Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
"Radfahrer haben Narrenfreiheit"

Umfrage "Radfahrer haben Narrenfreiheit"

Eine aktuelle OP-Umfrage, bei der rund 500 Teilnehmer abgestimmt haben, zeigt: 70 Prozent der Fußgänger fühlen sich in Marburg durch Radfahrer gefährdet. Eine Auswahl an OP-Leser-Reaktionen.

Voriger Artikel
Flüchtlinge unschuldig an Müll-Wiese
Nächster Artikel
Ein Neubaugebiet in einem alten Stadtteil

Viele Marburger kritisieren das Fahrverhalten mancher Radfahrern, die unter anderem häufig durch die Fußgängerzone fahren und dort die Fußgänger gefährden.

Quelle: Emily Wabitsch/dpa

Marburg. Das Thema Sicherheit im Straßenverkehr stößt bei vielen OP-Lesern auf einen wunden Punkt. „Marburg ist ein ‚weißer Fleck‘ auf der Landkarte der Radfahr-Verkehrssicherheit“ meint etwa Günzler Pukall, der nach eigenen Angaben seit über 50 Jahren in Marburg Rad fährt. Als besonders gefährlich empfindet er den Rad- und Wanderweg entlang der Lahn.

„Radfahrer fahren zu schnell, fahren nebeneinander statt hintereinander, halten beim Überholen zu wenig Abstand, warnen nicht durch Klingeln usw. Nachts fahren viele ohne Beleuchtung. Oft werden Gehsteige von Erwachsenen befahren, die dort nichts zu suchen haben. Die Zahl der Radfahrer ohne Helm ist erschreckend.“

Werner Rohrbach schreibt, dass er sich als Radfahrer nur dann sicher in Marburg fühle, wenn er Gefahrenpunkte wie den Rudolphsplatz meide. „Dieser Platz ist mit dem Fahrrad in unmittelbarer Nähe, an der Lahn entlang, Grün, Wilhelmstraße gefahrlos und schneller zu umfahren. Leider sieht man auch immer wieder, dass an solchen Gefahrenpunkten einige Fahrradfahrer die roten Ampeln ignorieren und damit Gefahr auch für andere Verkehrsteilnehmer herbeiführen.“

„Wenn sie von der Ketzerbach kommen auf den beiden Gehwegen in der Elisabethstraße fahren, wird es immer brenzlig“, sagt Eva Schnell (87) und meint damit die Radfahrer. Ihr Verhalten sei auch gegenüber der Blinden und Sehbehinderten „rücksichtslos“, was sie regelmäßig etwa vor einem Geschäft in der Bahnhofstraße beobachte. „Vor dem Laden stehen Körbe, da laufen Leute lang, und mittendurch drängen sich Radfahrer.“ Sie habe „in Marburg schon viel erlebt, das ist prekär, was hier passiert“.

Schnell fordert häufigere Verkehrskontrollen, verbunden mit Geldstrafen für Rüpel-Radfahrer. „Es geht ja nur noch übers Geld, da müsste sich aber wirklich mal etwas tun.“

Mehr Präsenz durch das Ordnungsamt erwünscht

„Wo ist das Ordnungsamt?“, fragte sich auch H. Fialik, als er kürzlich beobachtete, wie ein Radfahrer aus Richtung Rudolphsplatz mit rasanter Geschwindigkeit bei Rot an einer älteren Dame, die die Universitätsstraße überquerte, vorbei fuhr. „Ich konnte die Dame gerade noch vor dem Sturz bewahren“, so Fialik. „Radfahrer haben in Marburg Narrenfreiheit, da es hier keinen gibt, der das sieht, außer den Passanten. In anderen Städten hat das Ordnungsamt 24-Stunden-Dienst. Hier sieht man sie noch nicht mal tagsüber!“, empört er sich.

Die Stadt wehrt sich gegen die Vorwürfe und weist darauf hin, dass sie sich um ein gesichertes Angebot für Radfahrer bemühe. So werde versucht, vermehrt den Radverkehr auf der Fahrbahn auf markierten Schutzstreifen und Radfahrstreifen zu führen.

„Aufgrund der engen Innenstadt ist es aber oft sehr schwierig, alle Verkehrsarten mit ihren besonderen Platzansprüchen auf den vorhandenen Flächen unterzubringen, sodass gerade die Markierung von richtlinienkonformen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn nicht immer möglich ist und der Radverkehr mit dem Individualverkehr auf einer Spur geführt werden muss“, heißt es aus der Stadt. Zudem kontrollieren und verwarnen die Ordnungspolizeibeamten im Zuge des täglichen Streifendienstes immer wieder Radfahrer, die widerrechtlich auf Gehwegen fahren.

Eine zweitägige stichprobenartige Kontrolle, die im November 2014 von Ordnungsamt und Polizei schwerpunktmäßig am Erlenring, der Frankfurter Straße und der Universitätsstraße durchgeführt wurde, ergab: Von 930 Radfahrern mussten 164 Bußgelder zahlen, die meisten wegen dem unerlaubten Befahren der Fußgängerwege (129). Bei Dunkelheit ohne Licht fuhren während der Kontrolltage 21 Marburger, technische Beanstandungen an den Zweirädern gab es achtmal. 54 Verdächtigte fuhren den Kontrollen davon.

In Zukunft wird sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) an den Schwerpunktkontrollen der Ordnungspolizei beteiligen, heißt es vonseiten der Stadt.

von Ruth Korte
und Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Baustelle Cappeler Straße
Der neue Fahrradstreifen endet hinter der Ampel mitten auf der Kreuzung Cappeler Straße / Beltershäuser Straße. Foto: Tobias Hirsch

Sinn oder Unsinn: Der neue Fahrradstreifen an der Kreuzung Cappeler Straße soll Radfahrern mehr Sicherheit bieten, endet hinter der Ampel aber im Nichts.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr