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Plädoyer für Flüchtlingsschutz

Vortragsreihe Plädoyer für Flüchtlingsschutz

Zum Auftakt der Vortragsreihe „Konflikte in ­Gegenwart und Zukunft“ referiert die Marburger Konfliktforscherin Dr. Ulrike Krause am kommenden Montag über das Thema „Krise des globalen Flüchtlingsschutzsystems“.

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Syrische Kinder im Flüchtlingslager in Libanon Anfang des Jahres.

Quelle: dpa

Marburg. Kein Tag vergeht seit mehreren Wochen, ohne dass die Situation der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, in den Schlagzeilen ist.Doch die aktuelle öffentliche Debatte in Deutschland zum Thema Flüchtlinge ärgert die Marburger Sozialwissenschaftlerin Dr. Ulrike Krause. Aus ihrer Sicht wird dabei viel zu sehr das Thema Grenzschutz in den Mittelpunkt gestellt und viel zu wenig gehe es um den Flüchtlingsschutz.

Im Gespräch mit der OP erläuterte Krause, dass Flüchtlinge auch rechtliche Ansprüche hätten und nicht nur als Opfer gesehen werden sollten. Nicht nachvollziehen könne sie, wenn es in der öffentlichen Diskussion darum gehe, dass Flüchtlinge als potenzielle Kriminelle dargestellt würden.

In ihrem Vortrag zum Auftakt der interdisziplinären Vortragsreihe will sie auch Basisinformationen über die aktuelle Flüchtlingsstatistik geben.

Laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR waren im Jahr 2014 weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Täglich flohen durchschnittlich 42500 Menschen. Mehr als die Hälfte tauchen in der Statistik allerdings als „Binnenvertriebene“ auf, weil sie innerhalb ihrer Heimatländer aus ihren Wohnorten vertrieben worden sind.

Doch auch so ist die Zahl noch immens. Dass die Zahl der weltweiten Flüchtlinge im Vergleich zum Vorjahr noch einmal so deutlich angestiegen ist, ist für die Marburger Forscherin allerdings nicht verwunderlich. Sie führt den nochmaligen Anstieg vor allem auf den aktuellen Bürgerkrieg in Syrien zurück. Dass die Lage dort so eskalieren würde, sei seit einigen Jahren voraussehbar. Die internationale Gemeinschaft habe aber versäumt, darauf adäquat zu reagieren. Auch in Deutschland sei das Thema in den zurückliegenden Jahren vernachlässigt und zu Unrecht nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden.

„Die internationale Gemeinschaft steht vor der Aufgabe, auf die humanitären Situationen wie auch die Langzeitsituationen zu reagieren, und der menschenrechtlichen Verantwortung und völkerrechtlichen Verpflichtungen gerecht zu werden“, meint Krause. Für ihren Vortrag wird sie nicht nur die globalen Trends beleuchten, sondern auch das internationale Flüchtlingsschutzregime vorstellen und hinterfragen, ob es den globalen Entwicklungen noch gerecht werden kann.

Klar sei, dass immer mehr Flüchtlinge nicht für kurze Zeit humanitäre Hilfe in Anspruch nehmen müssten, sondern langfristig ihr Leben außerhalb ihrer Heimat verbringen müssten. Darauf aber sei beispielsweise die Bundesregierung in Deutschland überhaupt nicht vorbereitet. Die Referentin war vor ihrer Tätigkeit als Konfliktforscherin jahrelang in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Feldforschungen führten sie auch in Flüchtlingscamps nach Uganda. Derzeit erarbeitet sie zusammen mit einem Kollegen ein Lehrbuch zum Thema Flüchtlingsforschung.

Der Vortrag von Dr. Ulrike Krause findet am Montag, 19. Oktober, ab 18.30 Uhr im Hörsaal +1/0010 des Uni-Hörsaalgebäudes, Biegenstraße, statt.

von Manfred Hitzeroth

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