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Protest im Feierabend-Verkehr nervt Autofahrer

Rad-Demo Protest im Feierabend-Verkehr nervt Autofahrer

Protest mit Klingel und Transparenten: Die rund 200 Teilnehmer der Rad- und Skate-Demonstration in der Innenstadt fordern eine Veränderung der Stadtentwicklung und den Erhalt der Fahrradwerkstatt „Radikate“.

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Die Rad- und Skate-Demonstration zählte nach Veranstalterangaben rund 200 Teilnehmer. Sie fordern eine Veränderung der Stadtentwicklungspolitik. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Im Subtext dessen, was die Stadt uns zu der Schließung des Biegenstraßen-Tunnels mitteilte, schwang immer mit, dass wir mit unserer Initiative nicht ins Bild passen“, sagte eine Radikate-Sprecherin. Die Sanierung und Umgestaltung der Gegend vertrage offenbar „nicht so viel Buntes, schon gar nicht in zentraler Lage“.

Unterstützung von Tim Weingärtner, Student und Aktivist bei der Initiative „Recht auf Stadt: Er will, „dass mehr kreatives Treiben, so wie Radiakte, die öffentlichen Plätze prägt.“ Der Stadt gehe es „nur noch um Verwertungs-, um Gewinninteressen.“ Er nennt die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gewobau, die „zunehmend auf Gewinne durch Mieten“ gepolt sei. Applaus bei den Demonstranten: „Radiakte bleibt“, riefen sie.

„Wir haben uns nie verschlossen, andere Standorte für diese Initiative zu finden“, sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bereits im Vorfeld der Demo. Im Zuge der Neugestaltung des Rudolphsplatzes, die nächstes Jahr beginnen soll, könne es „einige Möglichkeiten geben“.

Damit erneuert er den Kompromissvorschlag von Dr. Bürgermeister Franz Kahle (Grüne), der bereits vor mehreren Wochen im Gespräch mit „Radikate“-Vertretern Lösungswege skizzierte.

Der Protest, vor allem der Zeitpunkt, rief vor allem bei Berufstätigen und Autofahrern Unverständnis hervor: „Es ist schon dreist, das an so einem Tag zu machen um absichtlich die Straßen zu verstopfen“, sagt Werner Hellmann (53). „Ein Schlag ins Gesicht“ sei es für alle Marburger und Gäste, die entspannt das Ketzerbachfest besuchen oder den Nachtmarathon sehen wollten, sagte Peter Schmitt (49), der mit dem Auto in der Biegenstraße feststeckte.

Joschka Waas von „Radikate“, Organisator der Demonstration, warnte bei der Auftaktkundgebung: „Wegen aggressiven Autofahrer, die gleichsam Nationalisten sind, müssen wir aufpassen.“ Um die Fahrradfreundlichkeit sei es in Marburg nicht gut bestellt.

Das von der Stadtverwaltung wegen Großveranstaltungen (Ketzerbachfest, Nachtmarathon, Fußball-WM) befürchtete Verkehrs-Chaos blieb weitgehend aus. Die Stadtautobahn war für etwa eine halbe Stunde gesperrt. „Ich habe den ganzen Tag überlegt wie ich am besten von A nach B komme. Das nervt“, sagt Nina Friedach (38).

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte am Vorabend der Demo deren Verlauf über die B 3 genehmigt. Damit hoben Hessens oberste Verwaltungsrichter einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Gießen und einen Bescheid von Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auf, die die Etappe auf der Autobahn nicht genehmigt hatten.

Anders als jene sah der Verwaltungsgerichtshof keine Gefährdung der Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehrs - trotz Ketzerbachfest, Nachtmarathon und WM-Viertelfinale. „Ein Sieg für uns, ein Sieg für Demonstrationsfreiheit“, sagte Waas.

von Björn Wisker

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