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Professor diagnostiziert Cyberkrankheit

Vortrag von Manfred Spitzer Professor diagnostiziert Cyberkrankheit

Computer schaden Kindern mehr als sie nutzen, meint der Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer aus Ulm. Seine kontroversen Thesen stellt er bei einem Vortrag am Donnerstag kommender Woche in Marburg vor.

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Ein dreijähriges Mädchen spielt in Frankfurt mit einem Tablet-Computer. Dabei blickt Sie auf ihr eigenes Gesicht, welches zuvor mit der integrierten Kamera des Gerätes aufgenommen wurde.

Quelle: Boris Roessler (Archiv)

Marburg. „Risiken und Nebenwirkungen digitaler Informationstechnik bei Kindern und Jugendlichen“: Das ist der Titel des Vortrags von Professor Manfred Spitzer, den er am Donnerstag, 19. Januar, ab 17 Uhr im Hörsaal der Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie hält. Eingeladen wurde Spitzer im Rahmen des Psychiatrisch-Psychotherapeutischen Kolloquiums. Und so richtet sich sein Vortrag zwar in erster Linie an Wissenschaftler.

Doch auch für Eltern könnte der Vortrag interessant sein, meint Professor Tilo Kircher, Direktor der Marburger Uni-Klinik für Psychiatrie. Denn der nach Marburg eingeladene Referent beherrsche es gut, seine Thesen allgemeinverständlich vorzutragen. Spitzer vereint zwei Talente in einem: er ist einerseits als ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Uni-Klinik in Ulm und Leiter des dort angesiedelten Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen ein anerkannter Forscher.

Andererseits schafft er es, in populärwissenschaftlichen Vorträgen und Büchern sein Fachgebiet anschaulich darzustellen. Und so schlägt der Psychiatrie-Professor aus Baden-Württemberg Alarm, was das Medien-Nutzungsverhalten von deutschen Schülern angeht. ­Bereits seit einigen Jahren warnt Spitzer vor dem zunehmenden Konsum elektronischer Medien durch Kinder und Jugendliche. Der Wissenschaftler kritisiert, dass der übermäßige Digitalkonsum zu Lasten des eigenen ­aktiven Lernens gehe. In seinem Buch „Digitale Demenz“ plädiert der Psychiater ausdrücklich dagegen, die Computerspiel-Pädagogik zu fördern und allen Schülern Notebooks zur Verfügung zu stellen. Und Spitzer geht noch weiter: In seinem Buch „Cyberkrank: Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert“ ­diagnostiziert er, dass sich im Umgang mit den digitalen Medien verschiedene Facetten einer modernen Zivilisa­tionskrankheit herausbilden, wie beispielsweise Online-Sucht.

„Wir werden cyberkrank, wenn wir den digitalen Medien die Kontrolle aller Lebensbereiche überantworten, stundenlang Online-Games spielen und in sozialen Netzwerken unterwegs sind“, erläutert Spitzer. Stress, Empathieverlust, Depressionen sowie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen seien die Folgen. Kinder würden zudem in ihrer­ Bewegungs- und Wahrnehmungsfähigkeit geschädigt. Zudem macht der Forscher Computersucht, Internetkriminalität und Mobbing als weitere Problempunkte des digitalen Zeitalters aus. Spitzer informiert in seinem Buch über seiner Ansicht nach alarmierende Krankheitsmuster. Er warnt vor den Gesundheitsgefahren der digitalen Technik und erklärt, wie wir uns davor schützen können. So wirbt er dafür, dass Schülern ein vermehrtes Maß von Medienkompetenz vermittelt wird.

von Manfred Hitzeroth

Zur Person
Manfred Spitzer ( Foto: Uniklinik Ulm) studierte Medizin, Psychologie und Philosophie in Freiburg, wo er sich auch zum Psychiater weiterbildete und 1989 die Habilitation für das Fach Psychiatrie erlangte. Er war von 1990 bis 1997 als Oberarzt an der Psychiatrischen Uni-Klinik Heidelberg tätig. Zwei Gastprofessuren an der Harvard-Universität und ein Forschungsaufenthalt in Oregon­ prägten seinen Forschungsschwerpunkt im Grenzbereich der kognitiven Neurowissenschaft und Psychiatrie. Seit 1997 hat er den Lehrstuhl für Psychiatrie der Universität Ulm inne und leitet die Psych­iatrische Universitätsklinik Ulm.
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