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Polizisten außer Dienst fassen zwei Taschendiebe

Aus dem Amtsgericht Polizisten außer Dienst fassen zwei Taschendiebe

Die beiden Männer mussten sich wegen des Diebstahls einer Reisetasche vor dem Amtsgericht Marburg unter dem Vorsitz von Richterin Katharina Blumentritt verantworten.

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Zwei Männer hatten eine Frau in einem Regionalexpress bestohlen. Dafür standen sie nun vor Gericht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die beiden 27 und 25 Jahre alten alleinstehenden Angeklagten aus Gießen waren in Neustadt ausgestiegen, wobei der jüngere zuvor beiläufig die Tasche, die auch als Rollkoffer fungierte, mitgehen ließ. Auf dem Bahnsteig kamen ihnen zwei Polizisten entgegen, die zwar bereits außer Dienst waren, allerdings noch immer Dienstkleidung trugen.

„Uns fiel beiden schnell auf, dass die zwei Jungs sehr überrascht auf die Uniform reagierten und umgehend versuchten, das Gelände 
zu verlassen. Da wir von 
mehreren Diebstählen auf der Bahnstrecke Frankfurt – Kassel 
gehört hatten, beschlossen wir also, sie festzuhalten, um sie nach dem Koffer zu befragen,“ gab einer der beiden als Zeugen geladenen Polizisten an.

Zunächst fügten sich die Angeklagten den Anweisungen der Beamten widerstandslos und gaben an, die Tasche für einen Freund mitzuführen. Als aber bei der Durchsuchung plötzlich Damenkleidung und eine 
Schminktasche auftauchten, wurde beiden klar, dass der Diebstahl dadurch auffliegen könnte, sodass sie nach einer kurzen Absprache auf Arabisch versuchten, die Flucht zu ergreifen.

Während der Ältere von 
beiden sich losreißen konnte, ohne dass es zu weiteren Handgreiflichkeiten kam, endete die Auseinandersetzung des jüngeren mit dem anderen Polizisten 
am Boden. Dabei erlitt der 
Beamte durch heftige Bewegungen des Angeklagten drei 
Rippenbrüche.

Angeklagte waren bereits am Vortag aufgefallen

Bereits zu Beginn der Verhandlung hatte der jüngere Angeklagte die Tat weitestgehend eingeräumt und sich durch einen Übersetzer bei dem verletzten Polizisten entschuldigt, allerdings hatte er behauptet, vor der Tat stark alkoholisiert gewesen zu sein und den Mittäter kaum zu kennen.

Diese Aussage wirkte aber unwahrscheinlich, da beide Beschuldigte bereits einen Tag vor der Tat dabei erwischt worden waren, wie sie zusammen in der Herrentoilette eines Intercity-Zuges auf der gleichen Strecke versucht hatten, der Fahrkartenkontrolle zu entgehen. Zu diesem Zeitpunkt stand darüber hinaus eine weitere fremde Reisetasche vor der verriegelten Tür, deren Diebstahl allerdings nicht nachzuweisen war.

Auch die Behauptung des starken Alkoholkonsums wurde durch die glaubhaften Aussagen der Beamten widerlegt, beide Angeklagten hätten weder durch ihr Verhalten noch durch den Geruch irgendwelche entsprechenden Anzeichen gezeigt.


Der Staatsanwalt gelangte 
daher im Schlussplädoyer zu der Ansicht, dass die beiden 
Angeklagten erwerbsmäßig versucht hatten, sich durch die 
Tasche, in der sich immerhin ein Laptop im Wert von 400 Euro befand, dauerhaft zu bereichern.

Unbestreitbar sei auch, dass sie sich dem Zugriff der Beamten entziehen wollten und dabei Verletzungen in Kauf nahmen. Richterin Blumentritt verurteilte den eindeutig überführten Haupttäter zu sechs Monaten Haft auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 300 Euro. Im Falle des Komplizen beließ sie es bei einer Geldstrafe von 200 Euro.

von Marcus Hergenhan

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