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Preis als Zeugnis des Mitgefühls und Ermutigung

Friedens-und Konfliktforschung Preis als Zeugnis des Mitgefühls und Ermutigung

Zum fünften Mal wurde am Freitag in der Alten Aula der Universität der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung an der Uni Marburg verliehen.

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Dr. Peter Becker (von links) und die Preisträger Dr. Rama Mani, Nina Winkler sowie Professor Andreas Buro und Martin Singe (beide Komitee für Grundrechte und Demokratie). Foto: Hitzeroth

Marburg. Alle zwei Jahre wird der von dem Marburger Rechtsanwalt Dr. Peter Becker gestiftete und mit 10000 Euro dotierte Preis von der Marburger Universität verliehen. Prämiert werden damit vor allem Forscher, die die wissenschaftliche Beschäftigung mit Friedens- und Konfliktthemen mit der praktischen Umsetzung ihrer Erkenntnisse verbinden.

Der von Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne in der Alten Aula vergebene Hauptpreis wurde in diesem Jahr geteilt, außerdem gab es einen mit 1000 Euro dotierten Nachwuchspreis. Begeistert äußerte sich die Preisträgerin Dr. Rama Mani aus Indien über das persönliche Engagement des Stifters Peter Becker. Dieser setze sich nicht nur als respektierter Anwalt für das Thema nukleare Abrüstung ab, sondern investiere durch die Preisstiftung auch noch in erheblichem Maße Geld, das der Friedens- und Konfliktforschung zugutekomme. Für die Prämierten bedeute dieses Preisgeld auch eine große Ermutigung, sich weiter für die Friedensarbeit einzusetzen, sagte Mani. Es sei zudem ein Zeichen der Solidarität für die Opfer von Krieg und Gewalt auf der ganzen Welt. „Die 5000 Euro Preisgeld stehen für 5000 Schultern, auf die sich jene stützen können, die für Frieden und Gerechtigkeit arbeiten. Es sind 5000 Zeugnisse des Mitgefühls für die Opfer, die oft erleben, dass ihr Leiden nicht gesehen oder gehört wird. Es sind 5000 Funken der Ermutigung für jene, die einen Weg aus der Verzweiflung suchen. Und es sind 5000 Saatkörner des Mutes für die Gärtner des Friedens und der Gerechtigkeit. Jedes einzelne Saatkorn, das Sie säen, wird zu einem Baum heranwachsen, und daraus werden ganze Wälder werden“, sagte Preisträgerin Rama Mani. In den Mittelpunkt ihrer Dankesrede stellte Mani exemplarisch die Biographien von vier Persönlichkeiten, die sich in Indien, Neuseeland, im Senegal und in Palästina mit außergewöhnlichen Projekten für die Aussöhnung nach kriegerischen Konflikten und die Opferhilfe einsetzen. Mit ihrer emotionsgeladenen und mitreißenden Rede machte Mani aber auch deutlich, dass Friedensarbeit auch mit Kreativität und Aufbruchsstimmung verbunden ist. „Es gibt auch schlimme Themen, und wir fühlen uns oft traurig. Aber es gibt auch Raum für Fröhlichkeit“, sagte die Inderin. Sie ist eine international renommierte Expertin auf den Gebieten Friedens- und Konfliktforschung, Internationales Recht und Internationale Beziehungen. Die Wissenschaftlerin setzt sich bereits seit Beginn ihres akademischen Werdegangs für die Verbindung und gegenseitige Bereicherung von praktischer Friedensarbeit und Friedensforschung ein.

Der zweite Hauptpreis ging an das Komitee für Grundrechte und Demokratie, das im Jahr 1980 gegründet wurde. „Das Komitee arbeitet mit der Kraft der Argumente gegen Krieg, Ungerechtigkeit und Unterdrückung“, sagte Reiner Braun vom Internationalen Friedensbüro (Berlin) in seiner Lobrede . Projekte wie Ferienbegegnungen mit Jugendlichen aus Kriegs- und Spannungsgebieten unter dem Titel „Ferien vom Krieg“, oder auch die Entsendung von Beobachtern zu Schauplätzen möglicher Menschenrechtsverletzungen zeugen vom Engagement des Komitees. Stellvertretend für das Komitee nahmen Professor Andreas Buro und Martin Singe den Preis entgegen.

„Krieg ist, wenn Kinder gezwungen werden, ihre eigenen Eltern mit Macheten zu ermorden und ihre Dörfer zu verbrennen“, sagte die Nachwuchspreisträgerin Nina Winkler. Die Psychologin arbeitete in Uganda mit Kriegsüberlebenden und ehemaligen Kindersoldaten in der Traumatherapie. „Trauma hängt mit Versöhnungsprozessen und Konflikttransformation in Nachkriegsgesellschaften eng zusammen. Trauma-fokussierte Psychotherapie muss aber in Friedensarbeit auf gesellschaftlicher Ebene eingebettet werden“, erklärte Winkler.

von Manfred Hitzeroth

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