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Premiere: Online-Debatte über Verkehr

Nordstadt-Konzept Premiere: Online-Debatte über Verkehr

Die Veranstaltung ist auch eine Nagelprobe für die Politik in der Stadt: Welchen Einfluss können Bürger auf wichtige Entscheidungen für die Stadtentwicklung nehmen?

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Die Elisabethstraße in Marburg: Seit Jahren Zankapfel in der Kommunalpolitik. Jetzt sollen die Bürger bei einem Verkehrskonzept für das Nordviertel mitreden.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Auch in Zukunft sollen die Innenstädte mit dem eigenen Auto befahrbar bleiben. Das zeigt eine europaweite, repräsentative Befragung im Auftrag des Online-Automarkts AutoScout24, die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführt wurde. Laut Studie wünscht sich die Hälfte der Deutschen (48 Prozent), dass die Innenstädte auch in Zukunft allen Fahrzeugen offen stehen. Europaweit plädieren 36 Prozent der Befragten dafür.

Und noch ein wichtiges Ergebnis: Unter den befragten Europäern ist den Deutschen die unbeschränkte Zufahrt zu den Zentren am wichtigsten. Die autofreie Innenstadt ist nur für 27 Prozent hierzulande erstrebenswert, in Europa sind es immerhin 36 Prozent. Für einen Kompromiss plädieren 28 Prozent der Europäer und 25 Prozent der Deutschen: Sie möchten in Zukunft nur speziell für die Stadt entwickelten Fahrzeugen die Zufahrt gewähren.

Straßenverkehr an Kapazitätsgrenze

Andererseits geben 84 Prozent der deutschen Befragten an, ihnen sei beim Automobil der Zukunft Umweltschutz und Nachhaltigkeit wichtig. Für viele Politiker steht ohnehin eines fest: Wenn Umwelt- und Lebensqualität im städtischen Raum erhalten oder gar gesteigert werden soll, müssen neue Lösungen her. Der Straßenverkehr hat - auch in Marburg - seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Das sind die äußeren Bedingungen, unter denen in diesem Jahr verstärkt über ein Verkehrskonzept für das Nordviertel nachgedacht werden soll. Der Magistrat hat den Entwicklungsprozess eng mit dem Thema Bürgerbeteiligung verknüpft: Hoch strittige Fragen wie die im Raum stehende Sperrung der Elisabethstraße können nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden.

Nach einem ersten Informationsgespräch im Oktober soll nun als nächster Schritt ein „Werkstattgespräch“ folgen. Am Samstag, 26. Januar, sind alle Marburgerinnen und Marburger eingeladen, sich im Stadtverordnetensitzungssaal Gedanken um den Verkehr im Nordviertel zu machen. Am Schluss des Prozesses soll ein Verkehrskonzept in der Nordstadt - von der Bahnhofstraße bis zur Biegenstraße den Pilgrimstein - stehen.

AGs zu Stadtbild undAufenthaltsqualität

In drei Arbeitsgruppen sollen die Teilnehmer die ThemenStadtbild/Umfeld, Nutzungen/Funktionen sowie Aufenthaltsqualität beantworten. Dabei geht es um Fragen wie

  • Welche großräumigen Wegebeziehungen (MIV, ÖV, Fuß- und Radverkehr) bestehen zwischen der Nordstadt, der Altstadt und den Randbezirken?
  • Welche Wegebeziehungen zwischen der Universität sowie den universitären Einrichtungen in der Nordstadt bestehen oder müssen Berücksichtigung finden?
  • Welche Bedarfe des Einzelhandels, der Dienstleister und der Anlieger (Individualverkehr. Öffentlicher Verkehr, Parken) sind zu berücksichtigen?
  • Wie können die gestalterischen und historischen Ansprüche bei der verkehrlichen Konzeption berücksichtigt werden?
  • Welche Gesichtspunkte sind bei der verkehrlichen Gestaltung des Umfeldes der Elisabethkirche zu beachten?

Das Werkstattgespräch wird zu Beginn sowie am Ende mit einer Webcam übertragen, sodass die Bürgerinnen und Bürger Marburgs auch von zu Hause aus die Diskussionen verfolgen können. Darüber hinaus können auch über das Internet Fragen zu den jeweiligen Themen eingebracht werden. Als nächster Schritt ist etwa Mitte Februar eine Online-Diskussion mit Oberbürgermeister Egon Vaupel, Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Bau- und Verkehrsfachleuten geplant.

Hauptsorge sind die vielen Baustellen

Bei einer OP-Befragung am Freitag im Nordviertel wurde deutlich, dass keiner der Befragten gänzlich auf eine Zufahrt zur Innenstadt verzichten möchte. Und: Mindestens ebenso sehr wie die Frage nach der künftigen Verkehrsführung in Marburg bewegt die Menschen die hohe Anzahl an Baustellen in Marburg.

Gerhard Vogler (57): Das hohe Verkehrsaufkommen ist doch völlig normal, schließlich ist es die Hauptverbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt, das ist in Gießen oder Wetzlar auch nicht besser. Eine Schließung der Elisabethstraße halte ich für unnötig. Damit werden die Probleme nicht beseitigt sondern nur auf andere Strecken verlagert.

Walter Kegel (39): Die ständigen Staus sind doch hauptsächlich durch die Politik verursacht. Gäbe es nicht so viele gleichzeitige Baustellen, hätten wir auch keine Verkehrsprobleme. Wenn neben den Parkplätzen jetzt auch noch Straßen geschlossen werden, können wir direkt eine autofreie Zone einrichten, das will doch keiner.

Silke Gerber (33): Die aktuelle Situation ist eine Katastrophe. Mal eben kurz einkaufen fahren geht überhaupt nicht mehr. Das liegt aber vorallem an den unzähligen Baustellen.

Ingo Wachtel (31): Wir leben nunmal in einer Stadt, da ist es doch völlig normal, dass es zu gewissen Zeiten Verkehrsprobleme gibt.Eine Schließung der Elisabethstraße halte ich nicht für zielführend, vielmehr sollte die Verteilung der Baustellen überdacht werden.

Josef Rößler (60): Ich glaube die schlechte Verkehrssituation in der Nordstadt wird bewusst herbeigeführt. Wer ständig neue Baustellen aufmacht und Parkplätze streicht, weiß genau welche Folgen das hat. Vermutlich sollen die Bürger so zur Unterstützung anderer Projekte, wie dem Seilbahnbau oder ähnlichem gedrängt werden.

Tanja Schickhardt und Lisa Schüssler (beide 39): Das Problem mit dem stockenden Verkehr ist doch nicht neu. Man weiß doch von vorneherein, dass das Einkaufen in der Stadt länger dauert, dann muss man diese Zeit halt einplanen. Sollte die Elisabethstraße geschlossen werden, werden die Nebenstrecken überlastet, das bringt doch nichts.

von Till Conrad und Christian Schmitt

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