Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Politisches Gefängnis und Ort der Spiele

Ringvorlesung Politisches Gefängnis und Ort der Spiele

Das Jahr 1936 steht im Fokus einer Ringvorlesung des Instituts für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft, die immer mittwochs von 18 Uhr bis 20 Uhr stattfindet.

Voriger Artikel
Gedenkstein beschäftigt das Gericht
Nächster Artikel
Sprache als Schlüssel zur Integration

Fackelläufer im Jahr 1936 auf dem Weg nach Berlin zum Austragungsort der Olympischen Spiele.

Quelle: Archiv

Marburg. Im Sommersemester widmet sich eine Vortragsreihe aus europäischer Perspektive allen wichtigen Ereignissen, die sich im Jahr 1936 abgespielt haben. Damit knüpfen die Marburger Kulturwissenschaftler an zwei Vortragsreihen an, in denen sie sich in den zurückliegenden Jahren einerseits dem Jahr 1945 und andererseits dem Jahr 1966 angenähert haben. Das erläutert im Gespräch mit der OP Professor Karl Braun vom Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaften, der die aktuelle Vortragsreihe zusammen mit seiner Kollegin Professorin Ina Merkel organisiert hat.

Die Palette der Themen reicht von der Kultur über Politik bis hin zu Mode, Film und Sport. Zwar liegt ein Schwerpunkt auf der Analyse politischer Ereignisse, aber immer wieder sollen sich die Referenten explizit auch die Verknüpfung mit der Kulturgeschichte in den Blick nehmen.

Die Technik der Zeitschnitte, in denen parallel Ereignisse aus einem einzigen Jahr verglichen und analysiert werden, ist seit einigen Jahren in den Kulturwissenschaften in Mode gekommen.

„Diese Zeitschnitte zeigen Gelenkstellen in der Geschichte, in denen sich Ereignisse verdichten“, erklärt Professor Braun. Man könne die Zusammenhänge besser verstehen, wenn man sich bei der Analyse auf ein Jahr anstelle eines ganzen Jahrzehntes konzentriere.

Braun hielt am vergangenen Mittwoch den Auftakt-Vortrag über die Rolle der Intellektuellen in Europa, die sich teilweise vehement und aktiv in die Politik einmischten oder Schmähgedichte schrieben.

Gleichgeschaltete Kino-Produktionen

Die politische Lage in Deutschland im Jahr 1936 ist am 20. April das Thema des Marburger Sozialwissenschaftlers Dr. Wolfgang Form, der ein Experte für die NS-Justiz ist. „Deutschland ist zu einem großen Gefängnis geworden“: Das ist der Titel seines Vortrags darüber, dass die politische NS-Justiz drei Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auf ihrem Höhepunkt war und zahlreiche Regimegegner eingesperrt wurden.

Die Moskauer Schauprozesse (27. April), der Umgang mit Minderheiten in Polen (15. Juni) sowie die autoritären Regime in Polen, Ungarn (22. Juni) und Italien (29. Juni) sind weitere Themen von Vorträgen.

„Zweifelhaftes Vergnügen“: Das ist der Titel des Vortrags von Mitorganisatorin Ina Merkel am 25. Mai. Gemeint ist eine Beurteilung der gleichgeschalteten deutschen Kino-Produktion im Jahr drei der Nazi-Ära. Denn im Nachhinein gesehen kann dem Betrachter beim Anschauen vieler Filme das Lachen im Halse steckenbleiben. So wird die Forscherin erläutern, dass man bei einigen oberflächlich gesehen lustigen Filmen auch antisemitische Züge entdecken kann.

Der Marburger Literaturwissenschaftler Professor Jürgen Joachimsthaler hält am 6. Juli einen Vortrag über das Thema „Schreiben im Schatten Hitlers. Deutsche Literaturen 1936“. Eine Woche später werden beim Abschlussvortrag die Olympischen Spiele in Berlin 1936 zum Thema. Der Referent Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg, stellt in den Mittelpunkt seines Vortrags die politischen Hintergründe dieser Sommerolympiade und bezieht auch die Sommerspiele in München 36 Jahre später mit ein.

Alle Vorträge finden jeweils mittwochs von 18 Uhr bis 20 Uhr im Hörsaal des Instituts für Europäische Ethnologie und Kulturwissenschaften im Hörsaal im Uni-Gebäude in der Deutschhausstraße 3 statt.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr