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Radler fürchten die Straßen der Stadt

ADFC-Studie Radler fürchten die Straßen der Stadt

Marburg ist eine der fahrradfeindlichsten Städte in Hessen. In einer aktuellen ADFC-Befragung belegt die Universitätsstadt Rang 49 von 54. Vor allem die Sicherheit und die Ampelschaltung bekommen miese Noten.

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Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es in Marburg nur eine Radverkehrs-Ampel – ein Grund für die Platzierung am Ende der neuen ADFC-Befragung.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Kritik am Verkehrsklima, Note fünf für den Takt der Ampeln und die Breite sowie Zustand der Radwege, schlechtes Urteil für die Führung an Baustellen und mangelhafter Schutz für Zweiradfahrer: Der ADFC sieht im Vergleich zu anderen Kommunen viel Nachhol-bedarf in der Universitätsstadt.

„Die Politik kann nicht von Radverkehrsförderung reden, aber die notwendige Neuverteilung von Verkehrsflächen zugunsten von Fußgängern und Radfahrern verhindern“, sagt ADFC-Landesgeschäftsführer Norbert Sanden. In der Befragung vorne liegen Mini-Städte wie Mörfelden-Walldorf, Baunatal und Heusenstamm. Vergleichbar große oder benachbarte Kommunen schneiden ähnlich ab wie Marburg: Gießen (35), Wetzlar (46), Herborn (45), Fulda (47). Einschätzung der 100 000 für die Analyse Befragten zu Marburg: Der Spaßfaktor beim Fahren ist gering, der Stressfaktor dafür umso höher.

Schuch: Ergebnis „Beleg der Stagnation“

„Wir haben in der Stadt viel mehr Konflikte mit Autos als anderswo“, sagt Wolfgang Schuch, Mitglied im Radverkehsbeirat. Das Beispiel Wehrdaer Weg, wo das Regierungspräsidium Gießen bis heute eine durchgehende Tempo-30-Regelung verweigere, sei ein Beispiel. „Da müssen Radfahrer faktisch auf der Straße entlang fahren, aller Gefahr zum Trotz.“ An sämtlichen Verkehrsknotenpunkten und auf den Hauptachsen - etwa Bahnhofstraße bis Rudolphsplatz - würden Autos und Busse Vorrang genießen. „Radfahren, das wird hier irgendwie reingequetscht. Eine einzige Fahrradampel haben wir in Marburg, obwohl der Radverkehr auch hier stetig wächst. Er täte das nur schneller, wenn das Fahren komfortabler wäre.“ Zu den Veränderungen, die es geben müsse, zähle auch die uneingeschränkte Zweiradmitnahme in Bussen.

Schuch sieht das Marburger Ergebnis, das ähnlich dem Abschneiden im Test 2012 ist, für einen „Beleg der Stagnation“. In den letzten Jahren habe sich „nichts erkennbar geändert, schon gar nicht bei der Infrastruktur“. Dabei gebe es immer mehr und schnellere Räder - die sogenannten Pedelcs - auf der Straße, die andere Straßen- und Verkehrsplanung erforderten, bessere und breitere Wege etwa.

Uwe Diehl, Vorsitzender des ADFC Marburg, ergänzt, dass bei den Planungen zum Bahnhofsvorplatz der Radverkehr aber „komplett vergessen“ worden sei, der zuständige Beirat „oft erst dann miteinbezogen wird, wenn Pläne schon fortgeschritten sind und man kaum mehr etwas ändern kann“.

Call-a-Bike-System bekommt viel Lob

Das bestätigt Schuch: „Wichtige Änderungen zugunsten des Radverkehrs werden in Marburg nur reingefrickelt und teilweise katastrophal umgesetzt, weil die Dinge nie zu Ende gedacht werden.“ Die Verbindungswege vom Vorplatz in Richtung Bahnhofstraße oder Krummbogen etwa seien aufgrund des starken Autoverkehrs gepaart mit unzureichenden Ampelphasen sowie zu schmalen Verkehrsinseln „gefährlich“. In den kommenden Wochen will er Veränderungen am Bahnhofsvorplatz durchsetzen - „auch wenn das meiste jetzt für 20 Jahre in Stein gemeißelt ist“.

Lob gibt es vom hessischen ADFC für das Netz öffentlich bereitgestellter Fahrräder: Marburg (Note 2,6) landet mit Frankfurt (Note 2,6) hinter Kassel (Note 1,7) auf Rang zwei hessenweit. Ein Grund: Der vom Allgemeinen Studierendenausschuss und Deutscher Bahn kürzlich installierten Call-a-Bike-System.

Reaktionen aus der Kommunalpolitik folgen.

von Björn Wisker

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