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Radfahrer fordern Gleichberechtigung

Demonstration am Donnerstag Radfahrer fordern Gleichberechtigung

Radfahrer und Skater wollen diesen Donnerstag in der Innenstadt für eine andere Verkehrspolitik demonstrieren. Der Demonstrationszug geht auch wieder über die „Stadtautobahn“.

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Hans Horst Althaus will am Donnerstag für eine andere Verkehrspolitik in Marburg demonstrieren.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Einer derjenigen, die an der Demonstration teilnehmen, ist der pensionierte Pfarrer Hans Horst Althaus, eines der „Gesichter“ für eine andere Verkehrspolitik in Marburg. „Wir wollen mit einer großen Zahl von Radfahrern deutlich machen, dass es ein Recht ist, als gleichberechtigtes Verkehrsmittel anerkannt und vor Kollisionen geschützt zu werden“, sagt Althaus.

Der Konflikt zwischen Rad und Automobil ist alt, berichtet Althaus. Die Urform des Rades, die Draisine, breitete sich 1817 explosionsartig aus – vor allem dank der Tatsache, dass Deutschland Missernte und Hungersnot erlebte und Hafer für Pferde knapp war. „Als dann im Herbst 1817 die Erntemengen wieder steigen und die Pferdewirtschaft aufs Neue erstarkt, fühlt man sich plötzlich gestört durch die Draisinefahrer auf den Bürgersteigen“, schreibt Sandra Kegel in einem Feuilleton-Beitrag für die Wochenzeitschrift „Die Zeit“. Vielleicht war dies die Geburtsstunde des Konflikts zwischen den Benutzern der unterschiedlichen Verkehrsmittel.

Althaus erzählt diese Geschichte gerne, und er erzählt auch, dass es in der Frühzeit des Fahrrades eine Erfindung gab, die das Fahren auf den Straßen für Räder erst attraktiv machte: den Asphalt. „Nur für die Radfahrer erfunden!“, sagt Althaus. Allerdings galt zunächst auch die Verkehrsregel an Kreuzungen, die noch aus Kutschenzeiten stammte: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, formuliert es Althaus.

„Fahrräder wurden an den Rand gedrängt“

Mit der rasanten Entwicklung des Autoverkehrs ist ab 1930 die alte Regelung nicht mehr zu halten, nach der alle Verkehrsteilnehmer grundsätzlich gleichberechtigt sind, beklagt Althaus. Mit der Reichs-Straßenverkehrsordnung sei das Vorrecht des Pkw zementiert worden.

Etwa gleichzeitig setzt eine Entwicklung ein, die noch heute anhält und Gegenstand heftiger verkehrspolitischer Diskussionen ist: „Eine Bewegung, die Räder auf Trassen abdrängt, die von Fußgängern benutzt werden“, sagt Althaus.

„Fahrräder wurden an den Rand gedrängt.“ Auf gemeinsame Geh- und Radwege etwa, „auf denen aber auch Leute unterwegs sind, die sich nicht auf die Straße trauen“.
 Die Neufassung der Straßenverkehrsordnung von 2014 räumt den Radfahrern schließlich die gleichen Rechte ein wie allen anderen Verkehrsteilnehmern, sagt Althaus – aber diese müssen erkämpft werden.

Gerade in Marburgs engen Gassen sei es wichtig, immer wieder zu betonen, dass ein Fahrrad, das auf einer schmalen Fahrbahn fährt, nicht überholt werden darf, wenn das überholende Auto nicht einen Sicherheitsabstand von 1,50 Meter einhalten kann. „Das heißt im Klartext, dass überall dort, wo es nur eine Spur gibt, die vom Bordstein oder von einer durchgezogenen Linie begrenzt wird, nicht überholt werden darf.“ „Räder sind als Fahrzeuge zu achten und zu beachten“, fordert er deswegen.

Ein generelles innerörtliches Tempolimit von 30 Stundenkilometern würde, so sagt er, „die Geschwindigkeiten der unterschiedlichen Fahrzeuge einander anpassen und so mit dafür sorgen, dass Fahrradfahrer nicht von vornherein schwere Verletzungen zu befürchten haben“.

von Till Conrad

 Fahrrad- und Skaterdemo

Die vierte Fahrrad- und Skaterdemonstration in Marburg findet diesen Donnerstag, 27. Oktober, in der Zeit von 16 bis 19 Uhr statt. Sie wird 
vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) organisiert.

Der Veranstalter geht davon aus, dass rund 200 Personen unter anderem auf Fahrrädern, Skateboards und Inlineskates an der Demonstration teilnehmen werden. Während der Demonstration wird die B 3 in Richtung Süden für etwa 45 Minuten, wahrscheinlich von 
17 bis 17.45 Uhr, gesperrt sein. Die Demonstration beginnt mit einer Auftaktkundgebung um 16 Uhr auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz.

Der Demonstrationszug führt über den Erlenring, Wilhelm-Röpke-Straße und Krummbogen zum Bahnhofsvorplatz. Hier findet die erste Zwischenkundgebung von rund zehn Minuten statt.
Anschließend führt die Route über Neue Kasseler Straße, Schlosserstraße, Afföllerstraße, Zimmermannstraße, Mauerstraße und Ernst-Giller-Straße unter die Hochbrücke der B 3. Hier wartet der Demonstrationszug, bis die B 3 durch die Polizei freigegeben wird.

Über die Auffahrt am Hauptbahnhof führt die Route über die B 3 in Richtung Süden bis zur Abfahrt Marburg Mitte. Von hier aus geht es über Erlenring, Weidenhäuser Brücke und Rudolphsplatz in die Universitätsstraße. In der Universitätsstraße finden mehrere kleinere Zwischenkundgebungen der Teilnehmer statt.

Über Schwanallee, Frankfurter Straße, Rudolphsplatz, Biegenstraße, Deutschhaustraße, Pilgrimstein, Rudolphsplatz, Erlenring, Kurt-Schuhmacher-Brücke und Weintrautstraße führt der Demonstrationszug dann in den Herrmann-Jacobson-Weg. Hier findet eine etwa zehnminütige Abschlusskundgebung statt.

 
 
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