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Positive Erwartung hilft Bypass-Patienten

Placebo-Effekt Positive Erwartung hilft Bypass-Patienten

Ein Placebo-Effekt verbessert die Erholung von Patienten nach einer Herzoperation. Das hat ein Team um den Psychologie-Professor Winfried Rief und den Herzchirurgen Professor Rainer Moosdorf herausgefunden..

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Marburg. Professor Winfried Rief und Professor Moosdorf von der Philipps-Universität Marburg berichten über die Ergebnisse ihrer gemeinsame Forschung in der Fachzeitschrift „BMC Medicine“: Erhielten die Betroffenen psychologische Betreuung, um ihre Erwartungen an eine rasche Genesung zu erhöhen, so erholten sie sich nach einem Eingriff am Herzen besser als andere, die keine Unterstützung bekamen.

Placebo-Effekte beeinflussen oftmals den Erfolg einer medizinischen Behandlung. Zu ­diesen Placebo-Effekten tragen insbesondere die Erwartungen bei, die Patienten an die Wirksamkeit und das Ergebnis einer Therapie haben. „Das Ziel unserer Studie besteht darin, diese ­Erwartungen zu optimieren, um das Ergebnis von Bypass-Operationen am Herzen zu verbessern“, schreiben die Autoren.

In Marburg arbeitete das Team von Rief am Marburger Uni-Klinikum in einem konkreten Forschungsprojekt mit den Herzchirurgen unter Leitung von Professor Rainer Moosdorf zusammen. Dabei wurde die psychologische Begleitung bei schweren chirur­gischen Eingriffen am Herzen wie dem Einsatz von Bypässen getestet. Gezielt wurde dabei mit den Patienten über positive persönliche Zukunftsvisionen nach einer solchen Operation­ geredet. Die psychologische ­Betreuung zielte darauf ab, den positiven Effekt und die Chancen der OP in den Vordergrund zu rücken. Das Ergebnis des Forschungsprojektes ist vielversprechend: Die Patienten, bei denen ein positives psychisches Umfeld vorbereitet wurde, waren sechs Monate nach einer Herz-Operation gesundheitlich deutlich stabiler, berichtet Rief. Wichtig sei dabei jedoch eine fokussierte und professionelle psychologische Begleitung der Patienten. Nach Angaben von Rief und Moosdorf war es das erste Mal, dass der Placebo-Effekt in der Herzchirurgie mittels einer kontrollierten wissenschaftlichen Studie untersucht wurde.

Für die Studie teilten die Forscher 124 Patienten in drei Gruppen ein: Die „Erwartungsgruppe“ erhielt psychologische Unterstützung von einem Therapeuten, der speziell darauf abzielte, die Erwartungen an die Wiederherstellung nach der Operation zu erhöhen. Die „Unterstützungsgruppe“ verbrachte ebenso viel Zeit mit dem Therapeuten, diskutierte die eigenen Erwartungen aber nicht. Die Kontrollgruppe schließlich erhielt keine zusätzliche psychologische Unterstützung. Vor der Operation sowie sechs Monate­ danach erhoben die beteiligten Wissenschaftler Daten über das geistige Wohlbefinden, die ­gesundheitlichen Beschwerden, die Arbeitsfähigkeit und die körperliche Aktivität der Betroffenen. Die Mitglieder der Erwartungsgruppe machten spezielle Übungen, um die Erwartungen an ihre Gesundung zu erhöhen. So wurden die Patienten gebeten, zu erklären, was sie nach der Operation erreichen wollen, wie sie sich zu erholen gedenken und wie sie in ein normales Leben zurückkehren können. Der Therapeut half dabei, personalisierte Pläne zu erstellen, wie jeder und jede Einzelne diese Ziele erreichen kann, und die Patienten durften nach der Sitzung alle Notizen mitnehmen.

Professor Rief arbeitet zusammen mit Kollegen aus Essen,­ Hamburg und München in ­einer Forschergruppe. Gegründet wurde die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft­ (DFG) geförderte Gruppe 2010, mit dem Ziel, die neuronalen und psychischen Wirkmechanismen von Placebos - also Medikamenten ohne eine konkrete pharmakologische Wirkung - bei unterschiedlichen Krankheitsbildern nachzuweisen. In den ersten drei Jahren der Förderphase wurde das Projekt mit 2,8 Millionen Euro ­finanziert. Seit 2013 lief eine zweite Förderphase. Ziel war es, die am Placebo-Effekt beteiligten Mechanismen auf klinische Anwendungsfelder zu übertragen.

von Manfred Hitzeroth

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