Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Pohl-Reitanlage nimmt nächste Hürde

Mehr Parkplätze Pohl-Reitanlage nimmt nächste Hürde

Der Umweltausschussplädiert für die Aufstellung eines Bebauungsplanes, um die Abstellflächen für Autos neben der entstehenden Reitanlage zuermöglichen.

Voriger Artikel
16-Jährige verletzt
Nächster Artikel
Zuverlässig als „Manager“ und Berater
Quelle: Jochen Lübke/dpa

Dagobertshausen. Seit Herbst ist der Bebauungsplan für die Reitanlage in Dagobertshausen rechtskräftig, jetzt soll er schon wieder geändert werden: Das Hofgut Dagobertshausen möchte nun das Gebiet südwestlich der entstehenden Anlage gleichfalls be-planen.

Eigentümerin des Hofguts Dagobertshausen ist die Unternehmerfamilie Pohl. Die verfolgt mit ihrem Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans zwei Ziele: Erstens hat das Hofgut Dagobertshausen nun den Anspruch, auf der entstehenden Reitanlage hochklassige Reitturnierveranstaltungen abzuhalten. Dazu muss, so schreibt es Geschäftsführerin Jacqueline Pohl, der Reitplatz auf Turniermaße vergrößert werden, ferner ist ein größerer Abreiteplatz notwendig.

Wasserdurchlässige Schotterrasenfläche

Zweitens sollen in unmittelbarer Nachbarschaft der Reitanlage Parkplätze entstehen - eine Forderung, die auch in Dagobertshausen selbst immer wieder erhoben worden war, weil bei Großveranstaltungen im Hofgut Dagobertshausen die Straßen im Ortskern hoffnungslos zugestellt waren.

Jacqueline Pohl spricht von 300 „temporären“ Parkplätzen, die direkt an der Kreisstraße in Richtung Elnhausen entstehen sollen.

Angedacht ist eine wasserdurchlässige begrünte Schotterrasenfläche mit Anbindung an die Kreisstraße in Richtung Elnhausen. Sie werde, so Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne), wohl nur an wenigen Tagen im Jahr benötigt. Das Problem: Ein Teil der Fläche, die nun als Erweiterung der Reitanlage und für Parkplätze vorgesehen ist, war im alten Bebauungsplan als Ausgleichsfläche für die Errichtung der Reitanlage vorgesehen. Die Familie Pohl sollte hier entsprechend der Bestimmungen im Baurecht „naturschutzrechtlich äquivalente Maßnahmen“ entwickeln. Das wäre nun nicht möglich, wenn die Fläche anders genutzt wird, sodass die Situation entsteht, dass erstens eine Ausgleichsmaßnahme für das neue Bauvorhaben und zweitens eine für die ursprüngliche Ausgleichsmaßnahme geplant werden muss.

Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde sind schon gelaufen, sagt Bürgermeister und Baudezernent Kahle in dem Antrag des Magistrats, Wie der Ausgleich aber konkret aussehen soll, das konnte er im Umweltaussschuss noch nicht sagen - zum Unwillen etwa von Stefan Schartner (FDP), der bemängelte, er könne nicht über etwas befinden, worüber ihm die Information noch gar nicht vorliege.

Auch Dr. Petra Baumann (Grüne) forderte, dass zunächst festzulegen sei, wo der „Ausgleich für die Ausgleichsfläche“ stattfinden solle. Kahle wies darauf hin, dass es im Moment nur um den Beschluss gehe, einen Bebauungsplan zu entwickeln. Über die Ausgleichsmaßnahmen werde bei der Beschlussfassung über den Plan entschieden.

Vaupel: Probleme mit Parksuchverkehr lösen

Marburg wäre aber nicht Marburg, wenn nicht dieses Bauvorhaben - wie alle Aktivitäten der Familie Pohl - ganz grundsätzlich erörtert worden wäre. Zuständig dafür war diesmal der Fraktionsvorsitzende der Marburger Linken.

Henning Köster verglich den Landschaftseingriff in Dagobertshausen durch Pohl mit dem im Olympiaort Sotschi durch den russischen Präsidenten Vladimir Putin und sorgte damit für helle Empörung bei einem Teil der Ausschussmitglieder und insbesondere bei Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

Vaupel wies darauf hin, dass bundesweit in zahlreichen Dörfern Gehöfte zerfallen, deswegen sei man froh, dass die Familie Pohl in den alten Scherer’schen Hof investiert habe. „Ich empfinde diese Investition in Dagobertshausen als Glücksfall“, sagte Vaupel. Sie habe nicht nur eine attraktive Versammlungsstätte ermöglicht, sondern auch den Startschuss für ökologischen Landbau in dem Ort gegeben. Und: Die „Abstimmung mit den Füßen“ sei längst erfolgt, das Hofgut werde angenommen - nun sei es im Interesse auch des Magistrats, die Problemstellung mit dem Parksuchverkehr im Ortszentrum zu lösen. Für den gebürtigen Westfalen Kahle stellt sich das Thema „Landschaftseingriff“ ohnehin nicht. Er sprach von einem „Reiterhöfchen“ im Vergleich zu den riesigen Reiterhöfen in seiner Heimatstadt Warendorf.

Gegen die Stimme der Marburger Linken und bei einer Enthaltung beschloss der Umweltausschuss trotz des vorherrschenden Unwillens über die Unklarheit bezüglich der Ausgleichsmaßnahmen, dem Parlament die Aufstellung des Bebauungsplans zu empfehlen.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr