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Protest gegen Villen auf Vitos-Areal

Bauvorhaben Protest gegen Villen auf Vitos-Areal

Eine Initiative legt Einspruch gegen die geplanten Neubauten auf dem Vitos-Gelände ein. Anstatt von elf Stadtvillen sollen neben Edel-Apartments ebenso viele Studenten- und Sozialwohnungen entstehen. Zudem droht die Fällung vieler Bäume.

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Bauland Vitos-Gelände: Entlang der Cappeler Straße bis zur Ecke Friedrich-Ebert-Straße sollen Häuser gebaut werden. Kritiker fürchten um Teile der 1700 Bäume, wollen den Park-Charakter des Areals erhalten. Archivfoto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Traumblick und Tiefgarage: Rund 100 Wohnungen mit jeweils 60 bis 100 Quadratmetern sollen entlang der Cappeler Straße bis zur Ecke Friedrich-Ebert-Straße hochgezogen werden. Die Lokale Agenda „Nachhaltige Stadtentwicklung“ will den Bau eines Luxus-Quartiers jedoch verhindern. „Wir reden stets über den Mangel an zentralem Wohnraum für Junge und Alte. Es ballt sich aber alles Bezahlbare am Richtsberg und Tannenberg“, sagt Gerhard Haberle. Er und seine Mitstreiter schlagen daher vor, das Grundstück so aufzuteilen, das für teure, studentische und soziale Wohnungen je ein Drittel der Fläche bebaut wird. „Ausgewogenheit ist das Stichwort.“

Hessen Forst droht mit einer Ordnungsstrafe

Das verlangt Haberle auch in Bezug auf die künftige Nutzung und Gestaltung des Areals - denn bei Baustart werden wohl viele Bäume den Baggerschaufeln zum Opfer fallen. „Wie ein Käsekuchen wird dieses Gelände an den Rändern schon seit Jahren kleiner geschnippelt. Mal hier eine Ecke weg, dann dort, immer mehr wird zugebaut. Das ist für den Baumbestand, letztlich für das Klima in der Stadt eine Gefahr“, sagt Haberle. Seine These wird durch ein Vitos-Gutachten gestützt - das Freiraumplanerische Entwicklungskonzept, das auch der OP vorliegt. Demnach gilt der 1700 Exemplare zählende Baumbestand als Markenzeichen des Geländes, welches „eine Fülle von Potentialen“ biete, weshalb eine „einseitige Entwicklung“ abzulehnen sei. Laut Gutachten sollten weite Teile als Park, die Kirche etwa für Taufen, Hochzeiten, Konzerte oder Vorträge genutzt werden. Bereits 2003 plädierten Gruppen wie die IG MARSS für einen Erhalt des Geländes als Bürgerpark, der rund um die Klinikgebäude verlaufen soll. „Doch wieder drohen wertvolle Bäume abgerissen zu werden“, sagt Haberle.

Brisant: Selbst staatliche Behörden verweigern ihre Zustimmung zu weiteren Baumfällungen in dem Bereich. Hessen Forst droht nach OP-Informationen etwa mit einer Ordnungsstrafe von 100 000 Euro, wenn Bäume auf diesem als Waldfläche geltenden Areal gerodet werden.

Die Baum-Problematik beschäftigt auch Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). „Das wird nicht so einfach zu lösen sein, wie mancher vielleicht denkt“. Er bestätigt Einwände, die Behörden in Stellungnahmen zum Bebauungsplan-Entwurf bereits geäußert haben. Aber: „Wir stehen vor planerischen Grundsatzfragen. Immer mehr Menschen ziehen in Städte, wir werden uns auch in Marburg weiter an Verdichtung gewöhnen müssen. Und daran, dass Städte in die Höhe wachsen“, sagt er.

Die Lokale Agenda plant indes den Start einer Unterschriftenaktion zum Erhalt der Bäume - rund 800 Unterzeichner zählte eine solche bereits vor mehr als zehn Jahren.

Eigentümer des Grundstücks ist der Landeswohlfahrtsverband. Dieser will Flächen auf dem circa 30 Hektar großen Klinikgelände möglichst teuer verkaufen. Investoren werden, so Vaupel, also an zügiger Re-Finanzierung des Kaufpreises interessiert sein.

Der Baustart ist für 2016 angepeilt

Nicht die besten Aussichten für Sozialbauten und Studentenwohnungen - „obwohl gerade dem Landeswohlfahrtsverband an Sozialverträglichkeit gelegen sein sollte“, wie Haberle sagt. Vaupel beschwichtigt: „Entlang der Friedrich-Ebert-Straße wird den Planungen zufolge bezahlbarer Wohnraum entstehen.“ Haberle kontert: „Das wird der Schallschutz für die Stadtvillen.“

Der OP liegt der erste Bebauungsplan-Entwurf vor. Demnach sollen jeweils sechs dreistöckige Gebäude entlang der Privatstraße Querspange und entlang der Friedrich-Ebert-Straße gebaut werden, zudem fünf dreistöckige Gebäude im innenliegenden Bereich hinter den bereits bestehenden Wohnungen an der Cappeler Straße. Ein vierstöckiges Gebäude soll außerdem anstelle des eingezäunten Bolzplatzes gegenüber des Stadtbüros seinen Platz finden - der Fußballplatz könnte anderswo neu aufgebaut werden. Auf der Ecke gegenüber des Franz-Tuczek-Wegs ist zudem ein weiteres vierstöckiges Geschäftsgebäude geplant. Die elf Stadtvillen im Zentrum des Quartiers gruppieren sich rund um einen dreieckigen Park samt Spielplatz. Der Baustart ist für 2016 - dann soll das Planverfahren lau Baudezernent Dr. Franz Kahle - abgeschlossen sein - angepeilt.

Die Vitos-Geschäftsführung will sich nächste Woche gegenüber der OP zum aktuellen Planungsstand äußern.

von Björn Wisker

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