Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Polizei registriert Verbrechens-Anstieg

Statistik Polizei registriert Verbrechens-Anstieg

Die Zahl der Straftaten, die Ausländer in Mittelhessen begangen haben, ist gestiegen. Vor allem Ladendiebstähle und Schwarzfahren haben zugenommen. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2015 hervor.

Voriger Artikel
Scharfzüngiger Ökonom
Nächster Artikel
Stürmische Zeiten – auch für echte Superhelden

Vor allem die Zahl der Ladendiebstähle und Körperverletzungen, die von Ausländern begangen worden sind, ist 2015 gestiegen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für Mittelhessen hervor. Daten explizit für Marburg gibt es nächste Woche.

Quelle: Archiv

Marburg. Die Sicherheitsbehörden haben im vergangenen Jahr mehr als 4200 Straftaten registriert, die von Zuwanderern begangen worden sind. 2014 waren es 1164 - das ist eine Zunahme von 261 Prozent binnen eines Jahres. Die meisten Tatverdächtigen - die in einem Gebiet von Marburg über Gießen, Wetzlar bis in die Wetterau ermittelt wurden - stammen laut PKS aus Algerien und Albanien. Menschen aus diesen Ländern sind laut den mittelhessischen Ermittlern für fast die Hälfte aller 2015 registrierten Zuwanderer-Straftaten verantwortlich.

Flüchtlinge und Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Eritrea sind demgegenüber zusammen an weniger als 17 Prozent (entspricht 700) aller Delikte in der Region schuld.

Die Summe der Sexualstraftaten ist von zuletzt 11 auf 27 angestiegen, darunter 8 Vergewaltigungen oder sexuelle Nötigungen. Die Tatverdächtigen - stets zwischen ein und fünf Personen - stammen aus zehn verschiedenen Staaten.

Sichtbar angestiegen sind die Anzeigen wegen Körperverletzung in verschieden schweren Fällen. Eine Verdreifachung von 151 auf 461 Taten hat die mittelhessische Polizei im vergangenen Jahr festgestellt. Ein Drittel aller Angriffe hat es demnach in den verschiedenen Erstaufnahmeeinrichtungen, zu denen auch Cappel zählt, gegeben.

Verdreifacht haben sich nach Polizeiangaben auch die Raubdelikte: 91 Fälle sind erfasst worden. Bei fast der Hälfte gelten algerische Staatsangehörige als Tatverdächtige. Schwere Diebstähle, vor allem aufgebrochene Autos, gab es 198 (2014 waren es 56).

Einen massiven Zuwachs gibt es vor allem bei Ladendiebstählen. Deren Zahl stieg von 326 auf 1531 Fälle, knapp 80 Prozent der Taten wurden von Algeriern und Personen aus den Balkanstaaten - etwa Kosovo, Albanien oder Serbien - verübt.

„In Mittelhessen lebt mansicherer als anderswo“

Bei den Schwarzfahrten in Bussen und Bahnen, der sogenannten Beförderungserschleichung, spricht die Polizei von einer Vervierfachung der Fälle von 190 auf 823. Durch die Kontrollen verschiedener Institutionen ist diese Zahl jedoch ungenauer als die anderen Erhebungen in der PKS.

„Die Zuwanderungskriminalität ist deutlich gestiegen“, resümiert das Polizeipräsidium Mittelhessen. Im Durchschnitt aller Deliktsbereiche habe sich die Kriminalität um das Zweieinhalbfache gesteigert. Jedoch: „In Relation zum erheblichen Anstieg der Zuwanderungszahlen nahm die registrierte Kriminalität dieser Bevölkerungsgruppe nicht in gleichem Maße zu“, heißt es von der Polizei. Bedeutet: Zwar gebe es zweieinhalb Mal so viele Straftaten, aber im selben Zeitraum seien hessenweit auch viereinhalb Mal so viele Flüchtlinge angekommen wie 2014.

Die Gesamtzahl der Straftaten nahm um 4458 Fälle zu und liegt bei 57853. Alleine rund 7300 unerlaubte Einreisen und unerlaubte Aufenthalte zählen dort hinein.

Eine gesonderte Kriminalstatistik für die Universitätsstadt wird nächste Woche erscheinen, sagt Martin Ahlich, Polizeisprecher, auf OP-Anfrage.

Die Aufklärungsquote - bezogen auf alle Delikte - steigerte sich auf 64,6 Prozent. Auf 100000 Einwohner kommen derzeit in der Region 5509 Straftaten. Polizeipräsident Manfred Schweizer sagte, diese Zahl belege, „dass die Mittelhessen nachweislich sicherer leben als die Menschen in anderen Regionen des Landes“.

Zwist um Sicherheitspolitik innerhalb der CDU

Ungeachtet der noch unbekannten Marburger Zahlen geht die Sicherheitsdebatte in der Stadt weiter. Matthias Friehe, CDU-Kandidat für den Ortsbeirat Oberstadt, kritisiert die Haltung seiner Partei. Diese sei „peinlich“ und „platt“. Er hält die Verweise seiner Partei auf ein steigendes Unsicherheitsgefühl in der Stadt für „unverantwortliche Angstmacherei“. Die CDU habe einen „sämig-dickflüssigen Populismus-Teig zusammengequirlt“, schreibt er auf „Facebook“.

Parteichef Dirk Bamberger sieht das anders. „Die Kritik überrascht insofern, als dass wir die Thematik Sicherheit und subjektives Sicherheitsempfinden in der Innenstadt bereits seit Jahren mit großem Nachdruck begleiten und die aufgestellten Forderungen nicht neu sind“, sagt er. Zu den Standpunkten habe es „zu keiner Zeit einen internen Dissens und auch keine gegenläufige Diskussion“ gegeben.

von Björn Wisker

  • Hintergrund: Die CDU-Parteispitze verlangt die Einberufung eines Runden Tischs Sicherheit, um eine „Wiederherstellung des Vetrauens in die öffentliche Sicherheit“ zu gewährleisten. Auch die FDP fordert mehr Polizeipräsenz, damit nach den im Januar gehäuften gewaltsamen Übergriffen speziell auf Frauen in der Innenstadt „keine No-Go-Areas entstehen“. Diesen Ansichten widerspricht die SPD mit dem Verweis auf das Sicherheitskonzept rund um das Marktdreieck, das sich bewährt habe.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr