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Platz-Problem oder Park-Petitesse?

Parkplatz-Situation an der Stadthalle Platz-Problem oder Park-Petitesse?

Die Parkplatz-Situation an der Stadthalle sorgt weiter für Diskussionen. Die 
Ausweisung von Sonder-Stellflächen für ein Konzert nimmt die FDP zum Anlass, den von der Stadt jahrelang abgestrittenen Mangel zu kritisieren.

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Über das Für und Wider von Stellflächen nahe der Stadthalle ist jahrelang diskutiert worden. Eine geplante Tiefgarage wurde nicht gebaut, das Parkhaus Pilgrimstein und das Areal an der Universitätsbibliothek wurden als ausreichend eingestuft.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Problem oder Petitesse? Exklusiv für Ehrengäste 
eines Wohltätigkeitskonzerts der Sparkasse Marburg-Biedenkopf öffnete die Stadthalle am Samstagabend die Lehrerpark-
plätze an der Martin-Luther-Schule. Die rund 40 Stellflächen, die sonst täglich nach Schulende vor allem von Kino- oder Gaststättenbesuchern genutzt werden, waren somit für die Öffentlichkeit gesperrt, wurden von Mitarbeitern des Erwin-
Piscator-Hauses kontrolliert.

Nach OP-Informationen sollen auch Konzertbesucher – darunter Kommunalpolitiker – dort geparkt haben, die privat nur wenige hundert Meter von der Stadthalle entfernt wohnen. Die FDP ist „erstaunt und irritiert“ über diese Praxis, erkennt darin einen Beweis für den Mangel an 
Autoabstellflächen. „Fußläufig ist die Stadthalle offenbar doch nicht so bequem vom Pilgrimstein-Parkhaus zu erreichen. Und VIP-Parkplätze fehlen der Stadthalle wohl auf jeden Fall“, sagt Christoph Ditschler, Fraktionschef der Liberalen im Stadtparlament.

Stadt setzt auf Erweiterung des UB-Parkplatzes

(c) privat

(c) privat

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Die Sparkasse, Veranstalter des Benefizkonzerts, die nun in ein Politikum geraten ist, äußert sich auf OP-Anfrage: „Zu verschiedenen Veranstaltungen in unserem Geschäftsgebiet laden wir auch Ehrengäste ein. Für diese stellen wir Parkplätze zur Verfügung. Dieses Vorgehen ist bei größeren Veranstaltungen üblich“, sagt Michael Frantz, Marketingleiter.

Der Magistrat verweist wie in den vergangenen Jahren darauf, dass es auch nach dem Umbau ausreichend nahegelegene Parkplätze für Stadthallen-
besucher gibt: Parkhäuser am Erlenring, im Lahncenter und am Pilgrimstein, wo nun eine Erweiterung geprüft wird. „Zugleich setzt sich die Stadt weiterhin beim Land dafür ein, dass die Universität ihrer Verantwortung nachkommen kann und die Stadt dabei unterstützt, den UB-Parkplatz zu erweitern“, heißt es auf OP-Anfrage.

Und der Magistrat plant in puncto Stadthallen-Erreichbarkeit mehrere Neuerungen: Beim Kauf einer Eintrittskarte für eine Veranstaltung soll demnächst eine kostenlose An- und Abreise mit Bus und Bahn ermöglicht werden. Das solle über ein RMV-Kombiticket geschehen, ähnlich wie bei Heimspielen von Eintracht Frankfurt, bei denen Ticketinhaber gratis Zug fahren können. Zudem arbeite man bereits an einem Taxi-
Modell, das für Menschen ab 65 Jahren und für Behinderte beim Ticketkauf Rabatte einräume. Jüngere Besucher sollen sogenannte Sharing-Modelle angeboten bekommen, vermittelt über soziale Netzwerke im Internet.

Politikum mit langer,
 kontroverser Geschichte

Hintergrund: Im Vorfeld des Stadthallen-Umbaus gab es Überlegungen, in der Nähe eine Tiefgarage zu bauen. Denn nach der Sperrung der Lahnwiesen und dem Wegfall der – ohnehin nur vorübergehend eingerichteten – 250 Plätze auf dem ehemaligen Brauereigelände, fürchteten viele 
einen Stellflächenmangel speziell im Bereich zwischen Oberstadt, 
Kino und Stadthalle.

Die Tiefgarage hätte den Plänen zufolge zwischen Stadthalle und Hörsaalgebäude errichtet werden sollen – eine Idee, auf deren Umsetzung 
etwa CDU, FDP und Bürger für Marburg (BfM) über Jahre pochten. Der Magistrat befand sich nach eigenen Aussagen in Gesprächen mit Investoren, da die Kommune für solch ein Projekt kein Geld ausgeben wollte. Investoren wurden letztlich aber nie gefunden.

Die BfM – damals in der Opposition, heute mit in Regierungsverantwortung – hatten 2012 eine Finanzierung mittels 
eines öffentlich-privaten 
Beteiligungsmodells angeregt. 
Diese sogenannten Public-Private-Partnership, die auch die FDP begrüßte, waren in dieser Zeit etwa für den Bau von Windkraftanlagen in Marburg auch von Rot-Grün als Möglichkeit gesehen worden.

Im Oberbürgermeister-Wahlkampf begründete OB Dr. Thomas Spies (SPD) – wie sein Vorgänger Egon 
Vaupel – die Entscheidung gegen eine Tiefgarage vor allem mit den hohen Preisen, die ein Betreiber hätte verlangen müssen, damit es sich für ihn lohnt.

von Björn Wisker

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