Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Pubertärer Geltungsdrang führt zu Gewalt

Jugendliche vor Gericht Pubertärer Geltungsdrang führt zu Gewalt

Weil sie eine Schulhofprügelei angezettelt, einen Passanten angegriffen und einige Päckchen Zigaretten gestohlen hatten, mussten sich zwei Jugendliche sowie ein Heranwachsender vor Gericht verantworten.

Marburg. Drei Anklagen wegen Diebstahls, einfacher sowie gefährlicher Körperverletzung, teilweise gemeinschaftlich begangen, füllen die Akten der 16, 17 und 18 Jahre alten Angeklagten aus dem Ostkreis. Das Jugendschöffengericht ahndete die Straftaten mit Arbeitsstunden und einem Kurzzeitarrest.

Anfang des Jahres gerieten die beiden jüngeren Beschuldigten auf dem Schulhof mit einem anderen Jugendlichen aneinander. Sie beleidigten den Mitschüler, drückten ihn gegen eine Hauswand und schlugen ihm ins Gesicht. Laut Anklage begann der 17-Jährige den Geschädigten zu würgen, schnürte ihm kurzzeitig die Luft ab. „Der hat sich respektlos verhalten“, erklärte ein Angeklagter den Übergriff.

18-Jähriger gesteht Falschaussage bei Polizei

Auch ein Zeuge sprach von einem respektheischenden Verhalten der Jugendlichen untereinander. Eine beabsichtigte Würgeattacke bestritt der Angreifer, „ich habe ihn nur geschubst“, betonte der Beschuldigte mehrfach.

An der Prügelei war der dritte Angeklagte nicht beteiligt, musste sich jedoch wegen eines anderen Angriffs auf einen Fahrgast am Bahnhof in Stadtallendorf verantworten.

Beide junge Männer trafen in Begleitung einiger Bekannter Anfang des Jahres im Zug aufeinander. Die Gruppen fühlten sich scheinbar von der jeweils anderen durch Blicke provoziert, pöbelten sich schließlich gegenseitig an. Der Angeklagte versetzte einem der jungen Männer einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. „Ich dachte, er wollte mich angreifen“, erklärte der 18-Jährige. Zuerst zugeschlagen habe der andere jedoch nicht, gestand er eine Falschaussage bei der Polizei.

Nachdem er bemerkt hatte, dass der Geschädigte stark aus der Nase blutete, entschuldigte er sich.

Im April dieses Jahres hielt sich der Schläger wiederum mit einigen Bekannten, darunter der zweite Beschuldigte, im Marburger Erlenring-Center auf. Aus dem Supermarkt entwendete die Gruppe mehrere Packungen Zigaretten. Als sie an der Kasse erwischt wurden, suchten die Diebe das Weite.

Während der 16-Jährige den Vorwurf voll bestätigte, bestritt der Älteste eine Beteiligung an der Tat. „Ich habe nichts geklaut“, beteuerte der junge Mann.

Angesichts der deutlich schwerwiegenderen Körperverletzung stellte das Gericht diesen Anklagepunkt auf Antrag der Staatsanwaltschaft schließlich ein.

Im Fokus der Verhandlung standen die Gewaltdelikte. Diese wurden scheinbar von pubertärem Geltungsdrang und stets von gegenseitigem Anpöbeln begleitet.

Insbesondere im Fall des 18-Jährigen, der einen Streit geradezu herausforderte, „ohne jegliche Veranlassung“, befand Staatsanwalt Jonathan Poppe. Der junge Mann stand nicht zum ersten Mal wegen Körperverletzung vor Gericht.

Bei seinem Bekannten sei indes eine noch schnellere Rückfallgeschwindigkeit zu erkennen - der 17-Jährige wurde erst wenige Wochen vor der aktuellen Tat bereits wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Für beide forderte der Anklagevertreter einen kurzen Arrest.

Dies wertete die Verteidigung als „völlig unangemessen“, betonte unter anderem Verteidiger Gerhard Bretthauer. Auch im Fall des 16 Jahre alten Angreifers sah der zuständige Vertreter nur einen „geringen Interventionsbedarf“, sagte Verteidiger Stefan Adler.

Viertägiger Kurzarrest für 17-jährigen Vorbestraften

Das Gericht unter Vorsitz von Cai Adrian Boesken sah jedoch einen gemeinschaftlichen Diebstahl sowie eine gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, wenn auch in einem minderschweren Fall, als bestätigt an. Der älteste Angeklagte wurde zu 20 Arbeitsstunden, sein ebenfalls vorbestrafter Kollege zu einem viertägigen Kurzarrest verurteilt.

Wie von der Jugendgerichtshilfe vorgeschlagen, müssen alle drei ihre Sozialkompetenzen in einem Trainingskurs auffrischen, so die Weisung des Gerichts.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel