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Psychotherapie verändert das Gehirn

Forschung Psychotherapie verändert das Gehirn

Psychotherapie hat bei ­Patienten mit Panikstörungen Auswirkungen auf die Hirnprozesse. Das ­haben jetzt Marburger Forscher unter Leitung von Professor Tilo Kircher nachgewiesen.

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Quelle: Gerd Altmann

Marburg. Die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie bei Patienten, die an Panikstörungen leiden, war prinzipiell schon erwiesen. Doch dass sie sich nachweisbar auf die Hirnfunktionen auswirkt, war bisher noch nicht bekannt.

Statt der Übererregbarkeit eines Areals im vorderen linken Hirnlappen sind die Funktionen dieser Hirnregion bei Patienten mit Panikstörungen am Ende einer verhaltenstherapeutischen Behandlung wieder auf Normal-Niveau reduziert. Dies ist das Ergebnis einer in diesem Umfang weltweit einzigartigen Studie, die von dem Marburger Psychiatrie-Professor Tilo Kircher koordiniert wurde.

„Wir können somit erstmals nachweisen, dass sich das Gehirn unter dem Einfluss der Psychotherapie plastisch verändert“, erläutert Kircher. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen laut Kircher die besondere Rolle der speziellen Hirnpartie bei der Furcht-Konditionierung der betroffenen Patienten. Zudem sei nachgewiesen worden, dass es im vorderen linken Hirnlappen eine erhöhte Verknüpfung zu Regionen der Furchtverarbeitung gibt.

Daten von 42 Patientenwurden ausgewertet

In Deutschland erkranken rund ein Drittel der Menschen mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Psychotherapie ist neben der Behandlung mit Medikamenten eine effektive und weit verbreitet eingesetzte Methode zur Behandlung dieser Erkrankungen.

Die Panikstörung tritt bei rund drei bis fünf Prozent der Erkrankten auf und ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzende panische Angst, Herzrasen, Schwitzen und dem Gedanken, sterben zu müssen oder in Ohnmacht zu fallen.

Bisher wird aber nach Schätzungen nur ein geringer Teil der Patienten mit Panikstörungen behandelt, weil diese häufig nicht als behandelbare Erkrankungen erkannt werden.

Nach Angaben Kirchers handelt es sich um die weltweit größte Studie zum Effekt von Psychotherapie auf das Gehirn, der mittels funktioneller Magnetresonanztomographie in den Hirnregionen gemessen wurde. Für die Studie ausgewertet wurden Daten von 42 Patienten in Universitätskliniken in Marburg, Aachen, Dresden, München und Würzburg. Alle Patienten wurden mit einer standardisierten Verhaltenstherapie behandelt und erhielten keine medikamentöse Behandlung. Weltweit gibt es bisher erst eine vergleichbare Studie zu den Effekten von Psychotherapie auf das Gehirn, bei der aber nur die Daten von neun Patienten mit Panikstörungen ausgewertet wurden.

Einzelne Studien mit ähnlichem Ansatz, aber auch unter geringerer Patientenbeteiligung liegen zu anderen psychischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie vor. Bisher gibt es nach Angaben von Kircher jedoch noch keine Studie, die die Effekte medikamentöser Behandlung auf das Gehirn misst. Man gehe jedoch in der Forschung aus, dass Medikamente auf tiefere Hirnstrukturen wirken.

Die nun vorgelegte Studie wurde vor allem wegen der Fortschritte bei der Entwicklung von Großgeräten wie dem Magnetresonanztomograph möglich.

Die vom Bundesforschungsministerium geförderte Arbeit ist Teil einer deutschlandweit durchgeführten Untersuchung unter Marburger Federführung, die für eine Zeitdauer von insgesamt drei Jahren mit jährlich 1,5 Millionen Euro gefördert wird.

Dabei geht es grundsätzlich um die Wirksamkeit der Psychotherapie. Die Daten der anderen Teilstudien sind jetzt bereits erhoben wurden, sind aber größtenteils noch nicht ausgewertet.

von Manfred Hitzeroth

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