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Postgebäude gilt als Baudenkmal

Marburg Postgebäude gilt als Baudenkmal

Seit 2007 steht das ehemalige Marburger Postamt in der Zimmermannstraße unter Denkmalschutz.

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Das Gebäude der ehemaligen Marburger Hauptpost an der Zimmermannstraße liegt direkt an der Marburger Stadtautobahn und wird immer noch durch die Deutsche Post AG genutzt.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Wenn man von Richtung Norden aus auf der Stadtautobahn nach Marburg fährt, sieht man auf der rechten Seite schon von weitem die Rückseite des Marburger Landgrafenschlosses, eines unbestrittenen architektonischen Juwels. Kurz vor dem Hauptbahnhof ist auf der linken Seite zunächst das Arbeitsamts-Gebäude und kurz danach das Gebäude der ehemaligen Marburger Hauptpost zu erkennen. Beide Bauten sind massiv und wuchtig – das Postgebäude gilt seit dem 27. Juli 2007 offiziell als Baudenkmal, wie der Postverwaltung an diesem Tag auf Anfrage vom Landesamt für Denkmalpflege bescheinigt wurde.

Das Postgebäude lässt eine klare Architektur der späten Sichtbeton-Phase erkennen“, erklärt Landeskonservator Udo Baumann (Marburg) vom Landesamt für Denkmalpflege, wieso er es als denkmalschutzwürdig erachtet. Unter anderem wegen der Dachaufbauten erinnert das von dem Architekten Johannes Möhrle errichtete Gebäude Udo Baumann an Bauten des weltberühmten französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier, der unter anderem mit einem Wohnhaus in Marseille und einem Kloster bei Lyon eine neue Art der Architektur schuf.

Das Postgebäude unter Denkmalschutz? Nicht alle Bewohner der Stadt und des Kreises halten die Post für einen schönen Bau. Manche denken sogar, dass sie ein hässlicher Betonbau ist. Im Gespräch mit der OP räumte Baumann ein, dass ein Großteil der Marburger dem Gebäude wohl zunächst eher ablehnend gegenüberstehe. „Der Gewöhnungseffekt muss noch kommen“, weiß Baumann. Neben dem ersten Eindruck, der eine klare Gliederung der Fassade zeige, begeistert den Denkmalpfleger auch das „ganzheitliche Konzept“ bei der Gestaltung der Innenräume.

In einem Aufsatz in der Ausgabe „2/2009“ der Zeitschrift „Denkmalpflege & Kulturgeschichte“ analysiert Rolf Both die Baugeschichte des Marburger Postamts. Demnach wurde der Bau seit 1965 geplant; gebaut wurde in den Jahren 1973 bis 1976. Als bauliche Anregung dienten dem Architekten Johannes Möhrle ähnliche Bauten aus den Niederlanden und der Schweiz. Auch bei diesen Bauten wurde wie beim Marburger Postamt Beton unverputzt als tragendes Material für Mauern, Decken und Stützen verwendet. Diese Art der Bauarchitektur nennt man in Fachkreisen auch „Betonbrutalismus“. Aus Sicht von Rolf Bothe ist dem Architekten mit dem Bau des Postamtes ein „unverwechselbares Zeugnis der 70er Jahre, von dem es nur wenige Beispiele in ähnlicher Qualität gibt“, gelungen.

„Das Marburger Postamt ist mit einer Betriebsfläche von 8.600 Quadratmetern, einer Werkstatt für Kraftfahrzeuge und einem separat stehenden Wohnhaus die größte und aufwändigste Anlage unter Möhrles Postgebäuden“, schreibt Bothe. Das im Jahr 1976 errichtete Postgebäude wird immer noch von der Deutschen Post – vor allem für Verwaltungszwecke – genutzt. Falls die Idee aufkommen würde, das Gebäude abzureißen, dann könnte das nur mit einem Einverständnis aller für den Denkmalschutz relevanten Institutionen geschehen. Aber auch alle anderen Eingriffe in die Bausubstanz können seit Ende Juli 2007 nur mit Zustimmung der Denkmalschutzbehörden erfolgen.

In Marburg gibt es derzeit mehr als 1.000 Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Rund 800 dieser Bauten sind in der Oberstadt und im Südviertel gelegen, erläuterte Michael Bender von der Unteren Denkmalschutzbehörde der OP auf Anfrage. Damit ist Marburg wohl die Stadt mit den meisten denkmalgeschützten Gebäuden in Hessen.

von Manfred Hitzeroth

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