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Quartier für geflügelte Nachtschwärmer

Fledermäuse Quartier für geflügelte Nachtschwärmer

Der Naturschutzbund Hessen hat das Wohn- und Geschäftsgebäude in der Wettergasse 17/19 zum „fledermausfreundlichen Haus“ gekürt.

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Der Naturschutzbund zeichnete das Doppelhaus der Familie Simoni in der Wettergasse 17/19 als „fledermausfreundliches Haus“ aus. Eigentümerin Sieglinde Simoni (vorne) nahm Urkunde und Plakette stolz entgegen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die stolzen Hausbesitzer Achim und Sieglinde Simoni verfügen nicht nur über ein denkmalgeschütztes Gebäude, sondern demnächst auch über jede Menge streng geschützter und willkommener Mini-Untermieter. Ihr Eigentum wurde vom Naturschutzbund Hessen (Nabu) ausgezeichnet und gilt damit als das bislang einzige „fledermausfreundliche Haus“ in Marburg, das auch bewohnt wird. Mit dem Titel konnte sich bisher nur das Landgrafenschloss rühmen.

Demnächst werden die kleinen geflügelten Nachtschwärmer aus ihrem Winterschlaf erwachen und sich auf die Suche nach geeigneten Sommer-Schlafplätzen begeben, in denen sie auch ihre Jungen aufziehen können.

Ein solches finden sie von nun an in dem Wohn- und Geschäftsgebäude in der Wettergasse 17/19. „Das Sommerquartier ist bereit“, freute sich Eigentümerin Sieglinde Simoni und nahm Plakette und Urkunde stolz entgegen.

Im vergangenen Jahr hatten die Hausbesitzer das Gebäude fledermausgerecht renoviert. Das unter einer Naturschiefer-Verschalung liegende Sommerquartier der Tiere wurde während der Bauarbeiten erhalten und sogar noch optimiert.

„Und das ohne besonderen Aufwand, kleine Maßnahmen reichen da völlig aus“, erklärte Architekt Christoph Irgang. Das Anbringen von Fledermausquartieren sei auch bei Sanierungsarbeiten problemlos möglich. Ein weiterer Lebensraum konnte darüber hinaus in einem zweiten Giebelbereich eingerichtet werden.

Darüber werden sich insbesondere die Zwergfledermaus, der große Abendsegler oder die Rauhaut-Fledermaus freuen. Diese sind Spaltenbewohner und schlafen im Sommer in großen Kolonien in engen Spalten und Ritzen.

„Sehr angenehme, friedliche Untermieter“

Durch Renovierungsmaßnahmen alter Gebäude werden diese Schlafplätze jedoch häufig durch eine umfangreiche Versiegelung zerstört, die Tiere immer häufiger obdachlos, teilweise eingesperrt und müssen qualvoll verenden, erklärte Petra Gatz von Nabu Hessen.

Dabei sind Fledermäuse „sehr angenehme, friedliche Untermieter, machen keinen Lärm und richten keine Schäden an“, sagte die Projektleiterin der Nabu-Aktion. Die Vorteile einer harmonischen Nachbarschaft mit den kleinen Flugsäugern liegen dagegen auf der Hand – die Tiere vertilgen bis zu 4 000 Insekten pro Nacht. „Es ist wichtig, darauf zu achten, dass Lebensräume nicht vernichtet, sondern eher noch geschaffen werden“, gratulierte auch Marion Kühn, Leiterin des Fachdienstes Stadtgrün, Klima- und Naturschutz der Stadt, den prämierten Hausbesitzern.

Die Tiere stehen zudem unter Artenschutz, wenn Quartiere vorhanden sind, muss darauf im Zuge von Renovierungsarbeiten geachtet werden, ergänzte Beate Zimmermann von der Unteren Naturschutzbehörde Marburg. Dabei reiche es schon aus, die Schiefersteine am Giebel um etwa einen Zentimeter anzuheben. „Es gibt jede Menge Lösungen, auch bei einer energetischen Sanierung“, betonte Zimmermann.

Mit der Aktion „fledermausfreundliches Haus“ zeichnet die Organisation Bürger und Einrichtungen aus, die sich für den Fledermausschutz einsetzen. Träger sind der Nabu, das Land Hessen sowie die Stiftung Hessischer Naturschutz. Im vergangenen Jahr konnten in Hessen bereits rund 850 Häuser ausgezeichnet werden.

  • Weitere Informationen bietet das Fledermaus-Telefon der Organisation unter
    0 64 41 / 6 79 04 25.

von Ina Tannert

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