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Politiker fordern Kurs-Schwenk

Camp Cappel Politiker fordern Kurs-Schwenk

Nach den Spannungen in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge drohen Kommunalpolitiker dem Betreiber „European Homecare“ (EHC) mit einer Kündigung - und kritisieren das Regierungspräsidium Gießen (RP).

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Seit mehreren Monaten gibt es Spannungen zwischen dem Erstaufname-Betreiber „European Homecare“ (EHC) und freiwilligen Flüchtlingshelfern. Der Magistrat will die Probleme in Gesprächen mit EHC und Regierungspräsidium Gießen klären.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Die Linke bringt einen Antrag in das Parlament ein, der die Einhaltung und Verteidigung des Marburger Flüchtlings-Betreuungsmodells besiegeln soll. „Wenn EHC nicht bereit ist, den zu Beginn eingeschlagenen Weg beizubehalten-halten, sollte man der Firma kündigen“, sagt Henning Köster, Fraktionsvorsitzender während der Sozialausschuss-Sitzung. Dazu ist die Stadt allerdings nicht befugt, Vertragspartner von EHC ist das Regierungspräsidium (OP berichtete).

Der Magistrat soll laut Köster jedoch das RP darauf hinweisen, dass die Einhaltung der Qualitäts-Standards „klare Voraussetzung für die Genehmigung des Camps als solchem ist“ - was bedeutet, dass die Stadtverwaltung dem RP eine Weiternutzung entlang der Umgehungsstraße untersagen soll, sofern kein Bekenntnis zum Betreuungs-Kurs der Anfangsmonate eintritt. „Es ist eine große Enttäuschung, dass der gemeinsame Weg verlassen wurde. Wir haben alle darauf gesetzt, dass das in Marburg etablierte Modell eingehalten wird“, sagt Köster. Stattdessen habe das RP offenbar entscheidende qualitative Vergabekriterien nicht beachtet.

„Unser Konzept wird uns deutschlandweit aus den Händen gerissen. Dann kann es nicht sein, dass ausgerechnet wir hier vor Ort nicht mehr voll danach handeln können“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Stadt braucht zusätzlich 490 000 Euro für Flüchtlinge

Demnächst werde es ein Treffen mit Regierungspräsident und EHC-Chefs geben, um „unsere Anforderungen zu definieren, Aufgaben zu präzisieren“. Das sei abseits des Flüchtlingswohls auch unumgänglich, um die Arbeit von Hunderten Ehrenamtlichen „nicht abzuwerten und zu behindern“. Auch der Runde Tisch Integration solle im Februar einberufen werden, um die Situation zu debattieren.

Hintergrund: Ehrenamtliche und Verwaltungsmitarbeiter beklagten zuletzt eine zunehmende Kooperations-Verweigerung und Verschlechterung der Arbeitsatmosphäre im Camp. Dafür machen Kritiker wie etwa Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel EHC - das mehrere unter Helfern wie Flüchtlingen beliebten Sozialbetreuer entlassen hat - verantwortlich.

Unterdessen steigen die Kosten für die Flüchtlingshilfe in der Universitätsstadt stärker als vom Magistrat erwartet. Für 2016 benötigt die Stadt mindestens 490 000 Euro mehr als bislang veranschlagt. Deshalb wird Spies während der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung die Parlamentarier bitten, die außerplanmäßige Bereitstellung von knapp einer halben Million Euro zu genehmigen.

Trotz des Drucks seitens der Landkreisverwaltung verzögert sich zudem der Einzug von bis zu 100 Asylbewerbern in das ehemalige Seniorenwohnheim im Hainweg. Ein Vertrag mit dem Eigentümer sei noch nicht unterschrieben, weshalb „noch keine Belegung möglich ist“. Jedoch dränge die Zeit, da es bereits einen Überhang von Asylbewerbern, die Marburg zugewiesen bekommen habe, gebe. „Es gibt jetzt einige Kapazitätsmängel und ohnehin kaum Leerstand“, sagt Spies.

Das Haus im Hainweg soll vor einem Bezug allen interessierten Marburgern für einen Rundgang zugänglich gemacht werden, verlangt die FDP. „So etwas steigert sicher die Akzeptanz unter Bürgern“, sagt Hanke Bokelmann.

von Björn Wisker

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