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Plakat-Protest befeuert Lärmdebatte

Verkehr Plakat-Protest befeuert Lärmdebatte

Während des Tags gegen Lärm protestierten lärmgeplagte Anwohner entlang der Uferstraße für ein neues Tempolimit auf der Stadtautobahn. Sie fordern auch mehr Unterstützung von Stadtpolitik und anderen Marburgern.

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Mit der Plakataktion entlang der Uferstraße erneuern lärmgeplagte Anwohner wie Hannes Kleinhenz (l.) und Ulrich Wagner ihre Forderung nach einem besserem Lärmschutz. 

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Stille kennt Hannes Kleinhenz nur aus Erzählungen. Ruhe zu finden, kommt für ihn einem Luxus gleich. Er wohnt an der Uferstraße, dem Lärmschwamm an der Stadtautobahn. Täglich donnern mehr als 40 000 Autos und Lastwagen über den Asphalt. Das raubt ihm und der Nachbarschaft Schlaf, Erholung und Freude. „Kurz: die Lebensqualität“, sagt er.

In ihrem Kampf gegen den Autobahnlärm fühlen sich die Mitglieder und Unterstützer der Bürgerinitiative (BI) Stadtautobahn zusehens alleine gelassen. Von Landesregierung, Regierungspräsidium, Magistrat. Und auch von manchem Marburger, den das Thema nicht zu interessieren, gar zu nerven scheint. „Dabei kann man selbst auf der Schlossmauer hören, wie Marburg brüllt“, sagt Kleinhenz. Am "No Noise Day - Tag gegen Lärm" am Samstag forcieren er und seine Mitstreiter den Stimmungsumschwung. Mit ihrer Protestaktion am Samstag, während der sie Plakate, Schilder und Transparente aus den Häusern entlang der Uferstraße flattern ließen, wollten sie auf ihr Leid aufmerksam machen. Am Infostand nahe der Kirche harren die Aktivisten aus und verteilen Flugblätter an Fußgänger und Radfahrer. Das Wetter erschwert ihnen die Arbeit, Kälte und Regen lassen den Verkehr entlang der Straße erlahmen.

„Wir wollen mit der Aktion mehr Solidarität in der Stadt schaffen“, sagt Ulrich Wagner, Psychologie-Professor an der Universität. Geplagt wird auch der Wissenschaftler, der am Ortenberg lebt, vom Motoren- und Rolllärm. „Es gilt, gegen die Resignation anzukämpfen, die sich breitzumachen scheint“, ergänzt Kleinhenz.

Die Ziele der Gruppe formulieren sie klar: Messungen, nicht Berechnungen der Lautstärke an verschiedenen Standorten entlang der Strecke. Spürbare Lärmreduzierung durch ein neues Tempolimit. 80/60, davon versprechen sie sich Linderung. Kleinhenz verweist auf einen Verkehrsversuch vor einigen Jahren. Während dieser Probezeit habe sich die Situation für die Anwohner entspannt. „Wir konnten sogar nachts das Fenster auflassen“, sagt er. In Wiesbaden, so sagen sie, finden sie aber kein Gehör mehr. In den vergangenen zwei, drei Jahren sei die Zuständigkeit für Fragen rund um die Marburger Stadtautobahn verwässert, zwischen Regierungspräsidium Gießen (RP) und Ministerium in Wiesbaden sowie der Verwaltungsbehörde Hessen Mobil hin- und hergeschoben worden. „So lässt man jedes Anliegen aus Marburg abblitzen“, sagt Kleinhenz. Der Frust der Protestgruppe wächst, die Wut auch. Ein wenig auf die Stadt, mehr auf RP, voll und ganz auf die Landesregierung. Daher planen sie, sich in den Landeswahlkampf der Parteien einzumischen. Spätestens in der entscheidenden Phase ab Mitte August - wenige Tage nach einer Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten aus Marburg - falle die Entscheidung, welche Partei man an den Infoständen unterstütze.

Hessen Mobil beginnt im Juni mit Bauarbeiten auf der Stadtautobahn. Auf mehr als einem Kilometer bis zur Ausfahrt Marburg Mitte wird eine Art Flüsterapshalt verlegt.

Wenn der Flüsterasphalt lärmdämpfend wirkt, wenn ein neues, geringeres Tempolimit gilt - dann hätten sie mit der Bürgerinitiative schon einen Sieg errungen, sagt Wagner. Einen Etappensieg jedenfalls. Denn langfristig, daran lassen die Aktivisten während des Protesttags keinen Zweifel, fordern sie eine bauliche Veränderung, etwa das Überbauen der Stadtautobahn.

von Björn Wisker

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