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Planer setzen auf Scheunen-Umbau

Wohnungsneubau Planer setzen auf Scheunen-Umbau

In der Innenstadt und in angrenzenden Bereichen gibt es kaum noch Flächen für neue Wohnhäuser. Das verfügbare Bauland beschränkt sich auf weniger als ein Dutzend kleinere Grundstücke.

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Bezahlbare Mieten – eine Forderung, die in Marburg seit Jahren erhoben wird. Mehrere Initiativen treten etwa für mehr Sozialwohnungen, auch für günstigere Studentenapartments ein. Das Foto zeigt ein Graffitti in Berlin-Kreuzberg.

Quelle: Archiv

Marburg. Wohnungsbau kann künftig verstärkt nur noch in Marbach, Cappel, Wehrda und Stadtwald betrieben werden. Rund 400 Baulücken stehen im gesamten Stadtgebiet noch zur Verfügung. Davon befinden sich 250 in den Außenstadtteilen, 150 in den sogenannten kernstadtnahen Gebieten. Das geht aus einer ersten Baulandpotenzial-Berechnung der Verwaltung hervor.

„Die eigentliche und begehrte zentrale Stadtlage ist abgefrühstückt“, sagt Reinhold Kulle, Stadtplaner.  Zumal der angesichts der steigenden Nachfrage favorisierte Geschosswohnungsbau auf den restlichen in Frage kommenden Bauflächen kaum noch möglich sei. „Wir können in der Innenstadt nicht mehr in einer Größenordnung bauen, dass es bezogen auf die Wohnungsnot Abhilfe schafft.“  

Vorgaben sind „kein Wolkenkuckucksheim“

In Marburg liegt nach einer Studie des Instituts Inwis bis 2020 ein Bedarf von 1600 neuen Wohnungen vor. Dieser Bedarf gliedert sich der Analyse zufolge in:

  • 385 Eigenheime
  • 420 Eigentumswohnungen
  • 350 Mietwohnungen (frei finanziert)
  • 450 Sozialwohnungen

Diese Vorgaben sind laut Kulle „kein Wolkenkuckucksheim, sie sind erreichbar“. Denn: Mehrere Hundert der benötigten Wohneinheiten seien bereits fertig oder in Bau. In der Planung fortgeschritten seien zudem Wohnhäuser im Stadtwald und in der Neuen Kasseler Straße. In den Außenstadtteilen Michelbach, Schröck und Bortshausen seien zudem in den vergangenen zwei Jahren 45 Eigenheime entstanden. „Engpässe haben wir fast überall was Lückenschlüsse angeht. Und obwohl die Nachfrage vor allem in der Kernstadt hoch ist, verlieren die Außenstadtteile nicht an Attraktivität“, sagt Kulle.

Die Hoffnung der Planer ruht vor allem auf der Umwidmung von Immobilien. Vor allem ungenutzte Scheunen und Ställe in den Dorfkernen etwa in Cappel könnten künftig umgebaut werden, um die Wohnungsnot zu lindern. „Da haben wir noch enorme Potentiale, da herrscht ein Quasi-Leerstand“, sagt Kulle. 300 zusätzliche Apartments könnten nach ersten Schätzungen durch die sogenannte Konversion entstehen. Die Autoren der Inwis-Studie empfehlen der Stadt, den Aus- und Umbau bestehender Immobilien zu forcieren: „Kleinteilige Entwicklungen könnten eine Lösung sein. Also Etagen aufstocken, Dachgeschosse ausbauen“, sagt Regina Höbel, Ingenieurin.

Mangel betrifft vor allem Gewobau-Mieter

Das gilt auch beim Sozialwohnungsbau. Dort hinke die Stadt den Zielen zwar noch hinterher, sagt Kulle. Jedoch sei
etwa das Vorhaben auf dem Vitos-Gelände entlang der Cappeler Straße „auf einem guten Weg“. Außerdem gebe es Überlegungen, Wohnungs-Zuschnitte zu ändern. Zudem rückt der Richtsberg immer mehr in den Fokus der Stadtplaner.

Dort sei in den vergangenen 10, 15 Jahren kaum ein Haus gebaut, die Verkehrs-Anbindung ins Zentrum aber immer besser worden. Im Damaschkeweg etwa entstehen derzeit 300 Sozialwohnungen – das erste Drittel soll im Sommer fertig sein.  

Jedoch sorgen sich Marburger, ob die Zahl von 450 öffentlich geförderten Miet-Apartments ausreicht. „Angesichts der regelmäßig neu ankommenden Flüchtlinge steuern wir schon jetzt sehenden Auges auf ein Defizit zu“, sagt Werner Girgert während der Sitzung des Runden Tischs preiswerter Wohnraum. Anstatt der 450 brauche es mehr als 600 Sozialwohnungen, „um einigermaßen bei der aktuellen Entwicklung mitzukommen“.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bestätigt das. Die Konsequenz der zurzeit fehlenden Quartiere – plus die Bereitstellung von Flüchtlingswohnungen – spürten vor allem die Mieter der Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (Gewobau). Diese könne „den Wohnungswechsel derzeit quasi nicht bedienen“, sagt er. Denn vorsorglich habe die Stadt viele freiwerdenden Apartments für Flüchtlinge reserviert. Ergo kann kaum jemand, der in einer der rund 2600 Gewobau-Wohnungen lebt, in eine andere umziehen.

Analyse folgt: Eine vollständige Bauland-Analyse für alle Marburger Stadtteile soll Ende Juni vorliegen. Die nun vorgestellte Berechnung ist nur ein erster grober Überblick, teilte der Magistrat mit.

von Björn Wisker

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