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Prozess dreht sich um den Häcksler

Aus dem Gericht Prozess dreht sich um den Häcksler

Umstritten sind nicht nur die Rechnungen der wegen Betrug angeklagten Geschäftsmänner, sondern auch die Technik der landwirtschaftlichen Geräte und die anhaltende Debatte vor Gericht.

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Vor dem Amtsgericht sind zwei Geschäftsmänner wegen Betruges angeklagt – die Verhandlung wird fortgesetzt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Es ist alles ziemlich vage“, fasste der landwirtschaftliche Sachverständige eine weitere Nachberechnung der kontroversen Rohstoffmengen für die Biogasanlage in Heskem zusammen. Der Prozess kreist um die scheinbar ungenaue Messvorrichtung des verwendeten Häckslers.

Mit diesem wurden die landwirtschaftlichen Rohstoffe verarbeitet, die von den beschuldigten Lieferanten an die Betreiberfirma verkauft wurden. Laut Anklage gaben die Männer dabei falsche Mengen an, prellten somit angeblich die Geschäftspartner um rund 100.000 Euro.

Geringe Mengen werden von Maschine nicht erfasst

Nach Rücksprache mit der Herstellerfirma versuchte sich der Experte mit der veralteten Messmethode des Häckslers auseinanderzusetzen. Fest steht: Die von der Maschine berechnete Trockenmasse hat Einfluss auf die parallel prognostizierte Frischware. Darauf und auf damit in Verbindung stehende weitere unzuverlässige Berechnungen hatte die Verteidigung am vergangenen Prozesstag gepocht. Soll heißen: ist der Häcksler falsch oder gar nicht kalibriert, berechnet die Maschine während der Verarbeitung eine falsche Menge an Trockensubstrat – damit könnte auch die abgerechnete Menge an Frischmasse Fehler aufweisen.

Ihm fielen daneben weitere Ungereimtheiten ins Auge: Ein Hauptbestandteil der von den Angeklagten gelieferten Rohstoffe war Maissilage. Wie aus der umstrittenen Abrechnung hervorgeht, wies die Ware zum Teil einen hohen Feuchtigkeitsgehalt auf, war entweder zu früh oder zu nass verarbeitet worden. Ein Trockenwert des Substrats von unter 30 Prozent kam mehrmals vor, diese geringe Menge kann die Maschine jedoch rein technisch gar nicht mehr erfassen.

Nach dieser Annahme konnte der ermittelte Wert also gar nicht stimmen, auf die Messung des Häckslers sei kein Verlass. „Mathematisch ist die Berechnung richtig, aber es entspricht nicht den Werten – das passt nicht“, erklärte der Zeuge.

Sachverständiger kritisierte scheinbar falsche Lagerung

Darüber hinaus war ein derart feuchtes Produkt scheinbar nicht eingeplant, in den Unterlagen taucht kein Preis für Mais mit einem Trockenanteil von unter 27 Prozent auf, verwies er auf die Preisliste der Biogasanlage. Auf den Abrechnungen der Geschäftspartner tauchten hingegen „noch ganz andere Zahlen auf“. Der Sachverständige kritisierte erneut eine scheinbar falsche Lagerung der für die geplante Biogasanlage gelagerten Rohstoffe, mit hohen Gewichtsverlusten. Die Ware wurde von den Angeklagten als Frischmasse an die Betreiberfirma verkauft, was am Ende an Trockenmasse übrig blieb, war jedoch gering, so der Zeuge.

Generell könne man heute weder die genaue Erntemenge noch die Qualität der verschiedenen Proben oder eine falsche Kalibrierung des Häckslers nachvollziehen. Die technische Berechnung der Maschine weise generell eine Abweichquote von drei bis fünf Prozent auf.

Weitere Prüfberichte über die technischen Feinheiten sollen am kommenden Verhandlungstag diskutiert werden.

  • Der Prozess wird am 25. Mai fortgesetzt.

von Ina Tannert

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