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Piraten fordern Pauschale für Bus-Tickets

Neues Verkehrsmodell Piraten fordern Pauschale für Bus-Tickets

Die Marburger Piratenpartei fordert die Einrichtung eines öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), in dem kein Kunde mehr einen Fahrschein kaufen muss. Stattdessen soll jeder Marburger pro Monat elf Euro verpflichtend an die Stadt zahlen - als Bereitstellungsgebühr.

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Marburg. Stattdessen soll jeder Volljährige und in Marburg mit Erst- oder Zweit-wohnsitz Gemeldte im Monat 10,90 Euro ÖPNV-Bereitstellungsgebühr an die Stadt zahlen, um alle Angebote uneingeschränkt nutzen zu können. Mit dieser Summe wären nach Angaben von Michael Weber, Stadtverordneter der Piratenpartei, die Jahres-Ticketeinnahmen von 7,2 Millionen Euro gedeckt. Er geht in dem Antrag, der heute im Verkehrsausschuss diskutiert wird, von 55 000 Einzahlern aus. „Anstatt 40 Euro für eine Monatskarte, was für viele unerschwinglich ist, könnten wir so mit rund elf Euro einen gleichberechtigten Zugang zu Mobilität gewährleisten“, sagt er. Denn selbst mit den üblichen Ermäßigungen sei es für immer mehr Marburger schwierig, „mal eben von Wehrda oder Richtsberg ins Zentrum zu kommen“, sagt er.

Besucher könnten Geld sparen

Zahlen würden die Pauschale aber nur Marburger, Besucher könnten gratis fahren. „Alleine wegen dieses Alleinstellungsmerkmals kämen mehr Touristen, die ihr Geld in den Bars und Läden ausgeben.Der Wirtschaft täte so ein Schritt gut, zumal niemand mehr von der Parkplatzsituation abhängig machen müsste, wo er einkauft.“ Weber spekuliert, dass die pauschale Pflichtabgabe sogar weniger als 10,90 Euro betragen könnte. Da für das Bereitstellen von Fahrscheinen Kosten entstehen - etwa Herstellung und Wartung Kassensysteme -, welche die Stadt mit 193 000 Euro für 2012 angibt, könnten die Pro-Kopf-Kosten noch gesenkt werden.

"Mobilität ist so wichtig wie die Gesundheitsversorgung"

Dass die Pflichtabgabe Protest hervorrufen wird, ahnt Weber bereits. „Wieso jemand für etwas zahlen solle, das er nicht nutzt? Gegenfrage: Wie viele Steuern aus allen möglichen Töpfen sind schon in den Verkehr, in Straßen geflossen? Es geht da letztlich auch um eine gewisse Solidarität“, sagt er. Die Bedeutung des Nahverkehrs sei ohnehin unterbewertet. „Mobilität ist so wichtig wie die Gesundheitsversorgung“, sagt Weber. Er wolle die Kostenlast „auf viele Schultern verteilen“. Schließlich sei der ÖPNV - ähnlich wie die Kinderbetreuung - eine nicht unter rein ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachtende Leistung.

Ohnehin: Das fahrscheinlose Busfahren leiste einen Beitrag zu nie endenden Parkplatz- und Autodebatten. „Es geht nicht um Auto gegen Bus gegen Fahrrad. Wir wollen den Startschuss für ein ganz neues Verkehrs-Gesamtkonzept. Und das kann jeder nutzen: Einsteigen und fertig“, sagt Weber. Anstatt auf die Strategie zu setzen, Autofahrern die Stadt madig zu machen, die Parkplätze auf ein Minimum zu reduzieren, sollte man alternative Anreizsysteme schaffen, das Auto nicht zu nutzen.

Die Piraten streben zudem an, praktische Probleme zu bekämpfen: Der Fahrplan könne besser eingehalten werden, wenn sich Busfahrer nicht mehr ums Kassieren kümmern müssten, die Standzeiten an Haltestellen dementsprechend verkürzen.

Nach dem Willen Webers soll die Stadt zunächst ein zweijähriges Pilotprojekt für den fahrscheinlosen ÖPNV starten. Bei Erfolg solle das Konzept auf den Landkreis ausgedehnt werden.

von Björn Wisker

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