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Prügel-Familie: Zeugen belasten den Vater

Amtsgericht Prügel-Familie: Zeugen belasten den Vater

Im Fall eines angeklagten Vaters, zweier Söhne sowie eines Bekannten der Familie, die wegen Raub und Körperverletzung vor Gericht stehen, gibt es weiter Verwirrung bei den Zeugenaussagen.

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Marburg. Vor dem Jugendschöffengericht belasteten nun erstmals zwei Passanten den angeklagten Vater und widersprachen damit zahlreichen vorherigen Zeugenaussagen.

Den 16, 18 und 19 Jahre alten Angeklagten wird gemeinschaftlicher Raub sowie Körperverletzung in verschiedenen Fällen vorgeworfen (die OP berichtete). Die Verhandlung dreht sich vor allem um eine Schlägerei in der Nähe einer Marburger Tankstelle im Mai 2014 zwischen den beiden Brüdern und einem dritten jungen Mann, bei der auch der angeklagte Vater eingegriffen haben soll.

Die Beweislage gestaltet sich nach wie vor schwierig. Die am zweiten Verhandlungstag vor Gericht gezeigten Aufnahmen der Überwachungskameras der Tankstelle brachten keine neuen Erkenntnisse, sie zeigten lediglich, dass die beiden Brüder „aufgeregt zwischen den Zapfsäulen herum laufen“, fasste Richter Cai Adrian Boesken zusammen.

Ein weiterer Bekannter der Familie gab hierzu an, dass sowohl die beiden Angeklagten wie auch der Geschädigte während des Streits zugeschlagen hätten, was das stark betrunkene Opfer im Vorfeld abgestritten hatte. Erst im Anschluss habe der Geschädigte zudem Pfefferspray gegen einen der Brüder eingesetzt, so der Zeuge weiter. Etwas später sei der alarmierte Vater mit den Worten „wer hat meinem Sohn das angetan“ auf dem Gelände der Tankstelle eingetroffen. Einen Schlag mit dem Stock, den der Vater mit sich führte, konnte der Zeuge nicht sehen.

Im Gegensatz zu zwei weiteren Passanten. Ein Ehepaar, das sich in der Nähe der Tankstelle aufhielt, bekam den lautstarken Streit zwischen den drei jungen Männern mit, eine vorherige Schlägerei konnten die Zeugen nicht beobachten. Das Opfer habe sich „sehr auffällig“ verhalten, wirkte ängstlich und habe unter Tränen „um Hilfe gebeten“, sagte die Zeugin aus. Der Mann habe sich scheinbar bedroht gefühlt und mehrfach verlangt die Polizei zu benachrichtigen. Nachdem einer der Söhne für kurze Zeit das Gelände verließ, soll das Opfer geradezu panisch geworden sein und „jetzt wird es gefährlich“ gesagt haben.

Während die Zeugen sich im direkten Gespräch mit dem Mann befanden, sei der angeklagte Vater hinzugekommen. Mit den Worten „ist es der?“ soll der aufgebrachte Angeklagte umgehend auf den Geschädigten losgegangen und ihn mit einem Stock gegen den Kopf geschlagen haben, waren sich die beiden Zeugen auch nach mehrfacher Nachfrage seitens des Gerichtes sicher.

Die deutliche Aussage überraschte die Prozessbeteiligten, zahlreiche frühere Zeugen hatten die Situation anders dargestellt und den Vater entlastet. Nachdem das Opfer mit einer stark blutenden Kopfwunde zu Boden ging, verließen die beteiligten Männer das Gelände. Die beiden mitangeklagten Söhne konnte dabei keiner der beiden Zeugen identifizieren.

Auch zu dem zweiten Anklagepunkt der gemeinschaftlicher Körperverletzung sagte gestern das mutmaßliche Opfer aus. Mitte 2014 sollen die beiden Brüder gemeinsam in der Marburger Innenstadt auf den jungen Mann eingeschlagen haben. Einer der Angeklagten hatte bereits im Vorfeld eine Beteiligung an der Prügelei aus Notwehr eingeräumt, der Geschädigte hätte ihn sowie seine schwangere Freundin angegriffen, er habe sich nur gewehrt. Dies stritt der Zeuge ab. Er berichtete von einem Streit zwischen mehreren anderen Jugendlichen in der Nähe der Weidenhäuser Brücke. Als er sich der streitenden Gruppe näherte soll einer der Brüder ihm unvermittelt ohne Grund ins Gesicht geschlagen haben, so der Zeuge. Welcher der beiden Angeklagten den Angriff ausgeführt hatte, wisse er jedoch nicht. Nachdem er zu Boden gegangen war, sollen wiederum beide auf ihn eingeschlagen und getreten haben. Seine Angaben brachten keine genaueren Erkenntnisse in diesem Fall. Bei seiner polizeilichen Aussage im Juni diesen Jahres habe er deutlich die beiden Brüder als Täter angegeben, könne sich nun seltsamerweise nicht mehr daran erinnern, hielt ihm Richter Boesken die ungenaue „dünne Aussage“ abschließend vor.

Da im Verlauf der Verhandlung weitere mögliche Zeugen benannt wurden, vertagte das Gericht den Prozess auf den 18. November.

von Ina Tannert

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