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Protest gegen Pegida: Marburger planen Demo

Antigida-Bewegung Protest gegen Pegida: Marburger planen Demo

Gegenwind für die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida): Mehr als 1100 Marburger wollen Anfang Januar einem Demo-Aufruf folgen, um für Demokratie und Vielfalt sowie gegen Vorurteile einzutreten. Indes verdichten sich Anzeichen, dass Marburger Burschenschaften Pegida-Proteste in Dresden stützen.

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Bei Pegida-Demos in Dresden mischt auch die Marburger Burschenschaft Germania mit. In der Universitätsstadt soll am 5. Januar ein Gegen-Protest stattfinden.

Quelle: Arno Burgi / dpa

Marburg. Am Montag, 5. Januar von 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr haben zwei Marburger Medizinstudentinnen (25,26) unter dem Namen „Antigida“ einen Protestzug durch die Innenstadt angemeldet. Dieser wird vom Hauptbahnhof über den Steinweg durch die Oberstadt und den Wilhelmsplatz und die Universitäts-straße zurück in Richtung Nordviertel führen. Im sozialen Netzwerk Facebook haben sich bislang mehr als 1100 Teilnehmer angemeldet.

Das Ziel des Aufrufs ist es nach Angaben der Veranstalter, „Solidarität, die in der Gesellschaft unseres Erachtens mehrheitlich vorherrschend ist, mit Menschen, die als Fremde diskriminiert werden, zu demonstrieren“.

Muslime in Marburg freuen sich über die Unterstützung: „Das ist ein Musterbeispiel dafür, dass es hier diese abstrakte, absurde Angst und die Bestrebungen á la Pegida nicht gibt. Wir Muslime sind stolz auf unsere Stadt, auf unsere Mit-Marburger“, sagt Bilal El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde. In Marburg gebe es einen „aufrichtigen, menschlichen Dialog“, ein „harmonisches Zusammenleben der Kulturen“.

"Bunt statt braun"

Die anti-islamischen Proteste der Bewegung Pegida in Dresden und Kassel werden offenbar unter anderem von einer als rechtsextrem geltenden Marburger Burschenschaft begleitet. Mitglieder der Germania beteiligen sich an den Demonstrationen. Das geht aus Einträgen und Fotos im Internet hervor. Auf der inoffiziellen Facebook-Seite des als rechtsextrem geltenden Dachverbands „Deutsche Burschenschaft“ schreiben deren Betreiber, dass „15 Bünde, unter anderem aus Marburg, Hamburg, München, Berlin und Wien“ gezählt wurden. Alle stammen „aus den Reihen der Deutschen Burschenschaft“, es seien „Fahnen der Urburschenschaft geschwenkt“ worden. Bei der Flagge handelt es sich um die sogenannte Wartburgfahne.

Auch hessische Aktivisten des Netzwerks „Bunt statt Braun“ haben nach eigenen Angaben Germania-Mitglieder bei Anti-Islam-Veranstaltungen entlarvt - bei Protesten in Kassel. Auf ihrer Facebook-Präsenz ruft die Germania zudem zu Demonstrationen in Marburg auf. Die Bewohner sollen demnach protestieren „gegen unkontrollierte Masseneinwanderung, Überfremdung und die unvertretbare Asylpolitik der Regierung. Familien haben Angst um ihre Kinder, das Volk um seine Zukunft.“

Fahnenschwenken kann rechtliche Konsequenzen haben

„Unter den Rechten sticht die Marburger Germania deutlich als offen völkisch heraus“, sagt Christian Becker von der Initiative „Burschenschafter gegen Neonazis” auf OP-Anfrage. Als Kenner der Burschenschafts-Szene vermutet er hinter den Auftritten der Germania strategisches Kalkül: Ab Januar 2015 übernimmt die Marburger Vereinigung den Vorsitz der „Deutschen Burschenschaft“.

Ihre Aufgabe ist es dann, gefasste Beschlüsse umzusetzen und neue Ideen für die Szene zu entwickeln - vermutet wird, dass auch der 2013 geforderte und dann verworfene Ariernachweis wieder zur Debatte stehen könnte. „Die letzten vorsitzenden Burschenschaften waren recht vorsichtig, mit der Germania und deren Gesinnung an der Spitze wird der Kurs spannend“, sagt Becker.

Das Fahnenschwenken könnte indes rechtliche Konsequenzen für die Germania haben: Die Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena, Nachfolgerin der Urburschenschaft, hält die Rechte an der Wartburgfahne. Ohne die Genehmigung der Arminia Jena dürfe keine Organisation die Flagge zeigen. Laut einem Sprecher prüft die Organisation derzeit eine Klage gegen die fahnenschwenkenden DB-Burschenschaften während der Pegida-Demo in Dresden.

Unterdessen greift Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an: Diese sei Schuld am Erstarken von Gruppen wie Pegida und der Alternative für Deutschland (AfD), da sie keine konservativen Themen besetze. Sie schäwche das bürgerliche Lager, was ein „verheerender Fehler“ sei.

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