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Planungen für die Ausschreibung laufen

Zukunft des Lokschuppens Planungen für die Ausschreibung laufen

Wie geht es weiter in ­Sachen Lokschuppen? Nach der Sommerpause bekommt das Stadt­parlament den Entwurf für ein Ausschreibungsverfahren zur Kenntnis vorgelegt.

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Der ehemalige Lokschuppen der Bahn steht bereits seit Jahren leer.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Jetzt kommt Bewegung in die Frage, wie es mit dem leerstehenden ehemaligen Lokschuppen auf dem Waggonhallengelände weitergehen könnte. Nach Jahren des Stillstands wird derzeit im Bauamt der Text einer formalen Ausschreibung vorbereitet, erläuterte der Marburger Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne) der OP auf Anfrage. Es habe bereits in den vergangenen Jahren gezielte Anfragen von unterschiedlichen Fragestellern gegeben, die Projekte in der nicht mehr genutzten Halle verwirklichen wollten.

Jetzt solle das Verfahren gebündelt werden und mithilfe einer Ausschreibung sollten „fundierte Angebote“ eingeholt werden, sagte Kahle. Dieser Entwurf einer Ausschreibung solle dann im September den Fachausschüssen und dem Stadtparlament zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Falls von den Parlamentariern keine grundsätzlichen Einwendungen kommen, könnte bereits im Oktober eine Ausschreibung erfolgen, erläutert der städtische Bauamtsleiter Jürgen Rausch der OP.

Denkmalverträglichkeit muss gegeben sein

Genaueres zum in Planung befindlichen Ausschreibungstext will er noch nicht verraten. Jedoch soll der Text prinzipiell die Rahmenbedingungen enthalten, zu denen das Grundstück erworben werden könnte, das von der städtischen ­Bauförderung als Treuhand-Grundstück verwaltet wird. ­

Dabei geht es sowohl um die wirtschaftlichen und städte­bau­lichen Kriterien als auch um die Denkmalverträglichkeit von möglichen Konzepten. „Wir erwarten dann Vorschläge für ein Nutzungskonzept sowie mög­liche Preisvorstellungen für 
 den Erwerb des Lokschuppens“.

Wie es nach erfolgter Ausschreibung weitergehen soll, das erläuterte Bürgermeister Kahle auf OP-Anfrage. Ein Gremium aus Mitgliedern des ­Gestaltungsbeirates sowie des Bau- und Planungsausschusses und des Magistrats solle aus den Vorschlägen eine Reihenfolge erarbeiten. Diese Reihung solle dann wiederum dem Stadtparlament zur Abstimmung vorliegen. Im Idealfall könnte schon in absehbarer Zukunft ein Ergebnis präsentiert und ein Konzept verwirklicht werden.

Zwei Konzepte
 gibt es bereits

Es gibt nach OP-Informationen derzeit schon zwei Interessenten, die mit relativ konkreten Vorschlägen in die Öffentlichkeit gegangen sind:

Dem Förderverein Waggonhalle schwebt eine Mischung aus Eventhalle und Industriemuseum vor. „Das Ganze soll möglichst im Originalzustand hergestellt und wieder genutzt werden“, erläutert Professor Otto Volk, der „Historiker“ des Fördervereins. Wichtig sei zunächst, den Lokschuppen wieder standfest zu bekommen und ihn somit wieder nutzbar zu machen, sagt Dr. Fritz-Joachim Hüther, Marketing-Fachmann und zweiter Vorsitzender des Fördervereins.

Zwar müsse das Dach erneuert werden, aber das aus Eisengerüst bestehende Tragwerk sei prinzipiell in Ordnung, nur die Holzbalken müssten ausgetauscht werden. Auf rund sechs Millionen Euro beziffert Hüther den Investitionsbedarf inklusive der Erneuerung der Drehscheibe, die früher im Lokschuppen eine Verteilerfunktion für die reparaturbedürftigen Lokomotiven einnahm. Ein Teil des Lokschuppens solle dem Konzept folgend als Museum der Industriekultur dienen. Unter dem Motto „Technik erlebbar machen“ sollten drei der früheren 15 Lokstände wieder genutzt werden.

Fördervereins-Vorsitzender Manfred Velte, ein früherer Eisenbahner, hat schon eine Menge an Details zur früheren Nutzung des Lokschuppens im ehemaligen Bahnbetriebswerk Marburg zusammengetragen. Aus seiner Sicht böte der Lokschuppen ein einzigartiges Ambiente. Im „Eventhallen“-Teil des früheren Lokschuppens könnten Produkt-Vorstellungen stattfinden: von Bussen über Autos bis hin zu Baukränen wäre aufgrund der Größe des Gebäudes eine Menge vorstellbar, erläutert Hüther. Aber auch Konzerte wären mögliche Events im rundum sanierten Lokschuppen.

S+S Grundbesitz setzt auf Maisonette-Wohnungen

Auch Karsten Schreyer, Geschäftsführer und Eigentümer der S+S Grundbesitz GmbH hat eine Idee, die er gerne umsetzen würde. Schreyer möchte aus dem Lokschuppen ein Wohnhaus errichten. Das denkmalgeschützte Gebäude müsste zunächst gesichert werden.

Die Fassade könnte stehen bleiben, eine Sanierung sei dringend notwendig. Das Dach müsste abgenommen werden, um eine zwei-bis dreigeschossige Wohnbebauung zu gestalten. In dem alten Gebäude könnten moderne Maisonette-Wohnungen entstehen, sagt Schreyer.

Da die Sanierungsmaßnahmen sehr aufwendig seien, wolle er nur einen symbolischen Kaufpreis zahlen: „Einen Euro“, sagt er. Der Stadt könne er aber entgegenkommen, indem er einen Teil des Lokschuppens für das Waggonhallen-Theater zur Verfügung stelle. Die frühere Drehscheibe im Lokschuppen ist in Schreyers Konzept als Café-Drehscheibe vorgesehen.

von Manfred Hitzeroth 
und Anna Ntemiris

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