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RMV prüft Kurzstrecken-Tarif für Marburg

Fahrpreiserhöhung RMV prüft Kurzstrecken-Tarif für Marburg

Die Grünen fordern billigere Busfahrten in Marburg. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) solle umgehend einen Kurzstreckentarif einführen um Einwohner mit wenig Geld nicht vom Nahverkehr auszuschließen. Der Verbund reagiert.

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Die Preiserhöhung in Marburg zum Jahresende ist bereits beschlossene Sache.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. „Wenn wir demnächst schon Preise wie in Großstädten haben, kann man auch wie dort Kurzstrecken für 1,20 Euro einführen“, sagt Kerstin Weiß, Sprecherin der Grünen. „Wir verstehen nicht, dass mit der neu geschaffenen Tarifzone auch eine Fahrt vom Rudolphsplatz bis zur Universitätsstraße 2,10 Euro kosten wird“, ergänzt Weiß‘ Parteikollegin Anke Lindemann. Marburger mit niedrigem Einkommen die auf den Bus angewiesen seien, treffe die geplante Erhöhung um 30 Cent besonders empfindlich.

Laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist der RMV der teuerste Verbund Deutschlands. Schon im November 2010 habe der Aufsichtsrat des RMV in Aussicht gestellt, dass 2013 die Fahrpreise nach Entfernungen gestaffelt werden sollen, heißt es von den Grünen. „Dann sollte das auch für die Marburger Innenstadt gelten!“, so die Forderung der Grünen. Einen Vorteil haben vor allem die Vororte: Kunden kommen künftig billiger ins Zentrum. „Wir begrüßen, dass die Außenbezirke wie zum Beispiel Michelbach, Schröck oder Moischt jetzt günstiger zu erreichen sind“, sagt Lindemann. Das Credo der Partei: Damit immer mehr Einwohner von Auto auf Bus umsteigen, sei ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr nötig - diesen wolle man mit bezahlbaren Preisen stärken.

Beim RVM häufen sich unterdessen die Anfragen, die gängige Tarifstruktur grundlegend zu ändern. „Wir prüfen das Thema Kurzstrecke im Zuge unserer sowieso geplanten Tarifreform“, sagt Petra Eckweiler, Sprecherin des RMV. In Marburg sei eine solche Einführung ebenso nicht auszuschließen wie in anderen Städten. „So ein Schritt darf jedoch nicht zu Einnahme-Einbrüchen führen“, sagt Eckweiler. Derzeit rechnen die Verkehrsexperten daher hessenweit Modelle durch, wo die Installation von Kurzstrecken-Varianten ‚„eine sinnvolle Maßnahme sein könnte“.

Bislang existieren nach RMV-Angaben Kurzstreckentarife in Frankfurt und Hanau. Während in der Mainmetropole für eine Entfernung von bis zu zwei Kilometern 1,60 Euro (Kinder 95 Cent) fällig werden, zahlen Kunden in Hanau für die Distanz von einem Kilometer 1,20 Euro (Kinder 70 Cent).

Der RMV möchte jedenfalls an seinem Kurzstreckenmodell - Entfernung zwischen anstatt Zahl der Stationen - festhalten. Das könnte in der Universitätsstadt zu Problemen führen. Denn die Distanz etwa zwischen den Haltestellen Schwanallee und Universitätsstraße beträgt weniger als einen Kilometer.

Hintergrund der Debatte ist unter anderem die saftige Fahrplanerhöhung, die der RMV zum Fahrplanwechsel im Dezember beschlossen hatte: Statt bisher 1,80 Euro kostet der Einzerfahrschein dann 2,10 Euro. „Unakzeptabel“ findet das die Marburger Linke und forderte das Stadtparlament auf, gegen die Erhöhung zu protestieren und damit „frühzeitig ein Zeichen zu setzen.“

Der Antrag wurde noch einmal zurückgestellt, nachdem Verkehrsdezernent Egon Vaupel (SPD) berichtete, dass er der Erhöhung zugestimmt habe, um den Stadtwerken und der Stadt den notwendigen finanziellen Spielraum zu verschaffen, um einen einheitlichen Stadttarif einführen zu können. Vaupel bezifferte die Kosten dafür auf etwa 200000 Euro.

Zum Winterfahrplan Anfang Dezember werden die Einzelfahrten im Stadtgebiet um 30 Cent erhöht, anstatt zwei gibt es dann nur noch eine Tarifzone (die OP berichtete). Wenn die Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Beschluss fasst, könnten demnächst Kunden der Stadtwerke zu einem Preis überall im Stadtgebiet fahren - in der Innenstadt ebenso wie etwa von Bauerbach nach Dilschhausen.

Hintergrund:

  Zuletzt lief vor allem der Fahrgastverband Pro Bahn Sturm gegen die RMV-Tarifpolitik und die Preiserhöhungen zum Jahresende: Vor allem Jugendliche würden regelrecht abgezockt und damit zu Schwarzfahrern erzogen, sagte Verbandssprecher Wilfried Staub. 

Um 30 Cent, auf 2,10 Euro, steigt der Preis für die Einzelfahrkarte – davon sollen in Marburg die Außenstadtteile profitieren. Von den Außenstadtteilen ins Zentrum, so der Plan, den Verkehrsdezernent Egon Vaupel im Verkehrsausschuss vorstellte, zahlen Kunden denselben Preis wie etwa vom Hauptbahnhof zur Elisabethkirche. Mit dieser Strategie soll unter anderem auch die Innenstadt vom Verkehr, auch vom Parksuchverkehr, entlastet werden.

Am Montag, am ersten Tag der Sperrung eines Großteils der Parkplätze am alten Brauereigelände, waren mittags allerdings Verkehrsbehinderungen wegen zusätzlichen Parksuchverkehrs in der Innenstadt nicht zu verzeichnen.     

von Björn Wisker

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