Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Politik forciert Autobahn-Tunnel

Verkehrsausschuss stimmt für Studien-Auftrag Politik forciert Autobahn-Tunnel

Kampf gegen den Auto-Lärm: Der Magistrat will mit dem Bundes-Verkehrsministerium und der hessischen Landesregierung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um den Verlauf der Stadtautobahn zu verändern.

Voriger Artikel
Busfahrer und Erzieher treten in Ausstand
Nächster Artikel
Hallo Küken! Der Ostermarkt startet

Eine Machbarkeitsstudie soll ermitteln, ob es möglich ist, auf 1,8 Kilometern – zwischen Campingplatz im Süden und Schülerpark im Norden – die Stadtautobahn zu untertunneln. Grafik: Vera Lehmann

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Vor allem eine Tunnel-Variante soll geprüft werden. Ziel des Vorhabens ist die Verbesserung des Lärmschutzes und die Entwicklung von Baugrundstücken im Bereich der Lahnauen. Das geht aus einem Schreiben der Stadtverwaltung hervor, das die Mitglieder des Verkehrsausschusses am Dienstagabend diskutierten.

Knackpunkt: Die von der Stadt im Studien-Auftrag skizzierte Tunnel-Lösung soll auf Höhe des Campingplatzes beginnen und am Schülerpark / Krummbogen enden. Für die 1,8 Kilometer lange Strecke kalkuliert der Magistrat Kosten von 200 Millionen Euro. Als Basis dienen vergleichbare Projekte wie der 1,1 Kilometer lange Riederwaldtunnel in Frankfurt (175 Millionen Euro).

Dr. Petra Baumann (Grüne) prangert den Vorschlag als „halbherzig“ an. „Stark bewohnte und von Verkehrs-lärm betroffene Gegenden liegen noch hinter dem Schülerpark“, sagt sie. Das sieht Henning Köster (Linke) genauso. „Diese Strecke ist zu kurz, vielen Anwohnern bringt das in dieser Form wenig“, sagt er. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses Uwe Volz (Grüne) ergänzt: „Wenn wir in diesen Millionen-Größenordnungen unterwegs sind, müssen wir auch einen Tunnel auf der ganzen Strecke prüfen lassen. Denn wenn es eine technische Chance gibt, längere Röhren zu bauen, müssen wir sie ergreifen“, sagt er. Ingenieuren zufolge sind vor allem die Brücke im Bereich des Bahnhofsvorplatzes und die Kurt-Schumacher-Brücke, die über der B 3 verläuft, Risikofaktoren für einen Tunnelbau.

„Grundsätzlich wäre aber schon eine Machbarkeitsstudie selbst ein absoluter Gewinn“, sagt Karin Schaffner (CDU). „In so einer Untersuchung, unabhängig davon, ob ein Autobahn-Tunnel technisch möglich wäre oder nicht, steckt ein gewaltiges Stadtentwicklungs-Potential“, sagt Henning Köster. Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) ergänzt: „Ein Plus an Lebensqualität, mehr Wohnraum, Beweis unserer Zukunftsfähigkeit - die Studie wäre eine immense Chance für Marburg, weil sie uns viele Möglichkeiten aufzeigt.“

Der Weg zur Umsetzung der Vision ist jedoch lang

  Das Vorhaben muss erst in den Bundesverkehrswege-Plan aufgenommen werden, bevor ein Planfeststellungs-Verfahren beginnt. Neun Jahre sollen alleine für die Bauzeit veranschlagt werden. 15 Jahre dauern diese Schritte nach Auskunft von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) - es sei also Eile geboten, um mit dem Bundes-Verkehrsministerium ins Gespräch über eine Studie und mögliche Umsetzung des Projekts zu kommen. „Dieses Gutachten ist also entweder die Grundlage für ein realistisches Bauprojekt oder die Beerdigung einer kühnen Idee“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne).

Skepsis herrscht bei Hermann Uchtmann (Marburger Bürgerliste): „Zu viele Unwägbarkeiten sollen da mitgedacht werden. Bundesgartenschau-Zuschlag, Bundesverkehrs-Wegeplan, Weiterbau der A 49, Finanzierung. So ist es unmöglich, eine gescheite Studie zu bekommen“, sagt er. Zumal solch ein umfangreicher Studien-Auftrag mehr Geld koste als die Machbarkeits-Untersuchung für ein klar umrissenes Projekt.

Kahle entgegnet: Da die Stadtautobahn eine Bundesstraße sei, müsse der Bund die Kosten für die Studie tragen - „aber wir werden da sicher als Mit-Geldgeber fungieren“. Michael Weber (Piraten), der die Verkehrs-Vision vor vier Jahren auf die politische Ebene hievte, forderte indes den Magistrat auf, schon in den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie die Einwerbung von EU-Geldern einzubeziehen.

Entscheidend für das Marburger Vorhaben ist der Zuschlag, die Bundesgartenschau (Buga) 2029 ausrichten zu dürfen. Allerdings soll eine Machbarkeit der Buga-Ausrichtung erst geprüft werden, wenn das Gutachten zum Autobahn-Tunnel erarbeitet ist. Trotzdem skizziert die Stadt bereits Pläne. Das Areal mit den Philfak-Türmen samt Universitäts-Bibliothek, die in den kommenden Jahren abgerissen werden sollen, könnte als Ausstellungsfläche für die Buga dienen. Danach könnte - oberhalb und angrenzend an einen B-3-Tunnel - ein neues Stadtviertel hochgezogen werden.

Thema Wohnen: An den Ein- und Ausfahrten der Tunnelröhren ballt sich Experten zufolge der Lärm und wird intensiver. Kahle regt daher an, vor einem möglichen Baustart eine Lösung dieses Problems mitzudenken.

Auf Ablehnung stößt das Bauprojekt bei Wolfgang Schuchardt von einer Arbeitsgruppe der Lokalen Agenda: „Wir würden mit so einem Vorhaben ja noch mehr Flächen versiegeln.“

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Umbau der Stadtautobahn?
Oberbürgermeister Egon Vaupel am 02. November im Stadtparlament.

In 15 Jahren könnte die Stadt Marburg die Bundesgartenschau (Buga) ausrichten. Oberbürgermeister Vaupel schlägt eine Bewerbung dafür vor.Der Veranstalter hat Interesse bekundet. Das könnte Folgen für die B3 haben

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr