir am Erlenring, eine von über 30 „Call a Bike“-Stationen in Marburg, ein Fahrrad ausleihen. Doch als ich die App öffne und meine Kundennummer und mein Passwort, die mir bei der Registrierung zugeteilt wurden, eingebe, zeigt mir mein Handy an, dass „kein Kunde gefunden“ wurde. Ich versuche es noch einmal. Vergebens. Also entscheide ich mich für Variante B: Ich rufe die rot umrandete Nummer auf dem Schloss des Fahrrads an.

Nach Eingabe der Fahrradnummer erhalte ich einen vierstelligen Code. Doch wo soll ich ihn eingeben? Hilflos schaue ich mich um und entdecke einen Studenten, der beim Fahrrad neben mir lässig den Schlossdeckel hochklappt und eine Nummer hinein tippt. Scheint nicht sein erstes Mal zu sein. Ich mache es ihm nach. Es klappt. Das Schloss öffnet sich.

Es kann losgehen. Ich schiebe das Fahrrad zum Erlenring, wo nach wenigen Minuten die „F7“ einfährt. Knapp 10 Meter lang ist der Fahrradanhänger, den er hinter sich her zieht, auf dem bis zu 16 Fahrräder Platz finden. „Weitere drei Räder können auch im Busraum mitgenommen werden“, verrät mir Christoph Rau von den Stadtwerken später.

15 Minuten dauert die Fahrt auf die Lahnberge

Doch zunächst werden die Fahrräder verladen: Seitenwand öffnen, Fahrrad bis in die Versenkung schieben, Seitenwand schließen. Wäre alles ganz einfach, wenn mein Fahrrad nicht so schwer wäre. Alleine schaffe ich es nicht, doch längst haben die Mitreisenden mein Dilemma erkannt und helfen.

Warum fährt die F7 gerade am Erlenring los, will ich von Herrn Rau wissen? „Hier gibt es genügend Aufstellfläche für die Fahrräder“, erklärt er. „Zudem ist das Aufkommen an Radfahrern durch die Mensa und den LahnRadweg sehr hoch.“
Fahrgäste, die, wie ich, aus Richtung Cappel kommen, müssen bis dahin jedoch einen längeren Weg auf sich nehmen, hake ich ein. Spätestens beim Gedanken an den Rückweg über die steile Cappeler Straße entscheide man sich da vielleicht doch lieber fürs Auto. Ob mehr Haltestellen angefahren werden sollen, müsse die Testphase zeigen, sagt Rau. Bisher hält der Bus außer am Erlenring nur am Hauptbahnhof.

15 Minuten dauert die Fahrt auf die Lahnberge insgesamt – „Radzfatz“ eben. Die Mitarbeiter vom UKGM haben es ab hier nicht mehr weit. Ich fahre weiter zum Spiegelslustturm, was, trotz minimaler Steigung, recht anstrengend ist. Das Gewicht meines Fahrrads macht sich wieder bemerkbar.

Schnell, bequem und trocken

Bei der Abfahrt wird es gefährlich: Das schwere Fahrrad nimmt ordentlich Fahrt auf. Ein paar Mal muss ich bremsen, um nicht zu schnell zu werden. Gefährlich ist auch, dass man als Radfahrer auf der Großseelheimer Straße eine ganze Weile lang auf dem Schutzstreifen fahren muss, der mit Stöcken, Laub und Bucheckern bedeckt ist.

Abwärts bei gut 40 km/h Slalom fahren ist mir zu gefährlich, und so muss ich auf einen Teil der Fahrbahn ausweichen, wo die Autofahrer mit 70 km/h an mir vorbeibrausen. Der Fahrradweg, der irgendwann beginnt, endet jedoch zwei Mal plötzlich mitten auf der Fahrbahn. Schließlich komme ich doch noch sicher am Erlenring an und stelle mein Rad für den nächsten Nutzer an der „Call a Bike“-Station ab.

Fazit: Mit dem Fahrradbus kommt man schnell, bequem und trocken auf die Lahnberge. Für Radfahrer ist es rund um das UKGM jedoch sehr gefährlich, besonders an der Großseelheimer Straße. Die Fahrräder von „Call a Bike“ mögen für den städtischen Gebrauch gut geeignet sein. Für Radtouren im Marburger Umland sind sie jedoch viel zu schwer.

von Ruth Korte

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