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"Streben nach Reichtum erzeugt soziale Schere"

Platon-Tagung "Streben nach Reichtum erzeugt soziale Schere"

Die Regulierung der Wirtschaftssysteme war schon für den antiken Philosophen Platon ein Thema. Was die von ihm aufgestellten Regeln zur aktuellen Debatte um Markt und Moral beitragen, ist Thema einer Tagung.

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Professorin Sabine Föllinger präsentiert das Plakat zur von ihr mit organisierten Tagung.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. „Von besten und zweitbesten Regeln: Platonische und aktuelle Perspektiven auf individuelles und staatliches Wohlergehen“: Das ist das Thema einer Tagung von heute bis Samstag. Organisatorinnen sind die Gräzistik-Professorin  Sabine Föllinger und die Wirtschaftswissenschaftlerin Professorin Evelyn Korn.

Im Dezember 2016 ist ein Buch von Föllinger zum Thema „Ökonomie bei Platon“ erschienen. Darin untersucht sie die Vorstellungen des antiken griechischen Philosophen Platon (4. Jahrhundert v. Chr.) zu Wirtschaft und Ökonomie. Im Gegensatz zu bisher vorherrschenden Forschungsmeinungen sei für Platon wirtschaftliches Handeln durchaus ein Teil des Menschen gewesen. Denn ein Mensch ­alleine sei nicht ­autark, sondern brauche die Gemeinschaft. Wirtschaftliches Handeln sei also nicht eigentlich schlecht, habe Platon gefolgert. Jedoch sei es ein Grundzug des Menschen, immer mehr haben zu wollen. Deswegen seien Tätigkeiten in der Wirtschaft besonders riskant, weil sie diesen Zug förderten. Das sei  aber nicht nur ein moralisches Problem, weil materielle Gier den Charakter verschlechtere.  Gleichzeitig erzeuge im Staat das Streben nach Reichtum eine  „soziale Schere“, die die Einheit eines Staates gefährde. So habe Platon Staatsmodelle entworfen, in denen politisch Verantwortliche auf keinen Fall gleichzeitig ökonomische Interessen verfolgen dürfen.

Zusammen mit Professorin Evelyn Korn leitete Föllinger ein von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt zum Thema „Platon und Moderne Ökonomie“. Anders als bei der im Rahmen des Marburger Centrums Antike Welt vor drei Jahren organisierten Tagung zum Thema „Antike Wirtschaft und ihre kulturelle Prägung“ soll jetzt der Schwerpunkt auf Platons Thesen fokussiert werden. Dabei werden besonders Platons Dialoge „Politeia“ und „Nomoi“ in den Blick genommen. In ihnen habe der Philosoph versucht, die Wertevorstellung des „gelungenen Lebens“ für Individuum und Staat sowie Gesellschaft umzusetzen. Darauf verweist auch das Plakat zur Tagung. Es zeigt in der Mitte die Abbildung einer Platon-Büste, in konzentrischen Kreisen umrundet von kleiner werdenden Köpfen. Neben Experten der Klassischen Philologie kommen auch Forscher aus den Wirtschaftswissenschaften, der Philosophie und der Alten Geschichte bei der Tagung zusammen.

Es geht um diese Fragen:

  • In welchem Verhältnis steht staatliche Regulierung zu allgemeinen und/oder religiösen Werten?
  • Wie soll das Verhältnis von staatlichen Reglements und individuellem Handeln aussehen?
  • Welche Bedeutung wird dem Bereich der Wirtschaft zugemessen?
  • Wie entstehen überhaupt Werte?

Weitere Informationen: http://www.uni-marburg.de/fb02/mikro/research/projects/­platon2017

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