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Politiker beenden Rotlicht-Debatte

Vorwürfe an Streetworker Politiker beenden Rotlicht-Debatte

"Lügen", "Diffamierung", "Kampagne": Kommunalpolitiker verteidigen die in die Kritik geratene Streetworker-Organisation "Frauenrecht ist Menschenrecht" (FiM) gegen Vorwürfe aus der Marburger Rotlicht-Szene.

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Emotionale Debatte zur Sozialarbeit in der Rotlicht-Szene: Nachdem die „Bürger für Marburg“ im Sozialausschuss Kritik an einem vermeintlichen „Arbeits-Abo“ der Organisation FiM geübt haben, schlägt deren Stadtverordneter Unverständnis entgegen. Archivfoto

Quelle: colourbox.com

Marburg. „Welche übergeordnete Instanz kontrolliert die Arbeit der Organisation und deren Effektivität?“, fragt Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg). Die Antwort von Christa Winter, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt: „Der Vorstand von FiM kontrolliert die Arbeit.“ Zudem führe die Stadt mit den Frankfurter Streetworkernregelmäßige Gespräche, ließe sich über das Vorgehen in den Bordellen berichten.

"Wichtige Arbeit in einem schwierigen Umfeld"

Irritation bei der BfM-Stadt-verordneten. Denn laut ihren Recherchen bestehe kein Vertrag zwischen der Stadt und dem Verein, der Inhalt, Umfang und Dauer der Zusammenarbeit regele. Und seit 2007 sei diese immer wieder ohne kritische Überprüfung verlängert worden. „Das klingt ganz nach FiM-Abo auf die Sozialarbeit - im Wert von 40 000 Euro Steuergeldern pro Jahr“, sagt sie. Christa Winter bestätigt das Fehlen eines solchen Dokuments. „Das ist ein absolut normales, übliches Vorgehen, das auch mit anderen Vereinen so gehandhabt wird.“ Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) erläutert: „Qualitätsnachweise verlangen wir von großen Trägern, die hohe Beträge bekommen. Hier, bei FiM und 40 000 Euro wäre das eine verfehlte Praxis.“

Weil der Verein „wichtige Arbeit in einem schwierigen Umfeld“ leiste, sollen die Pädagogen laut Fraktionen von SPD, Grünen und CDU auch künftig in den Bordellen arbeiten. Das ist das Ergebnis einer hitzigen, emotionsgeladenen Sitzung des Sozialausschusses am Mittwochabend.

Mehrere Marburger Prostituierte, Bordell-Angestellte und Bordell-Inhaber hatten in den vergangenen Wochen von Missständen bei der Sozialarbeit in der Szene gesprochen. Diese, so die Prostituierten, könne nicht fruchten, weil die Streetworkerinnen nicht mit den Frauen sprächen. Die Pädagogen würden zudem im Eiltempo durch die Räume laufen. Ein weiterer Vorwurf lautete, dass die Hilfsorganisation seit Monaten nicht in den Sex-Häusern gesehen worden sei.

FiM: „Das ist alles falsch, wir arbeiten gut!“

Elvira Nießner, Geschäftsführerin von „Frauenrecht ist Menschenrecht“, bestreitet das. „Die Darstellung ist völlig falsch, wir werden diffamiert, obwohl wir sehr gute Arbeit leisten.“

Die Polizei weiß um die Probleme im Marburger Rotlicht-Milieu. „Es gibt rund um das Erotic Island organisierte Kriminalität. In dem Bordell arbeiten gegen ihren Willen hingebrachte Frauen, es gibt dort von Freunden hingebrachte Frauen und es gibt auch freiwillig Arbeitende im Bordell“, sagte ein Beamter. Viele Probleme in dem Milieu hingen mit der Gesetzeslage zusammen.

Vertrauen fassen seiner Aussage zufolge die Frauen jedoch eher zu Ansprechpartnern außerhalb der Sicherheitsbehörden, weshalb das städtische Engagement in der Rotlicht-Szene wichtig sei. „Eine umfassende Betreuung, wie Sozialpädagogen das machen, können wir nicht leisten“, sagt er. Kahle resümiert: „Wir können es im Sozialsektor nicht jedem recht machen, nicht jeder ist mit dem ihm gebotenen Angebot zufrieden. Es gibt wohl Lücken, aber alles in allem läuft es doch wohl ganz gut.“

Ulrich Severin (SPD) ergänzt: „Wir kennen nun Problemlagen, müssen das Engagement ausbauen. Wir sind mit der Hilfe noch lange nicht am Ende und werden dafür sorgen, dass künftig das nötige Geld dafür im Haushalt bereitsteht.“ Den Effekt von Sozialarbeit zu kontrollieren, ergänzt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sei jedoch nur langfristig und selbst dann schwer möglich.

von Björn Wisker

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