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Radler werben für die Organspende

Tour am Samstag Radler werben für die Organspende

Durch den Transplantationsskandal ist die Zahl der Organspender gesunken. Dagegen setzen die Macher der „Radtour für Organspende“ Information und Aufklärung und starten am Samstag zur zweiten Radtour.

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Der Förderverein Organspende Marburg ruft zur zweiten „Radtour für Organspende“ auf. Vertreter des Landkreises und aus der Stadt Marburg, Mediziner sowie Vertreter von Vereinen und Verbänden Betroffener waren bei der Vorstellung dabei.Foto: Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Mehr als 11000 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Täglich sterben statistisch gesehen drei von ihnen, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Organ verfügbar ist. Auch in Hessen ist die Zahl der Organtransplantationen in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen.

2014 erreichte die Zahl der Organspender mit bundesweit 864 den niedrigsten Stand seit 1997. „2010 waren es noch 1294“, berichtete Dr. Sabine Moos von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Doch nicht nur wegen des aktuellen Rückgangs hatte der Förderverein Organspende Marburg die Idee gehabt, „mal etwas anderes zu machen, als zum Tag der Organspende an einer Ecke einen Stand hinzustellen“, berichtete Dieter Oberländer.

„Das ist ein Dauerthema. Jeder könnte in die Situation kommen, ein Organ zu brauchen. Leber- und Herzpatienten stehen dann auf der Todesliste“, sagte er und wies auf sich und seine Vereinskollegen Kollegen Klaus Zinnecker und Monika Bäcker. „Zusammen repräsentieren wir 90 Jahre Transplantation“, erklärte er, darum setzen sie sich dafür ein, dass auch andere Erkrankte einen Spender finden.

Solches Glück hatten im vorigen Jahr zwei Menschen gehabt, die 73-jährige Heidrun Heuser aus Marburg und der 13-jährige Ben. Professor Günter Klaus, Leiter des KfH-Nierenzentrums für Kinder und Jugendliche Marburg, erläuterte, dass Ben im Alter von sechs Jahren seine Nierenfunktion verlor und über fünf Jahre Bauchfelldialyse durchführen musste. Im vorigen August wurde ihm erfolgreich eine Niere transplantiert. Eigentlich wollte Ben etwas über sich erzählen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Seine Mutter übernahm es, zu schildern, wie die Familie Ben dabei unterstützte, ein möglichst normales Leben in der Schule, als Feuerwehrmitglied und mit Sport zu führen. „Wir haben ihn nie als krank betrachtet“, betonte sie, aber die Dialyse sei schon anstrengend gewesen. „Alles ist besser nach der Transplantation“, sagte Ben. Dieter Oberländer sprach ihm Mut zu: „Der älteste Transplantierte in Marburg lebt noch, seit 44 Jahren.“ Heidrun Heuser berichtete, dass sie seit ihrem fünften Lebensjahr nierenkrank war, aber erst in den vergangenen Jahren schwächer wurde und für sie unerwartet zur Dialyse vorgesehen wurde. Ebenso unerwartet stand plötzlich eine Spenderniere bereit, am 1. Juli 2014 wurde sie erfolgreich transplantiert. „Es geht mir gut, ich bin kräftig, so kann es gehen, wenn man Glück hat“, sagte sie. Alle Unterstützer hoffen, die Zahl von 80 Radlern 2014 in diesem Jahr übertreffen zu können. „Wir würden uns freuen, wenn durch diese Radtour die Transplantationszahlen wieder steigen und mehr Menschen auf den Wartelisten die Chance auf ein Weiterleben erhalten. Es ist ganz leicht, an einen Spenderausweis zu kommen“, sagten Oberbürgermeister Egon Vaupel und der Kreisbeigeordnete Klaus Weber. Gemeinsam wolle man versuchen, mit der „Radtour für Organspende“ das Vertrauen der Menschen in die Organspende und Transplantation wieder herzustellen und Vorurteile abzubauen.

An der Radstrecke zwischen Marburg und Kirchhain können sich Interessierte an Info-Ständen zum Thema Organspende, Transplantation und Dialyse informieren. Organisiert und unterstützt wird die Radtour unter anderem vom Landkreis, der Stadt Marburg, dem Förderverein Organspende Marburg, dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg, und verscheidenen Vereinen und Dialysepraxen in Marburg und Kirchhain.

Weitere Infos zur Organspende unter www.organspende-info.de

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