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Rad-Protest rollt über Stadtautobahn

Demonstration Rad-Protest rollt über Stadtautobahn

Der Radfahrer-Frust entlädt sich in einem rollenden Protest durch die Stadt und über die Bundesstraße 3. Der Vorwurf der Demonstranten: Marburg ist die Hauptstadt der Fahrradfeindlichkeit.

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Die Route der Demonstranten – angeführt von Torben Schubert (r.) führte von 17.12 bis 17.32 Uhr auch über die Stadtautobahn. Etwa 200 Radfahrer und Skater protestierten. Fotos: Richter / Weigel

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ein Korso von rund 200 Radfahrern und Inlineskatern hat sich vom Elisabeth-Blochmann-Platz durch die Innenstadt und über die Stadtautobahn geschlängelt. Die Kritik richtet sich vor allem gegen marode, schlecht ausgebaute Radwege und Gefahren im Straßenverkehr.

„In der deutschlandweiten Fahrradklima-Studie rangiert Marburg auf Rang 237 von 252 der Städte unter 100 000 Einwohnern, das müsste jeden erschüttern“, sagt Torben Schubert (23) vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss (Asta) der Universität Marburg. Er prangert an, dass Radfahrer im Straßenverkehr immer wieder in lebensgefährliche Situationen geraten. „Das eigentlich gesunde Radfahren ist in Marburg eher gesundheitsgefährdend“, ergänzt Rolf Hepp (63).

Radfahrerdemo in Marburg. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Die Schuldigen haben die Demonstranten bereits ausgemacht: „In der Stadtverwaltung und den politischen Gremien fehlt der Erfahrungshorizont um die Probleme von Radfahrern zu verstehen“, sagt Felix Rensch (31), Verkehrsreferent beim Asta. Während einer Kundgebung vor der Elisabethkirche kritisierte er den mangelnden politischen Willen, geeignete Verkehrskonzepte umzusetzen. Abstellflächen, etwa Rad-Tiefgaragen, seien Mangelware. Viele Radwege befinden sich seiner Aussage zufolge in einem maroden Zustand und das enge Vorbeifahren der Autos an Radstreifen sorge dafür, „dass Marburg in Bezug auf Fahrradfreundlichkeit auf vielen Ebenen ganz schlecht abschneidet.“

So bewerten laut einer aktuellen Studie des Allgemeinen deutschen Fahrradclubs (ADFC) alle Befragten die Marburger Ampelschaltung mit der Note 5 minus - dem schlechtesten Wert in ganz Deutschland. Die Zahl der Konflikte mit Autofahrern - Note 5 plus - liegen demnach ebenfalls weit über dem Bundesdurchschnitt.

Fahrradwege sind zu gefährlich

„Auf den Gehwegen zu fahren ist für mich sicherer als jeder Radstreifen auf der Straße. Mir ist es bei der aktuellen Verkehrsführung zu heikel, die eingezeichneten Wege zu benutzen“, sagt Maximilian Bresenitz (27). Wie viele andere beklagt er die mangelhafte alternative Mobilität in der Stadt. Autos genießen Demo-Organisation Tom Schubert zufolge bei allen Verkehrsplanungen und Investitionen Vorrang, „obwohl in dieser Studentenstadt Tausende mit dem Rad, dem Fortbewegungsmittel Nummer eins, fahren.“ Vergleichbar große Städte, etwa Tübingen oder Göttingen, seien dahingehend fortschrittlicher.

Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, rollte der Konvoi auch auf der Stadtautobahn - von der B3-Auffahrt Hauptbahnhof bis zur Ausfahrt Marburg Mitte. „Gerade durch die Überfahrt, diese zeitweise Blockade der B3 für den Autoverkehr, haben wir die Aufmerksamkeit auf unsere Probleme lenken können“, sagt Schubert.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte wenige Stunden vor dem Start der Demo die Protestroute auf der B3 unter Auflagen genehmigt. Damit hoben Hessens oberste Verwaltungsrichter einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Gießen und einen Bescheid von Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auf, die die Etappe auf der Autobahn nicht genehmigt hatten. Anders als jene sah der Verwaltungsgerichtshof keine Gefährdung der Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehrs. Die Polizei, welche den Protestzug mit 40 Beamten begleitete, verzeichnete keine besonderen Vorkommnisse bei der Demo. Kurz zuvor gab es in Polizeikreisen noch Bedenken, dass einige Demonstranten die 20 minütige Sperrung durch eine Sitzblockade verlängern würden wollen. Das geschah nicht. Auch deshalb zeigen sich die Organisatoren mit der Aktion zufrieden.

von Björn Wisker

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