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Projekte im Wert von einer Milliarde Euro gestemmt

Willi Kunze Projekte im Wert von einer Milliarde Euro gestemmt

Willi Kunze, langjähriger Leiter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen und jetziger Regional-Bevollmächtigter Westhessen von Hessen Mobil, hört auf.

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Willi Kunze räumt sein Büro, er geht mit 64 Jahren in den Ruhestand.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „32 Jahre habe ich ohne Hessen Mobil gelebt, 32 Jahre mit Hessen Mobil. Ich würde mich über weitere 32 Jahre im Ruhestand freuen.“ - So einfach kann eine Lebensplanung aussehen. Und sie stammt von einem echten Planungsfachmann: Willi Kunze, bis dato Regional-Bevollmächtigter Westhessen von Hessen Mobil. Vielen ist er vielleicht noch besser bekannt als Projektmanager und Leiter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen Marburg, das 2012 in Hessen Mobil überging.

Als Kunze nach einigen Jahren Tätigkeit in der freien Wirtschaft 1985 von Aachen nach Marburg kam und seine berufliche Karriere beim damaligen hessischen Straßenbauamt anging, fand er im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine wahre Spielwiese für Planer vor. Wobei Spielwiese auf Kunze bezogen definitiv das falsche Wort ist. Rumspielen war seine Sache nicht, er versuchte, zielgerichtet Lösungen zu finden. „Es mag Planer geben, die es toll finden, endlos verschiedene Trassen auf ihre Vor- und Nachteile zu untersuchen, ich habe mich nach dem Vergleich unterschiedlicher Varianten immer dafür eingesetzt, sich schnellstmöglich auf die eine zu konzentrieren, die am meisten Sinn macht, damit auch gebaut werden kann.“ Doch musste auch er zur Kenntnis nehmen, dass Straßenplanung kein schnelles Geschäft ist. Aber eins, das richtig fordert. Und die Herausforderungen im Landkreis lagen damals quasi hinter fast jeder Kurve. Ja, es gab richtig was zu tun im Landkreis Marburg-Biedenkopf: Neben unzähligen kleineren Projekten sind da zu nennen die Ortsumgehungen für Biedenkopf und Wallau, die berühmte „Wi-Ra-Ro-Ortsumgehung auf der L 3048 für die Dörfer Wittelsberg, Rauischholzhausen und Roßdorf, der Teil- und anschließend der Lückenschluss der B 3 in Fronhausen und Weimar, die B-255-Ortsumgehung für Ober- und Niederweimar, die B 252 neu in den Kommunen Lahntal, Wetter und Münchhausen, die A 49 und die Tieferlegung der B 454 in Stadtallendorf. Dazu kommen zahlreiche Ausgleichsprojekte, von denen die Schaffung der Par Allna mitsamt der Zeiteninsel bei Argenstein, auf der das Freilichtmuseum entstehen wird, die Herrichtung von „das Arlle“ bei Roßdorf, wo ganz aktuell die ersten Wasserbüffel eingezogen sind, die Radenhäuser Lache und die Gestaltung der Lahn-Ohm-Mündung hervorstechen. Und Kunze war auch am Siegeszug von Kreiseln im Landkreis stark beteiligt. „Eine gute Lösung zur Vermeidung von schweren Unfällen“, sagt er. 2002 waren sage und schreibe 31 Kreisel in Planung und alle wurden umgesetzt. In puncto Unfallvermeidung fällt Kunze aber auch der Umbau der berüchtigten Allnaer Senke auf der B 255 zwischen Oberweimar und Gladenbach ein. Dort entstand ein Brückenbauwerk, das sicherlich vielen Menschen das Leben gerettet hat, weil die gefährliche Kreuzung damit wegfiel.

Ach, und dann waren da noch einige Radwege, die in den vergangenen drei Jahrzehnten entstanden sind und das Radwegenetz im Kreis, nicht zuletzt wegen den Anbindungen zu überregionalen Radwegen, attraktiv gemacht haben. „Ich habe vor kurzem mit Kollegen mal zusammengefasst, dass wir insgesamt für eine Milliarde Euro Baurecht geschaffen haben und in etwa die gleiche Summe auch verbaut haben“, sagt Kunze.

„Hatte echte Teams in Marburg und Wiesbaden“

Seine Entscheidung, Beamter und Straßenplaner zu werden, hat Kunze nicht einen Tag lang bereut. „Es war damals die richtige Entscheidung“, sagt er. Dabei hat er in seinem langen Berufsleben viele unterschiedliche Menschen kennengelernt. Wichtig war es ihm immer, im direkten Arbeitsumfeld eine gute Atmosphäre zu schaffen. „Ich hatte in Marburg wie auch in Wiesbaden, wo ich zwischen 2006 und 2010 Amtsleiter war, gute Mitarbeiter, echte Teams.“ Darüber hinaus lernte er besondere Menschen kennen, wie etwa Claudia Schmitt, die Sprecherin der Initiative für den Lückenschluss der B3 in Weimar. „Das war ein tolles Miteinander, wie man es sich nicht besser vorstellen kann.“ Auch der Politiker Ernst-Ludwig Wagner sowie Peter Donath und Eckart Richter sind ihm noch sehr positiv in Erinnerung.

Und wenn er einmal bei Namen ist, dann möchte er in der Kategorie „Best of“ noch seine früheren Chefs Paul Stute und Walter Lüders sowie ehemalige Mitstreiter wie Werner Detsch, Ralf Schneider, Heinz Wilhelm Waßmuth und seinen langjährigen Weggefährten Karl-Friedrich Friauf nennen wie auch seine Frau Gerda, die seinerzeit zuständig war für den Grunderwerb für den B-3-Lückenschluss. Eins ist mal sicher, Willi Kunze hat als Planer bestens vorgesorgt, mit dem Eintritt in den Ruhestand stehen viele neue Herausforderungen an.

von Götz Schaub

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