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Pornobild an Zwölfjährigen verschickt

Beim Sex fotografiert Pornobild an Zwölfjährigen verschickt

Urteil am Amtsgericht: Weil er ein pornografisches Foto seiner damals minderjährigen Freundin gezielt ihrem zwölfjährigen Bruder geschickt hat, muss ein heute 21-jährige Marburger 1500 Euro Strafe zahlen.

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Ein heute 21-Jähriger hat seine minderjährige Freundin beim Sex fotografiert und das Bild weitergeschickt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Angeklagte und die heute 18-jährige Zeugin führten zweieinhalb Jahre eine Beziehung, in der sie zeitweise zusammen und dann wieder getrennt waren.

Nach der endgültigen Trennung wollte die junge Frau gemeinsam mit ihrem neuen Freund ihre Sachen bei dem Angeklagten abholen. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung und der wegen Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte ohrfeigte sie und zog sie an den Haaren. Während der Beziehung machte der junge Mann zudem ein Foto von seiner damals minderjährigen Freundin beim Oralverkehr.

Nach der Trennung und folgenden Streits verschickte er das Foto von seinem Handy aus an den zwölfjährigen Bruder seiner Ex. Laut eigener Aussage tat der Angeklagte dies mit dem Gedanken, dass der Junge es den Eltern zeigt, „damit sie sehen, wie ihre Tochter drauf ist“.

„Das ist alles andere als witzig“, sagte Richter Cai Adrian Boesken. Auf seine Nachfrage hin beschreibt die junge Frau, die als Zeugin geladen war, dass diese Aktion keine Auswirkung auf den Bruder oder ihr Verhältnis zueinander hat.
Dennoch warnt Boesken, dass man solche Fotos nicht anderen zugänglich machen soll, denn „die Bilder können sonst wo erscheinen“.

Der Angeklagte war von Anfang an geständig und einsichtig: „Die Aktion war verkehrt.“ Er hat sich bereits vor der Verhandlung bei der Geschädigten entschuldigt und sie haben sich ausgesprochen. Ihr sei es nun peinlich, dass öffentlich darüber verhandelt wird.

Staatsanwaltschaft fordert „deutliche Sanktionen“

„Die Sache mit dem Bilderverschicken nimmt überhand“, merkt Direktor Boesken an und so liegt der Fokus des Urteils darauf und soll damit auch „generalpräventiv wirken“.

Der Staatsanwalt beschreibt die Taten des Angeklagten als „nicht tolerabel“. Zudem betont er, dass es Freiheitsstrafen geben kann, wenn man Kindern und Jugendlichen Pornografie zugänglich mache. Er fordert „deutliche Sanktionen“: 1500 Euro Strafe und eine Woche Dauerarrest.

Geurteilt wurde noch nach dem Jugendstrafrecht, da der Angeklagte zum Zeitpunkt der Taten 20 Jahre alt war und im „jugendtümlichen Eigensinn“ gehandelt hat, wie es Richter Boesken formuliert.

Er verhängte keinen Dauerarrest, da der junge Mann vor Kurzem einen neuen Job angenommen hat und ihm die Perspektive auf ein normales, geregeltes Arbeits- und Alltagsleben nicht genommen werden soll. Die Geldstrafe von 1500 Euro muss er an den Verein Dunkelziffer bezahlen, der sich um Opfer von sexuellen Übergriffen und Gewalt kümmert.

Der Vorsitzende Boesken weist den 21-Jährigen ausdrücklich darauf hin, dass er alle derartigen Bilder von seiner Ex-Freundin löschen muss und dass so etwas nicht noch mal vorkommen soll.

von Lisa Scholz

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