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Portal Gisselberg öffnet heute Pforten

Anlaufstelle für Flüchtlinge Portal Gisselberg öffnet heute Pforten

Am Samstag stellten Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz die neue soziale Anlaufstelle im Marburger Stadtteil Gisselberg vor.

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Flüchtlings-Koordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz (von links), Gisselbergs Ortsvorsteher Gernot Günther, Oberbürgermeister
Dr. Thomas Spies und Manuela Trubel von der Kleiderspende eröffneten das Flüchtlingsportal. Foto: Marcus Hergenhan

Marburg. Am vergangenen Samstag stellten Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) und die Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz in der Gießener Straße 13 die neue soziale Anlaufstelle „Portal Gisselberg“ vor. Diese wird den Betrieb am 18. Januar aufnehmen und bietet neben der bereits gut ausgebauten Kleiderspende von nun an ein breites Angebot für Flüchtlinge: von Alphabetisierungs- und Deutschkursen über Handarbeitslehrgänge bis hin zu psychosozialer Betreuung.

„Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir so viel ehrenamtliche Unterstützung haben, insgesamt sind es 1500 freiwillige Helfer, die all dies ermöglichen“, so Fleck-Delnavaz. Gerade die psychosoziale Betreuung der oft schwer traumatisierten Kriegsflüchtlinge fordert den Helfern dabei vieles ab; hier riet die Flüchtlingskoordinatorin zu einem gewissen Maß an Distanz. Besonders für die vielen minderjährigen Asylsuchenden ist das ehrenamtliche Engagement wichtig, denn formal müssen diese sechs Monate warten, bevor sie auf Schulen verteilt werden können. Sind Asylsuchende erst einmal anerkannt, werden weiterführende Integrationskurse für alle Altersstufen verpflichtend.

Die meisten der rund 200 Besucher der Veranstaltung begegneten den anstehenden Herausforderungen mit Zuversicht und Hilfsbereitschaft, so dass sich viele Anmerkungen mit den Möglichkeiten der besseren Integration und Verteilung beschäftigten. „Ich habe als ehrenamtlicher Lehrer vor allem große Dankbarkeit erlebt und hoffe, dass wir bald dahin kommen, dass Erstaufnahmeeinrichtungen ohne Zäune auskommen“, sagte ein Bürger.

Es gab allerdings auch kritische Stimmen, welche auf die Risiken hinwiesen, die mit der demografischen Zusammensetzung in den Erstaufnahmeeinrichtungen einhergehen.

„Wir haben in Köln leider erlebt, dass es auch unter den Asylsuchenden, genauso wie bei uns, schwarze Schafe gibt, von daher würde ich schon gerne wissen, welche Vorkehrungen es gibt, wenn größere Gruppen aggressiv werden“, sagte ein Bürger.

Ein Polizeibeamter merkte weiter an: „In Gießen sind sie mittlerweile so weit, dass eine Buslinie dort gar nicht mehr kontrolliert und letztlich von den Anwohnern nicht mehr genutzt werden kann.“

Dem hielt Fleck-Delnavaz entgegen: „Wir sind glücklicherweise mit unserem breiteren Angebot und den geringeren Belegzahlen in einer deutlich besseren Situation als Gießen, wir hatten bislang noch keine Vorfälle, weswegen es auch noch keinen Grund gab, über Vorkehrungen nachzudenken.“

Busverkehr von Cappelnach Gisselberg

Oberbürgermeister Thomas Spies ergänzte: „Wir hatten und haben immer dann Probleme, wenn Menschen sich nicht eingebunden gefühlt haben, mitunter leider auch in der zweiten Generation. Wir sind dabei die Starken, die mit den Mitteln, und ich denke eben weil wir es hier besser machen, gibt es bislang keine Probleme.“

Einen Vorteil hat das neue Portal in jedem Fall für die Gisselberger: Um den ansteigenden Verwaltungsaufwand bearbeiten zu können, wird der Marburger Stadtteil ab März mit einer besseren Internetanbindung für alle rechnen können.

Der ehemalige Ortsvorsteher Hans-Dieter Elmshäuser merkte dabei an: „Wäre schön, wenn es dann endlich auch mit der Anbindung an den Stadtbus klappen würde.“

Um das neue Flüchtlingsportal in Gisselberg gut an das Erstaufnahmelager in Cappel anzubinden, hat die Stadt insgesamt vier Fahrten mit einem entsprechenden Bus für 50 Personen eingerichtet. Die Abfahrtszeiten sind morgens um 8.30 Uhr und 9 Uhr (Rückfahrt 12 Uhr bzw. 12.30 Uhr) und nachmittags um 13.30 Uhr und 14 Uhr (Rückfahrt 16.50 Uhr bzw. 17.20 Uhr). Darüber hinaus dürfen die Flüchtlinge auch den normalen Busverkehr weiterhin nutzen. Der Feldweg von 2,5 Kilometern Länge, welcher beide Stationen miteinander verbindet und ausdrücklich nicht mit dem Auto zu befahren ist, wird nun extra ausgeschildert sein.

Weil mehrfach Bedenken geäußert wurden, dass große Gruppen junger Männer vom Erstaufnahmelager diesen Weg nutzen würden und es dort im Sommer eventuell zu Übergriffen auf joggende junge Frauen kommen könnte, kündigte der Oberbürgermeister an, die Strecke vom Ordnungsamt kontrollieren zu lassen.

von Marcus Hergenhan

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