Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Protest gegen"Autofixierung"

Demonstration Protest gegen"Autofixierung"

Drei Stunden lang zog der frühere Pfarrer Hans-Horst Althaus durch die Innenstadt und durch Cappel - zu Fuß, mit einem Joch.

Voriger Artikel
Nicole Knocks ist "Frau OP"
Nächster Artikel
Die ersten Ansprechpartner der Klinik

Hans-Horst Althaus trägt ein Joch durch Cappel, um gegen die Pläne für die Umgestaltung der Marburger Straße zu demon­strieren.Foto: Till Conrad

Marburg. Althaus kämpft seit vielen Jahren für eine dramatische Wende in der Verkehrspolitik. Der Pfarrer im Ruhestand, der selbst seit (persönlich ausgerechneten) mehr als 10000 Tagen ohne Auto auskommt, machte zuletzt von sich reden, als er ein selbst gebautes „Denk-Mal“ am Wilhelmsplatz errichtete, das einen vergoldeten VW-Käfer mit der Bemerkung „Das goldene Kalb der deutschen Staatsreligion“ zeigte.

Das „Denk-Mal“, für dessen Errichtung Althaus eine Genehmigung der Stadt hatte, ist inzwischen zerstört. Althaus selbst lässt sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen. Sein insgesamt dritter Marsch in einem „Gehzeug“ führte ihn vergangene Woche auch an seine frühere berufliche Wirkungsstätte, nach Cappel.

Das „Geh-Zeug“, das stark an das alttestamentarische Joch erinnert, hat die Ausmaße eines Mittelklassewagens.

Althaus protestierte mit seinem dritten Marsch insbesondere gegen den bevorstehenden Umbau der Marburger Straße in Cappel. Die Pläne sehen eine durchgängig sechs Meter breite Fahrbahn und Gehwege von mindestens 1,50 Metern vor. Althaus nennt diese Pläne „autofixiert“. Seiner Auffassung nach reicht der Straßenraum für eine gesicherte Nutzung durch Radfahrer nicht aus. Das würde nämlich zur Folge haben, dass die Pkw sich in der Straßenmitte treffen würden, wenn sie den gebotenen Mindest-Sicherheitsabstand zu Radfahrern von 1,50 Metern einhalten würden - „unrealistisch“, sagt Althaus. Seiner Ansicht nach ist die Marburger Straße schon längst keine Durchgangsstraße mehr, sondern eine innerörtliche Verbindungsstraße, die eine ganze Reihe von Bedürfnissen zu erfüllen hat: als Wohnstraße, Einkaufsstraße, Schulstraße, Haupt-Fahrradverbindung in die Marburger Innenstadt. Althaus schlussfolgert daraus, dass erstens „Tempo 30“ in der Marburger Straße notwendig wäre und zweitens die „Verbannung“ der Radfahrer auf Fahrradwege entlang der annähernd parallel verlaufenen Umgehungsstraße nicht in Frage kommt.

Er habe bei seinem Marsch durch Cappel zustimmende Stimmen erfahren, berichtet der frühere Cappeler Pfarrer, allerdings auch einem Fluch.

Die Sanierungsarbeiten in der Marburger Straße beginnen nach den Sommerferien und sollen Ende 2018 abgeschlossen sein. Im ersten Bauabschnitt, der bis zum kommenden Frühjahr andauern soll, ist die Erneuerung und Umgestaltung des Bereichs von der Schubertstraße bis „Auf der Heide“ vorgesehen.

 von TIll Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr