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Polizei verzeichnet weniger Straftaten

Kriminalitätsstatistik Polizei verzeichnet weniger Straftaten

Nur knapp blieb die Zahl der registrierten Straftaten im Landkreis 2014 über 10000 - ein Tiefstand, wenn man die vergangenen zehn Jahre betrachtet. Einige spektakuläre Gewaltverbrechen beeinflussen dennoch das Sicherheitsempfinden.

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Marburg. Marburg. Mit 10009 registrierten Straftaten wurden im vergangenen Jahr „so wenig wie noch nie“ verzeichnet, resümiert die Polizeidirektion Marburg zufrieden, zumal die Aufklärungsquote seit Jahren stabil über 60 Prozent liegt.

Doch das sind Durchschnittszahlen quer über alle Verbrechensarten, die eine gewisse Aussagekraft erst im Vergleich und in der Betrachtung von einzelnen Aspekten der Kriminalstatistik entfalten, aber dies auch nicht immer.

Ein Beispiel: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) weist für den Landkreis im Vergleich zum Vorjahr 708 Straftaten weniger aus, das entspricht einem Minus von 6,6 Prozent. Betrachtet man den Bereich des Polizeipräsidiums (PP) Mittelhessen, zu dem neben Marburg-Biedenkopf auch noch die Kreise Gießen, Lahn-Dill und Wetterau gehören, zeigt sich auf den ersten Blick ein gegenläufiger Trend.

Mehr Straftaten in Mittelhessen

In ganz Mittelhessen stieg die Zahl der Straftaten insgesamt um 3755 Fälle (etwa 7 Prozent) auf 53395. Hauptverantwortlich sind dafür jedoch Delikte nach dem Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz, das waren 3974 Fälle mehr als 2013. Wenn ein Anfangsverdacht auf einen Einreise- oder Aufenthaltsverstoß vorliegt, werden diese unabhängig vom Ort der Einreise ins Bundesgebiet und des Aufenthaltes in der Gießener Kriminalstatistik geführt. Was bedeutet, dass ohne diese Fälle mittelhessenweit gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 219 auf 49421 Fälle zu Buche stünde.

Trotz des deutlichen Rückgangs der Gesamtzahlen im Landkreis (im Vergleich mit dem Jahr 2005 sogar um über 30 Prozent), nehme die Polizei auch die subjektive Bewertung der Situation durch die Bürger ernst.

„Obwohl die Zahlen der PKS so wenig Straftaten wie noch nie ausweisen, haben schwerwiegende und dramatische Vorfälle im vergangenen Jahr das ­Sicherheitsempfinden der Bürger im Landkreis beeinträchtigt.

Die Geschehnisse um das Asylantenheim in Wohratal, die schlimmen Kapitalverbrechen in Breidenbach, Stadtallendorf und Marburg, Vorfälle in der Marburger Oberstadt und die Brandserie mit dem Brand des Hochhauses am Richtsberg sind nicht vergessen und müssen in die Betrachtung des vergangenen Jahres mit einbezogen werden“, lässt sich Ralph-Dieter Brede, der Leiter der Polizeidirektion in einer Pressemitteilung der Marburger Polizei zitieren. Vor diesem Hintergrund sehe er die Gesamtentwicklung der Straftaten und sei gleichzeitig erfreut über die stabil über 60 Prozent liegende Aufklärungsquote“, so Brede weiter.

Aufklärung im Kreis unterdurchschnittlich

In der Aufklärungsquote liegt der heimische Kreis (60,2 Prozent) deutlich unter dem Mittelhessen-Schnitt von 63,9 Prozent. Das liegt allerdings unter anderem auch an der hohen Aufklärungsquote der in Gießen verzeichneten Aufenthaltsverstöße.

Nach wie vor gilt in der Regel: Je schwerer das Verbrechen, desto höher die Chance der Aufklärung. So wurden von der Polizei im Landkreis 92,4 Prozent aller Körperverletzungen aufgeklärt, 85 Prozent aller Gewalttaten und 80 Prozent der Sexualstraftaten, aber nur 22 Prozent der Wohnungseinbrüche und zwischen 21 und 39 Prozent der Diebstähle. Hier hängt viel von Zeugen ab.

Im Vergleich der Häufigkeitszahlen (Zahl der Straftaten pro 100000 Einwohner) liegt Marburg-Biedenkopf wiederum vorn. Mit 4142 kann das PP Mittelhessen (5123) und auch der Landesdurchschnitt (6566) nicht mithalten. Doch auch diese Zahl ist letztlich nur ein ­Anhaltspunkt für das, was wir als Kriminalität wahrnehmen.

von Michael Agricola

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