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Radwege und Leerstand sind große Themen

Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept (IKEK) Radwege und Leerstand sind große Themen

Bei einer Tagung in Schröck ging es darum, welche Themen und Ideen für die einzelnen Stadtteile und die gesamtkommunale Entwicklung von Bedeutung sein könnten.

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Etwa 70 Teilnehmer kamen zur IKEK-Tagung in die Hingilskoots Scheune in Schröck. Moderator war Hartmut Kind (vorne links).

Quelle: Manfred Schubert

Schröck. Im Frühjahr war das Projekt Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept (IKEK) zur Dorfentwicklung in den 15 ländlich geprägten Außenstadtteilen gestartet. Rundgänge und lokale Veranstaltungen in den Ortsteilen sind erfolgt, am 1. Oktober gab es ein Forum zur Zusammenfassung der Ergebnisse.

Jetzt geht es darum, Vorstellungen zu entwickeln, wie man zu umsetzbaren Lösungen kommen kann, erläuterte IKEK-Moderator Hartmut Kind vom Büro SP PLUS. „Radwege und Leerstand sind zum Beispiel große Themen“, sagte er.

Mehr als 70 Teilnehmer waren in die Hingilskoots Scheune zu einer IKEK-Tagung zusammengekommen. Fünf Referenten hielten Vorträge – Dieter Buroch aus Runkel beispielsweise unter dem Titel „Kultur und Identität“ darüber, wie man zeitgemäße Kunst und Kultur in die Dörfer bringen und dabei die Vereine und die „Altvorderen“ mitnehmen kann.

Baukultur, Denkmalschutz und Energie

Doris Heineck von der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf zeigte auf, wie Vereine sich in der Arbeit mit Ehrenamtlern neu aufstellen und projektorientiert handeln können. Bei Wolfgang Nickel aus Kassel ging es um Mobilität und Rad fahren, bei Jossgrunds Bürgermeister Rainer Schreiber um Erfahrungen aus der Dorfentwicklung.

Professor Frank Oppermann von der Hochschule Darmstadt sprach über „Baukultur, Denkmalschutz und Energie“. Bis 2050 werde in Marburg-Biedenkopf ein Rückgang der Bevölkerung um 20 Prozent oder mehr erwartet.

„Was machen wir mit einer solchen Prognose? Gehen wir nach Hause und besaufen wir uns?“, fragte er und wies darauf hin, dass der bauliche Zustand und die Bevölkerungsentwicklung ganz eng zusammenhingen. Er stellte das Konzept der Peripherisierung vor, das darauf abziele, dass ländliche Regionen in fairen Wettbewerb mit den städtischen Regionen treten können.

Weiter stellte er Ergebnisse eines Seminars an der Hochschule Darmstadt vor, in dem auf Anregung des Marburger Stadtplaners Reinhold Kulle Studierende Ideen für die Dorfentwicklung von Elnhausen und Dilschhausen entworfen hatten, beispielsweise zur Gestaltung und Belebung der Dorfmitten.

Kulle: Wir denken alle sehr kurzfristig

Er betonte, dass die Bewohner die eigentlichen Planer seien, die je nach Einzigartigkeit und Individualität der Orte ihre Schwerpunkte setzen müssten, beispielsweise entscheiden, ob und wo man Flüchtlinge ansiedeln könne. Er kritisierte: „Wir denken alle sehr kurzfristig, hopplahopp, und unsre Gesellschaft denkt zu materialistisch. Es gibt Werte, die sich nicht direkt, aber mittel- und langfristig in Euro niederschlagen.“

In der Diskussion lobte ein Zuhörer den Blick Oppermanns auf die langfristige Attraktivität eines Dorfes. Ein anderer forderte, der Denkmalschutz müsse sich viel weiter bewegen, die Leerstand-Sanierung vor Neubau, wie sie in Marburg betrieben werde, sei nicht praktikabel. Kein Dorf habe Ende des 19. Jahrhunderts wie Ende des 18. Jahrhunderts ausgesehen, warum müssten im 21. Jahrhundert Dörfer wie Ende des 19. Jahrhunderts aussehen.

Oppermann fragte zurück, warum Frankfurt in der Altstadt 20 Fachwerkhäuser rekonstruiere, obwohl diese seit 60 Jahren weg waren. Aber es gehe nicht um eine Generallinie, dass alles stehen bleiben müsse.

Ein weiterer Teilnehmer fragte, was Marburg wäre, wäre es in den 1970er Jahren überall mit Gebäuden wie dem „Affenfelsen“ umgebaut worden. Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) wies darauf hin, dass es immer mal Streit gebe, auch um das Gebäude, in dem man sich befinde, sei teilweise heftig diskutiert worden, aber es zeige, dass es immer Lösungen gebe.

  • Am 3. Dezember ab 19 Uhr findet das nächste Forum im Bürgerhaus Michelbach statt.
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