Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Politik erkennt Handlungsbedarf

Afd-Erfolg in Steinperf Politik erkennt Handlungsbedarf

Im Nachgang ihrer Berichterstattung über die AfD-Hochburg Steinperf erreichten die OP Dutzende Facebook-Kommentare, E-Mails und Anrufe zum Video und zur Zeitungsreportage aus dem rechtesten Dorf im Kreis.

Voriger Artikel
49-jähriger Mann weiterhin vermisst
Nächster Artikel
„Rama“ stockt die Vereinskasse auf

Steinperf, Dorf in der Gemeinde Steffenberg mit 900 Einwohnern und dem kreisweit höchsten AfD-Ergebnis (siehe Grafik). Die OP-Berichterstattung über die rechte Hochburg löste am Freitag und Samstag einen Sturm der Entrüstung aus.

Quelle: Nadine Weigel

Steinperf. So fühlte sich einer der Protagonisten der Reportage, der 38 Jahre alte Maik Sänger aus Steinperf, „als rechtsradikal hingestellt“ und betonte gestern gegenüber der OP: „Ich bin kein Neonazi. Ich distanziere mich von jeder Gewalt gegen Ausländer und jeglichem Terror.“ Zum Beleg führte er in einem Telefongespräch mit der Redaktion an: „Wenn ich rechtsradikal wäre, würde ich auch keinen Döner essen.“ Beim Besuch der OP in der vergangenen Woche hatte der frühere Republikaner über sich selbst gesagt: „Ich war schon immer ziemlich rechts.“

Klaus Dieter Pfeiffer aus Steinperf verwies in einer E-Mail zum Artikel darauf, dass in Steinperf von den 684 Wahlberechtigten „lediglich“ 322 gewählt haben – und die anderen 362 ihre Stimme nicht abgaben. „Ich möchte die jetzt vorliegenden Zahlen in keiner Weise schönreden, bin aber der Meinung, wenn alle Steinperfer abgestimmten hätten, wäre dieses Ergebnis nicht so zustande gekommen.“

Pfeiffer hebt hervor, dass in Steinperf auch viele Menschen leben, die sich Gedanken machen, wie man Flüchtlinge aufnehmen und integrieren könne. „Ich persönlich wünsche mir für die Zukunft von Steinperf, beziehungsweise Steffenberg, auch durch den jetzt neu gewählten Bürgermeister Gernot Wege, dass unsere Orte aus den Negativschlagzeilen rauskommen, dass positive Dinge berichtet werden können und ein gutes, konstruktives Miteinander stattfindet.“

Timo und Alexandra Jost, die in Steinperf ein Ferienhaus betreiben, sorgen sich auch aus touristischer Sicht um das Image des Ortes. „Es gibt einige Stammgäste in unserem Ferienhaus, die sehr gerne hier ihren Urlaub verbringen und denen der Ort oder die Bürger noch nie negativ aufgefallen sind“, schreiben sie in einer E-Mail an die OP. Im Januar überließen die Josts ihr Ferienhaus für eine Woche kostenfrei einer polnischen Familie, deren Vater als Zeitarbeiter seit Längerem in der Region arbeitet. Auch das gehöre zum Bild von Steinperf, finden die Josts.

Von Kritik und Lob bis hin zu Beleidigungen

In der OP-Reportage „Wind aus Südost weht Stimmen für die AfD herbei“ geht es um den Einfluss, den überzeugte Rechte, Windkraftgegner und Protestwähler auf das AfD-Wahlergebnis vor Ort hatten. In ihrem Artikel geht die OP auch auf das AfD-Wahlergebnis aus dem benachbarten Holzhausen mit seinen vielen Windkraftgegnern ein: Holzhausen A – 15,3 Prozent für die AfD, Holzhausen B – 17,59 Prozent. Daran übt der Vorstand der Bürgerinitiative Holzhausen Kritik.

In dem Artikel würden „der legitime Kampf gegen die Windkraft am Hilsberg und das Gedankengut der AfD in einen kausalen Zusammenhang gestellt und somit in eine rechte Ecke gerückt“, schreibt Dieter Jurkat vom Vorstand der Bürgerinitiative.

Detlef Ruffert: „So sollte Journalismus aussehen“

Neben sachlicher und oftmals auch unsachlicher Kritik bis hin zu offenen Beleidigungen gegenüber den Berichterstatterinnen wie etwa „hörige Journalistennutten“ gab es auch Anerkennung für die OP-Reportage. „Das war richtig toll und sehr mutig“, sagte etwa der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert, selbst in Steffenberg zu Hause. „So sollte Journalismus aussehen.“

Über Dörfer wie Steinperf, mit derart hohen AfD-Ergebnissen, müssten sich die Politik vor Ort und auch die Kreispolitik ihre Gedanken machen, sagte er und regte an, rechtem Gedankengut aktive Jugendarbeit und politische Bildung gegenüberzustellen. „Wir müssen uns überlegen, wie wir dies dort vermitteln können.“ Ruffert betonte auch, dass „nicht alle Steinperfer so sind, aber man muss fürchten, dass andere Meinungen dort untergehen“.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr