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Psychologe rät zu Trauer-Ritualen

Nach dem Germanwings-Absturz Psychologe rät zu Trauer-Ritualen

Die Flugzeugkatastrophe in den französischen Alpen mit 150 Todesopfern bewegt ganz Deutschland. Wie Angehörige und Freunde  dieses Trauma bewältigen können, erläutert der heimische Psychologe Dr. Georg Pieper.

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Der Psychologe Dr. Georg Pieper hält es für wichtig, nach der Flugzeugkatastrophe in den Alpen in gemeinsamen Gesprächen die  "Worte für das Traurige" zu finden.

Quelle: Montage: Sven Geske

Marburg. In ganz Deutschland war am Mittwoch Trauerbeflaggung nach einer der schlimmsten Luftfahrt-Katastrophen der vergangenen Jahre. Bei dem Absturz der Maschine der Lufthansa-Tochter „German Wings“, die auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf war, starben 150 Menschen, darunter 72 Deutsche (die OP berichtete).

Im Gespräch mit der OP gab der Traumapsychologe Dr. Georg Pieper Antwort auf die Frage, wie man jetzt den Hinterbliebenen helfen kann. Besonders in Haltern (Nordrhein-Westfalen) wird kollektiv getrauert, weil eine ganze Schulklasse mit zwei Lehrerinnen sich auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch in der Nähe von Barcelona in der Unglücksmaschine befand.

„Es war ganz wichtig, dass jetzt nicht die gesamte Schule geschlossen wurde, sondern dass die Mitschüler sich in der Schule treffen konnten“, erläutert Pieper.

Denn es gehe jetzt vor allem darum, dass die Schüler und die Lehrer in der betroffenen Schule miteinander ins Gespräch kommen, um Worte zu finden für das Traurige, was passiert sei. „Nicht allein sein mit der Trauer“: Das sei jetzt das oberste Gebot für die Freunde und Verwandten der Toten.

Wichtig sei aber auch, dass  diese Trauerarbeit unter Anleitung von Psychologen vor sich gehe und nicht zu einer reinen „Klagegruppe“ werde, betonte Pieper. Beispielsweise könnten nunmehr Rituale entwickelt werden, um gemeinsam zu trauern.

In der akuten Phase direkt nach dem Absturz  gehe es aus Expertensicht vor allem  auch darum, den Angehörigen dabei zu helfen, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Auf keinen Fall rät Pieper den Hinterbliebenen jetzt schon dazu, zur Unglücksstelle zu fahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Dazu seien sie psychisch und körperlich viel zu aufgewühlt. Das Gebot der Stunde sei es für die Angehörigen jetzt zunächst, zur Ruhe zu kommen.

Dass es nach dem Flugzeugabsturz in Deutschland derzeit zu einem auch an einer Vielzahl von Medienberichten ablesbaren Art „kollektivem Trauma“ kommt, diagnostiziert Georg Pieper zudem.

Dabei müsse man sich im Klaren sein, dass ein solches Flugzeugunglück immer wieder passieren könne. „Wenn man in ein Flugzeug steigt, geht man ein gewisses Risiko ein. Hin und wieder stürzt ein Flugzeug ab“, sagte Pieper.

von Manfred Hitzeroth

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