Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Rad-Demo auf B3: Verkehrs-Chaos droht

Protest gegen Kommunalpolitik Rad-Demo auf B3: Verkehrs-Chaos droht

Mehrere Initiativen planen am Freitag einen Protest gegen die Stadtentwicklung und kommunalpolitische Entscheidungen - auch auf der Stadtautobahn. Anlass ist die drohende Schließung der Fahrrad-Werkstatt "Radikate" im Tunnel unterhalb der Biegenstraße.

Voriger Artikel
Alles. Nur nicht langweilig!
Nächster Artikel
Hochhaus-Bewohner geraten in Polizei-Fokus

Nicht nur auf großen, sondern auch auf kleinen Rädern demonstrieren die Marburger Jahr für Jahr bei der Raddemo.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Fahrrad-Skate-Demonstration unter dem Motto „Eine Stadt für Alle“ soll am Freitag gegen 16 Uhr am Elisabeth-Blochmann-Platz starten und auch über die Stadtautobahn führen. Das kündigten die Orga-nisatoren der Demo, darunter „(T)raumklinik“, „Radikate“ und „Gleis X“ gestern an.

„Wir wollen damit einen verstärkten Fokus auf die Förderung von nicht-kommerziellen Projekten, sozial verträglichen Mieten, alternativen Verkehrsmitteln und Barrierefreiheit fordern“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dass die Route über die Stadtautobahn genehmigt wird, dafür wirbt Joschka Waas von „Radikate“: „Die B 3 steht symbolisch für die Fahrradunfreundlichkeit Marburgs. Und im Rahmen der geplanten Bundesgartenschau 2029 wird sie auch zentral für die Stadtentwicklungspolitik sein“, sagt er.

Die Stadtverwaltung hat ein Verbot der Streckenführung über die B 3 ausgesprochen.

Route über B 3: Gericht muss entscheiden

„Zu der Zeit am Freitag wird viel Verkehr in der Stadt sein, die Leute wollen rechtzeitig vor dem WM-Spiel der Deutschen zu Hause sein. Dann gibt es noch den Nachmarathon, die Ketzerbach wird wegen des Fests gesperrt - wenn da noch auf der B3 demonstriert wird, geht gar nichts mehr“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Dagegen klagen die Demo-Organisatoren. Die Gerichtsentscheidung steht noch aus, soll wohl am Donnerstag fallen. Sollte das Oberverwaltungsgericht eingeschaltet werden, gäbe es die Eilentscheidung erst am Freitag.

Hintergrund der Demonstration ist die Entscheidung der Stadt, den Tunnel unter der Biegenstraße - der seit mehreren Jahren Sitz der Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt „Radikate“ ist - zu schließen. Argument der Stadt: Die Stabilität dieser baurechtlich als Brücke geltenden Unterführung sei nicht mehr dauerhaft zu gewährleisten. „Irgendwann werden wir diesen Tunnel zumachen“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Gleichsam versprach er den Rad-Helfern bis zur endgültigen Entscheidung dort weiterarbeiten zu können. Einen genauen Zeitplan für die Zuschüttung gebe es noch nicht. Kahle bot zudem an, einen neuen Standort für die Werkstatt zu finden.„Wir kämpfen dafür, dass das gemeinnützige Projekt im Fahrradtunnel bleiben kann. Doch wir sind nicht allein von einer Stadtentwicklungspolitik betroffen, die nur für die Bedürfnisse des Marktes ausgelegt ist und Verwertungsinteressen dient! Deshalb stellen wir unsere Situation in einen größeren Zusammenhang“, sagt Waas.

Die Marburger Initiativen fassen ihren Protest daher weiter.Aus Sicht von „Radikate“ und „(T)Raumklinik“ orientiere sich die Entwicklungsplanung der Universitätsstadt „nicht an den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen“. Es geht ihnen nach eigenen Aussagen um Themen wie Wohnungsnot, Mieten, Geringverdiener und Migranten.

„Wir wollen nicht mit anderen Menschen und Projekten um Platz und Mittel konkurrieren, sondern fordern ein Recht auf Stadt für alle und Raum für lebendige Vielfalt“, sagt Hannah Weisbach, ebenfalls bei „Radikate“ aktiv. Melanie Tefkabh von „(T)traumklinik“ kritisiert hingegen „das Fehlen eines sozialen Zentrums als unkommerzieller Ort sozialer Projekte“.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr